Bewegungsstiftung

"Man bleibt Erbin - ein Leben lang"

Dieser Text ist eine Erwiderung unserer Stifterin Irmingard Weise auf ein Zeit-Interview mit der Unternehmerin und Großspenderin Susanne Klatten, deren Vermögen auf mehr als 19 Milliarden Euro geschätzt wird.

Irmingard Weise Foto: privat

Sehr geehrte Frau Klatten,
zu Ihrem Interview mit dem Titel „Ich bin mehr als eine reiche Erbin“ möchte ich Folgendes bemerken: Als Erbin eines Vermögens, das zehnerpotenzen-weit von dem Ihrigen entfernt ist, habe ich doch die Erfahrung gemacht, dass man genau das ein Leben lang bleibt – nämlich Erbin. Denn man ist zum Beispiel nicht von den Launen eines Chefs, der einen nicht leiden kann, existentiell abhängig oder muss sich bei Kreditverhandlungen von irgendwelchen Bankern demütigen lassen. Kurz: Das Leben verläuft anders als bei 99 Prozent der deutschen Bevölkerung.

Sie betonen im Interview, dass Sie nicht nur dasitzen und warten, dass die
Dividenden über Sie ausgeschüttet werden, sondern dass Sie Arbeit leisten,
Verantwortung tragen, für Risiken einstehen. Gewiss kostet die Verwaltung
eines großen Vermögens auch viel Kraft. Es ist Arbeit, wie Sie sagen. Aber wenn Sie sich die Mühe machen und Ihren Einsatz mit Ihrem Einkommen gegenrechnen, so kommen Sie auf einen grotesk hohen Stundenlohn, der durch nichts gerechtfertigt ist, nicht durch Intelligenz, nicht durch Ausbildung und
nicht durch außergewöhnlichen Einsatz.

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Auf die Frage, ob wohlhabende Menschen wie Sie nicht mehr Steuern zahlen könnten, um etwas für die Gesellschaft zu tun, zum Beispiel höhere Kapitalertragssteuern, antworten Sie: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viele Dinge doppelt besteuern und damit diejenigen frustrieren, die durch ihre Arbeit diese Kapitalerträge erwirtschaftet haben. Man trifft mit dieser Diskussion Menschen, die eine gesellschaftliche Tragfähigkeit in unserem Land haben.“ Ihre Argumente finde ich nicht überzeugend. Warum sollen Zinserträge von festgelegtem Geld niedriger besteuert werden als
durch Arbeit erwirtschafteter Lohn ?

Zur Höhe von Vermögen: Sehr geehrte Frau Klatten, in dem Interview sprechen
Sie von "mein(em) Geld". Kann es wirklich sein, dass Sie ein Besitzergefühl
haben zu 19 Milliarden Euro? Das ist doch eigentlich so eine abstrakt hohe
Summe. Meiner Meinung nach sollte niemand so viel besitzen. Sie aber lehnen
Umverteilung ab, empfinden diese „nicht unbedingt als gerecht“ und sagen,
man müsse „viel stärker Initiative fördern bei denen, die sie haben.“

Um die bestehenden Vermögensverhältnisse im Sinne einer Umverteilung nur
ein wenig zu verändern, hat eine Gruppe von 22 vermögenden Menschen in der
„Zeit“ vor sieben Jahren einen Appell als Anzeige veröffentlicht, in dem eine 10-
prozentige Abgabe auf höhere Vermögen gefordert wird. Wir – als
UnterzeichnerInnen – wären selbst davon betroffen und dazu bereit gewesen.
Die Abgabe sollte zweckgebunden „gezielt in den ökologischen Umbau der
Wirtschaft, in Personal für Bildungs-,Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen
sowie in die Erhöhung von Transfereinkommen“ investiert werden. Dieser
Appell wäre – mit einigen Modifikationen – immer noch sinnvoll. Denn nur der
Staat kann eine wirksame Umverteilung von Vermögen einleiten.

Wäre die von uns geforderte Abgabe wirksam, so müssten Sie, sehr geehrte
Frau Klatten, 1,9 Milliarden Euro zahlen, eine riesige, riesige Summe. Die 100
Millionen, die Sie jetzt mit Ihrem Großspende einsetzen, sind ein gutes
Zwanzigstel davon......Ein Zwanzigstel von einem Zehntel, das klingt schon fast
nach Portokasse.

Wir – die mittlerweile auf 63 Personen angewachsene Gruppe der
Unterzeichner des Appells – haben fast alle gemeinnützige Stiftungen
gegründet oder sind in gemeinnützigen Gemeinschaftsstiftungen wie der
Bewegungsstiftung engagiert. Wir sehen kein Entweder-Oder zwischen Höhere-
Steuern-Zahlen und Spenden oder Stiften.


Mit freundlichen Grüßen,
Dr. med. Irmingard Weise
Erbin, Ärztin und Stifterin der Bewegungsstiftung

Zusatz-Information: Im April 2016 hat Susanne Klatten zusammen mit dem Beratungsinstitut Phineo die SKala-Initiative ins Leben gerufen. Bis zum Jahr 2020 will sie 100 gemeinnützige Initiativen mit ingesamt bis zu 100 Millionen Euro unterstützen.

>>Link zum Zeit-Interview

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