Bewegungsstiftung

"Protest und Beteiligung gehören zusammen"

05.10.2017

Carsten Herzberg erzählt, warum Bürgerbeteiligung soziale Bewegungen braucht und was er an der Bewegungsstiftung schätzt

Carsten Herzberg, Foto: Kathleen Friedrich

Wie hast du von der Stiftung erfahren?

So genau kann ich das gar nicht sagen. Ich interessiere mich für soziale Bewegungen und bin auch selbst in sozialen Bewegungen aktiv. In diesem Kontext tauchte der Name Bewegungsstiftung auf. Ich habe mich dann auf der Internetseite und bei einer Informationsveranstaltung informiert und mit Matthias Fiedler Kontakt aufgenommen.

Warum bist du Stifter der Bewegungsstiftung geworden?

Ich begreife mein Stiften als Investition. Es geht mir vor allem darum, eine Arbeit zu unterstützen, die ich selbst nicht leisten kann, aber wichtig finde.
Ich selbst forsche und arbeite zum Thema Bürgerbeteiligung, also zur Einbeziehung vor Bürger*innen in politische Prozesse. Eine wichtige Erkenntnis dabei ist, dass Bürgerbeteiligung ohne den Druck von unten – ohne soziale Bewegungen, die Druck machen – nicht funktioniert. Wenn Bürger*innen nur als Einzelpersonen auftreten, haben sie keine Chance haben, sich gegen andere Akteur*Innen in diesem Prozess durchzusetzen. Erst Kraft ihres gemeinsamen Protests können sie ihren Forderungen und Ideen Nachdruck verleihen. Dazu braucht es soziale Bewegungen.
Als Vorstandsmitglied des Vereins „mitMachen“ suche ich immer auch nach anderen Organisationen, die ähnlich arbeiten oder unsere Arbeit fortsetzen: „mitMachen“ berät Bürger*innen, die sich einbringen wollen, unter anderem zum Thema Gruppenbildung und Vernetzung. Die Bewegungsstiftung unterstützt Gruppen, die bei der Umsetzung ihrer Belange auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Für umfassende Transformation ist eine vielschichtige Struktur zur Unterstützung von Engagement und Partizipation wichtig.
Für mich arbeiten Protest und Beteiligung Hand in Hand.

Inwiefern?

Eine soziale Bewegung, die auf die Durchsetzung ihrer Ziele drängt und diese eines Tages auch umsetzen kann, muss dafür sorgen, dass diese Ziele auch verwaltet werden. Ein Beispiel dafür ist der Atomkraftausstieg. Mittlerweile hat sich die Überzeugung durchgesetzt, die Atomkraftwerke stillzulegen. Aber bis jetzt bleibt unklar, wie die Rückabwicklung genau aussehen soll. Genauso ist es auch bei der Energiewende. Wenn man nicht sagen will, wir setzen das Ganze jetzt „top down“ herrschaftlich durch, braucht es auch nach der Durchsetzung bestimmter Forderungen Partizipation. Das finde ich einen spannenden Schritt, der gleichzeitig auch Fragen aufwirft: Soziale Bewegungen und Bürgerbeteiligung, passt das zusammen? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Gibt es politische Ereignisse, die dich besonders geprägt haben oder bis heute prägen?

Eines der Schlüsselereignisse für mich waren die Anti-Castor-Proteste Anfang der 1990er Jahre. Damals war ich Student in Potsdam und habe die Anti-Atom-Bewegung vor Ort mit aufgebaut. Wir wurden von der Begegnungsstätte KURVE im Wendland unterstützt und haben zum Beispiel an Schulungen in Sitzblockaden teilgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war noch vollkommen unklar, ob der Protest gegen Atomkraft jemals Erfolg haben würde. Als nach der Katastrophe in Fukushima der Atomausstieg wirklich begonnen wurde, hat das auch gezeigt: Protest lohnt sich! Jetzt müssen wir den Kohleausstieg und die Energiewende als solche schaffen. Auch das geht nicht ohne Partizipation der Bürger!

