Bewegungsstiftung

Coaching für Weltretter

Tagesspiegel, 29.10.2019

Die Bewegungsstiftung investiert in Engagement für eine bessere Welt

Von Andrea Dernbach

Auch wer die Welt verbessern will, braucht dafür Geld. Und einen Plan. Für beides gibt es seit 17 Jahren im tiefen Niedersachsen, in Verden an der Aller, eine Anlaufstelle: die „Bewegungsstiftung“. 2002 in Berlin von nur neun Geldgeberinnen und -gebern mit einem Startkapital von 250 000 Euro gegründet, verfügt die Stiftung heute über etwa sieben Millionen Euro von inzwischen rund 200 Stiftern. Ihr Geld ist da für alle, die sich „für Gerechtigkeit, Demokratie, Menschenrechte, Frieden, Ökologie und Gleichstellung“ engagieren und die „grundlegende“ Veränderungen wollen, wie es in den Förderrichtlinien der Stiftung heißt.

Als Liza Pflaum und vier Mitstreiterinnen und -streiter letztes Jahr in Berlin spontan die „Seebrücke“ gründeten, um Proteste gegen die Sperrung der Mittelmeerhäfen und Hilfe für die umherirrenden Seenotrettungsschiffe zu organisieren, da gab es schon nach einer Woche, sagt Pflaum, diesen Wow-Moment: „Wir merkten schnell, dass das für uns fünf in der Kerngruppe viel zu viel Arbeit war.“

Weil eine von ihnen die Bewegungsstiftung schon kannte, rief man dort an. Die Leute in Verden hätten rasch reagiert, erzählt Pflaum, und mit den 15 000 Euro sogenannter Eilförderung konnte die Seebrücke zwei Honorarkräfte einstellen. „Das hat die Power erhalten“, sagt Pflaum. Inzwischen hat die „Seebrücke“ eine Zusage über 60 000 Euro, verteilt auf die nächsten drei Jahre. Kein enormer Betrag, aber ein verlässlicher. Bis sie aus eigener Kraft und Spenden ihr ehrgeiziges Ziel angehen können: „Die Migrationspolitik der EU zu ändern – denn das wollen wir ja.“

Vor derart großen Zielen hat die Bewegungsstiftung keine Angst, im Gegenteil. Als sie kürzlich die von ihr geförderten Projekte zum Erfahrungsaustausch nach Berlin-Moabit einlud, ging es in kleinen Gruppen zum Beispiel um die Frage „Wie gelingt es, eine scheinbar unrealistische Forderung (Enteignung) populär zu machen?“. Antworten gaben zwei Vertreterinnen der Berliner Initiative „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“, die das geschafft hat. Auch dank der Lage vor Ort, so die Aktivistinnen: Die Berliner Mieten seien rasch explodiert, wovon viele massiv betroffen waren, es gab viel Wut, bereits Engagement und eine rot-rot-grüne Stadtregierung, die „nicht dagegen sein konnte“. Aber erst als man einen „realistischen Hebel“ ansetzte, den Volksentscheid zur Enteignung, habe die Sache Dynamik bekommen. „Habt ihr den?“, fragen die erfahrenen Berlinerinnen. Noch nicht so richtig, signalisieren die beiden jungen Männer, die ihnen lauschen, um zu lernen. Sie arbeiten in Verkehrsinitiativen in Bremen und Wien und finden, dass auch das mit der großen positiven Erzählung für ihr Thema schwieriger sei: Wer Autos zurückdrängen wolle, kämpfe nicht gegen Heuschrecken, sondern gegen die Routinen vieler – womöglich gegen die eigenen.

Geld ist das eine, Wissen eben das andere, das vielen Engagierten fehlt. Auch hier hilft die Stiftung: Jedes der Projekte, die sie fördert, begleitet sie auch - nicht nur bei solchen Treffen, sondern regelmäßig mit der Expertise von Profis und, wo möglich, dem Einsatz der Stifterinnen. Eine von ihnen ist Ulrike Bock, aktuell Vertreterin der Stifter im Stiftungsrat, dem wichtigsten Entscheidungsgremium der Bewegungsstiftung. Die Historikerin aus Münster war noch als Studentin eine der Ersten, die Geld gaben. „Ich bin in einer sehr politischen Familie aufgewachsen, in der immer klar war, dass Eigentum verpflichtet.“ Als Bock einen Firmenanteil erbte, wurde aus der Frage „Habe ich überhaupt ein Recht darauf?“ Engagement für die Stiftung.

Bock schätzt an der Bewegungsstiftung, dass sie selbst in Bewegung bleibe und rasch auf neue Bedarfe reagiere. Gerade sind das Starthilfen aus Anschubfinanzierung und Strategie-Coaching. „Es gibt viele gute neue Gruppen, die aber zu Anfang etwas herumeiern.“

Und auch um die wird sich gekümmert, die das Geld geben: Die Stiftung berät Vermögende in Seminaren, und die Anlagen der Stiftung – nichts davon geht in Atomkraft, Ausbeutung oder Naturzerstörung – sollen auch Anregung sein. Auf der Website www.bewegungsstiftung.de sind sie für alle einsehbar, die in eine bessere Welt investieren wollen und können.

Dass der Stiftung die Arbeit daran ausgehen wird, ist wohl nicht zu erwarten: Eine Zeit lang habe es eine leichte Flaute des Engagements gegeben, sagt Ulrike Bock, aber das habe sich geändert: „Viele Menschen sind wieder motiviert, sich zu engagieren.

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