Bewegungsstiftung

"Ich will mit meiner Finanzkraft keine Macht ausüben"

Die Bewegungsstiftung hat eine Zustiftung über eine Million Euro erhalten. Im Interview erklärt der Stifter, warum er gemeinschaftliche Entscheidungen schätzt und weshalb er anonym bleiben möchte.

„Mein Vermögen, dass durch die Arbeit anderer entstanden ist, soll dazu dienen, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verändern. Dafür braucht es nicht meinen Namen.“ Foto: Cordula Gieffers

Fiel dir die Entscheidung schwer, dich von einer Million Euro zu trennen?
„Nein, ich brauche das Geld nicht für meinen Lebensunterhalt. Ich verliere keine Lebensqualität durch diese Zustiftung. Und außerdem: Wenn ich mit dem Geld etwas Vernünftiges machen wollte…. das kann die Bewegungsstiftung besser als ich.“

Du hast vor zehn Jahren schon einmal eine Million Euro zugestiftet. Nun wieder. Das ist ein großer Vertrauensbeweis. Gab es ein Erlebnis, das dir gezeigt hat: Das ist die richtige Stiftung für mich?
„Ja. Der Erstkontakt war vor fast zwölf Jahren bei einer Info-Veranstaltung der Bewegungsstiftung, und schon an diesem Tag habe ich gedacht: Das ist das, was ich gesucht habe. Dieser Eindruck hat sich bei meiner ersten Teilnahme an einem Stifter-Beirat noch verstärkt. Ich bin nie enttäuscht worden in diesen zwölf Jahren. Es war mir immer klar, dass wir gemeinsame Grundwerte haben, die Macher bei der Bewegungsstiftung, die Mitstifter und ich.“

Bist du selber politisch aktiv?
„Ich war es, bin es heute aber nicht mehr. Ich bin politisch sozialisiert worden durch die Friedensbewegung, habe jahrelang Gewerkschaftsarbeit gemacht und war später in ihrer Anfangszeit bei den Grünen aktiv. Aber das ist Vergangenheit.“

Wer StifterIn in der Bewegungsstiftung wird, gibt einen Teil des Einflusses ab, der mit Geld einhergeht, weil bei uns Entscheidungen gemeinschaftlich getroffen werden. Ist es ein Problem für dich, dass du nicht mehr Stimmrecht hast als jemand, der 5.000 Euro zustiftet?
„Nein. Ich will mit meiner Finanzkraft keine Macht ausüben. Ich bin auch nicht der Meinung, dass jemand, der eine Million zustiftet, die 200-fach besseren Argumente hat, als jemand, der mit 5.000 Euro dabei ist. Ich bin überzeugt, dass gute Entscheidungen nur durch Diskussion zustande kommen können, und genau diese Erfahrung habe ich auch bei der Bewegungsstiftung gemacht. Ich erinnere mich an einige Fälle, da habe ich nach einer guten Diskussion meine Meinung über das förderungswürdigste Projekt geändert, weil die Argumente mich überzeugt haben.“

Gibt es ein politisches Thema, dass dir besonders wichtig ist?

„Ich setze für mich persönlich Schwerpunkte, wie das wohl jeder Stifter tut. Aber ich habe es immer als Bereicherung empfunden, auch mal mit anderen Themen konfrontiert zu werden und darüber nachzudenken. Wichtig fände ich, noch stärker gegen die Enteignung der Gesellschaft durch Privatisierungen vorzugehen, zum Beispiel mit solchen Initiativen wie ,Gemeingut in BürgerInnenhand'. Für mich persönlich würde ich da Schwerpunkte setzen, also bei Aktionen gegen diese unsäglichen Public-Private-Partnership-Projekte.“

Warum möchtest du anonym bleiben?

Einerseits hängt das wohl mit meiner Persönlichkeit zusammen. Andererseits könnte ich auch sagen: Wenn ich mein Vermögen selbst erarbeitet hätte, könnte es mir leichter fallen, mich als den großen Wohltäter zu präsentieren. Bei mir ist es aber so, dass ich durch die Lohnarbeit anderer reich geworden bin, und eigentlich müssten dann deren Namen genannt werden, anstatt meiner. Ich sehe es so: Mein Vermögen, das durch die Arbeit anderer entstanden ist, soll dazu dienen, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verändern. Dafür braucht es nicht meinen Namen.

Was wünschst du der Bewegungsstiftung für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die Stiftung weiterhin wächst, dass sie ihre Organisation entwickelt und dass sie Zugang findet zu den vielen Vermögenden, die so wie ich mit der gesellschaftlichen Entwicklung nicht zufrieden sind. Ich bin sicher, dass es davon sehr viele gibt. Man muss sie nur finden. Da wünsche ich der Stiftung eine gute Hand.

Das Interview führte Matthias Fiedler.

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