Gemeinsam mit einem Projektbegleiter der Bewegungsstiftung hast du die Kampagne „Stoppt den Megastall“ besucht und beraten. Was hat dich dazu bewogen ehrenamtlich in der Stiftung aktiv zu werden?

Es war für mich von Anfang an klar, dass ich mich auch bei der Bewegungsstiftung  engagieren möchte. Ich war neugierig darauf, die Mitwirkenden kennenzulernen und finde es sehr gut, dass die Stiftung da Zugänge schafft. Im Arbeitskontext komme ich mit Stiftungen auch als Antragssteller in Kontakt. Wenn ich Forschungsgelder beantrage, bleiben die Stiftungen für mich meistens eine Black Box. Ich kenne nur das Gremium, von dessen guten Willen ich abhängig bin. Bei der Bewegungsstiftung ist das anders: Hier können sich Stifter*innen, aber auch die geförderten Projekte selbst einbringen und mitentscheiden.
Dass ich nun gerade „Stoppt den Megastall“ begleite, war vorrangig eine pragmatische Entscheidung: Ich lebe in Potsdam, das Projekt hat dort seine Basis. Außerdem kenne ich den BUND Brandenburg schon lange und so bietet die Begleitung mir auch die Möglichkeit, Leute und Thematik besser kennenzulernen.

Was überzeugt dich an der Arbeit der Bewegungsstiftung?

Die Transparenz. Man kann wirklich sehen, wofür das Geld eingesetzt und wo es angelegt wird. Ich habe mich beruflich mit Cooperate Governance im Nonprofit-Sektor beschäftigt. Einen solch hohen Grad von Offenlegung wie bei der Bewegungsstiftung habe ich bei anderen Stiftungen und Vereinen nie gesehen.
Außerdem gefällt mir, dass man sich als Stifter einbringen kann, es aber nicht muss. Das Angebot, mitzuentscheiden, in Kombination mit der Möglichkeit, sich auch immer wieder ausklinken zu können, ohne dass es einem übelgenommen wird, schätze ich sehr.
In den Gremien überzeugt mich auch der souveräne und willkommene Umgang mit verschiedenen Positionen. Dass unterschiedliche Meinungen auf dem letzten Beirat der Stifter*innen stets als gewinnbringend aufgefasst wurden, hat mich sehr beeindruckt.
Ob die aufwändige Entscheidungsfindung durch diverse Gremien tatsächlich der beste Modus ist, da bin ich mir nicht sicher. Damit beschäftigt sich die Stiftung ja selbst ganz stark. Das zeichnet sie meines Erachtens auch aus: ihre Selbstreflexion.

Die Bewegungsstiftung ist dieses Jahr 15 Jahre alt geworden. Was wünschst du der Stiftung für die kommenden 15 Jahre?

Weiteres Wachstum und dass es Nachahmer gibt! Ich habe mich sehr gefreut, dass in diesem Jahr eine große Zustiftung erfolgte, die einen Ausbau der Förderung ermöglicht.
Ich wünsche ihr, dass sich neue Stiftungen gründen, die das Modell der Bewegungsstiftung übernehmen. Das wäre keine Konkurrenz, sondern die Weiterverbreitung einer Idee.
Vielleicht wäre es für die Bewegungsstiftung sinnvoll, sich zu fokussieren. Im Moment fördert die Stiftung ja Projekte in einem sehr breiten Themenspektrum. Vielleicht ließe sich noch mehr erreichen, wenn man zum Beispiel Themenjahre mit wechselnden Förderschwerpunkten schaffen würde.
Aber das sind Überlegungen, keine Forderungen. Ich freue mich darauf, sie in den Gremien und der Strategiewerkstatt im Frühjahr einzubringen.

Das Interview führte Janina Barth.

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