Bewegungsstiftung

Stiftungen müssen sich ändern

Wie können Stiftungen wirkungsvoller fördern und transparenter werden? Das war das Thema der Wandelstiften-Tagung in Berlin.

Der blinde Fleck – so lautete der Titel der Tagung, die das Netzwerk Wandelstiften, ein Zusammenschluss von 14 progressiven Stiftungen, zusammen mit dem Bundesverband deutscher Stiftungen Mitte Oktober in Berlin veranstaltet hat.

Dass es im Stiftungswesen blinde Flecken gibt, kritisieren die Mitglieder des Netzwerks Wandelstiften, das die Bewegungsstiftung 2009 mit initiiert hat, seit langem. Denn viele Stiftungen setzen eher auf Wohltaten als politischen Wandel, stopfen Löcher, die der Rückzug des Sozialstaates hinterlässt und machen ihre Arbeit gegenüber der Öffentlichkeit nicht transparent. Hinzu kommt, dass die Förderentscheidung bei den allermeisten Stiftungen ausschließlich in der Hand der Geldgeber liegt und bei vielen die Geldanlage nicht den Zielen der Stiftung entspricht.

Doch die Dinge ändern sich, stellte der Generalsekretär des Stiftungsverbandes, Felix Oldenburg in seiner Begrüßung fest und sprach dem Wandelstiften-Netzwerk ein großes Lob aus. Themen wie Transparenz, ethische Geldanlage, mehr Mitbestimmung und Förderung von sozialem Wandel, seien auch durch die Debatten, die das Netzwerk angestoßen habe, mittlerweile im gesamten Stiftungswesen angekommen. „Vielen Dank für diese wichtigen Impulse“, so Oldenburg.

Tobias Troll stellte das europäische Netzwerk progressiver Stiftungen Edge Europe vor.

Wie eine alternative Stiftungspraxis aussehen kann, zeigten die folgenden Workshops. Zusammen mit der EDGE Funders Alliance (einem Zusammenschluss von progressiven Stiftungen vor allem in Europa und den USA) gab es auch einen Workshop zu der Frage, was Stiftungen zu den notwendigen Transformationsprozessen betragen können. Dabei wurde deutlich, dass viele Stiftungen an verschiedenen Stellen gute Arbeit machen, diese aber noch wirkungsvoller werden kann, wenn man sich in Netzwerken wie Wandelstiften oder EDGE zusammenschließt. Zudem stellte die Bewegungsstiftung ihren Ansatz vor, das Vermögen ethisch-nachhaltig anzulegen und Förderprojekten das gleiche Mitspracherecht einzuräumen wie Stifter*innen.  

Ein weiteres Beteiligungsmodell, das präsentiert wurde: der Mädchenbeirat der Frauenstiftung Filia. Das Gremium, das mit jungen Frauen zwischen 16 und 22 Jahren besetzt ist, wählt Mädchenprojekte gegen Mehrfahrdiskriminierung aus. Claudia Bollwinkel, die das Projekt bei Filia betreut, erklärte: „Wenn man Menschen, die selbst von Diskriminierung betroffen sind, wie Mädchen mit Kopftuch oder Mädchen, die im Rollstuhl sitzen, an Förderentscheidungen beteiligt, dann kommen auch mehr Anträge aus diesem Bereich. Diese Erkenntnis war fast magisch.“

Beim Workshop zum Thema Transparenz wurde aber auch deutlich, wie weit die Positionen des Bundesverbandes, dem sich rund 8.000 der mehr als 22.000 Stiftungen in Deutschland angeschlossen haben, und die mancher Wandelstiften-Vertreter noch auseinander liegen. Während ein Wandelstiften-Vertreter forderte, dass Stiftungen ihre Förderzahlen, Geldanlage und Entscheidungsstrukturen offenlegen sollten, sagte Felix Oldenburg: „Die Gesellschaft hat nichts davon, dass Stiftungen Informationen produzieren, die keiner haben will.“ Er sprach sich stattdessen für eine abgestufte Transparenz aus, mit Basisinformationen, die allen zugänglich gemacht werden und weitergehenden, die nur Mitarbeitende oder Förderpartner erhalten sollten.

Gesine Schwan im Gespräch mit Felix Oldenburg (l.) vom Bundesverband Deutscher Stiftungen, Rupert Graf Strachwitz vom Maecenata-Institut (2.v.r.) und Matthias Fiedler von der Bewegungsstiftung (r.).

Die Tagung endete mit einem Podiumsgespräch und munteren Schlagabtausch zwischen Oldenburg und der Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan über Stiftungen, Macht und Einfluss. Die SPD-Politikerin und ehemalige Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder forderte eine gesetzliche Regelung, dass Stiftungen nicht ausschließlich eigene Projekte finanzieren, sondern mindestens die Hälfte ihrer Mittel an zivilgesellschaftliche Initiativen vergeben müssen. Diesen Dienst an der Demokratie seien Stiftungen der Gesellschaft aufgrund ihrer Steuervergünstigungen schuldig. „Es gibt sonst zu viele gute Ideen, die keine Stifter finden“, so Schwan. Felix Oldenburg verteidigte dagegen Stiftungen als „einen Ort der Freiheit ohne staatlichen Eingriff“.

Im Anschluss stellte Rupert Graf Strachwitz von der Maecenata-Stiftung dann noch einmal grundsätzlich fest: „Stiftungen sind keine demokratische Angelegenheit.“ Sie seien aber trotzdem gesellschaftlich legitim, weil sie zum Beispiel Menschen- und Bürgerrechte schützten. „Doch das Demokratie-Defizit kriegen wir nur über mehr Transparenz in den Griff.“  

Miriam Edding (Stiftung :do) und Claudia Bollwinkel (filia) forderten in dieser Diskussion nochmal deutlich eine Selbstreflektion von Stiftungen und Philanthrop*innen beim Thema Einfluss, Macht und Geld ein. Beiträge zur notwendigen Transformation seien nur möglich, wenn Stiftungen ihr eigenes Handeln und ihre Positionen innerhalb der Gesellschaft kritisch reflektieren.

Der Geschäftsführer der Bewegungsstiftung, Matthias Fiedler, schloss die von ihm moderierte Diskussion mit dem Hinweis, dass solche Fragen und Reflektionen nur in Netzwerken und gemeinsam gut bearbeitet werden können und nannte die gemeinsam mit Bundersverband organisierte Tagung einen wichtigen Schritt auf diesem Weg.

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