Bewegungsstiftung

Das Erbe soll für andere arbeiten

Stuttgarter Zeitung, 9. März 2011

Spenden Die Bewegungsstiftung unterstützt Aktivisten jenseits des Parteiensystems – mit Geld und Kenntnissen.

Von Erik Raidt

Jan Butz ist Jahrgang 1968. Als Politik für ihn wichtig wurde, marschierten Hunderttausende auf die Straße, um gegen die Nachrüstung zu demonstrieren. Butz, der damals im nordrhein-westfälischen Jülich aufwuchs, empörte sich über Fluorchlorkohlenwasserstoffe in Haarspraydosen, »das Ozonloch war damals ein großes Thema«. Er engagierte sich früh: in der Kirchengemeinde und in der Umweltschutz-AG seiner Schule. Mit Freunden druckte er Flugblätter, seine Eltern überredete er, öfter im Bioladen einzukaufen. Dann kam der 26. April 1986 – der Tag, der eine ganze Generation geprägt hat: In Block 4 des Kernkraftwerks von Tschernobyl in Weißrussland ereignete sich eine Kernschmelze. 

Ein Vierteljahrhundert später arbeitet Jan Butz in Stuttgart als Bauingenieur in einem mittelständischen Unternehmen. Der 42-Jährige sorgt unter anderem dafür, dass die Kanalsysteme in de Stadt so verbessert werden, dass die Gewässer in der Region weniger stark mit Schadstoffen belastet werden: »Das begreife ich als praktischen Umweltschutz.« Das Thema Ökologie hat ihn nach all den Jahren nicht losgelassen – doch die Art, wie er sich engagiert, hat sich stark verändert.

Jan Butz lässt sein Geld arbeiten. Als ihm sein Onkel vor einigen Jahren eine Summe hinterließ, für die er auch ein größeres Auto hätte kaufen können, spendete Butz einen Teil des Geldes der Bewegungsstiftung. Die Stiftung ist jung, sie wurde 2002 in Berlin gegründet, und sie arbeitet mit einem ungewöhnlichen Ansatz: Sie unterstützt soziale Bewegungen, die sich für gesellschaftliche Veränderungen einsetzen, beispielsweise die Initiative LobbyControl – diese Gruppe will den Einfluss von Unternehmen und Lobbyorganisationen auf den Staat und die öffentliche Meinung aufdecken.

An Herzblut mangelt es nicht bei jenen, die sich aus Überzeugung für Umweltschutz, Bürgerrechte oder Flüchtlinge einsetzen. Oft jedoch scheitern die Aktivisten und Gruppen, weil sie keine finanzielle Unterstützung bekommen und schlecht organisiert sind. An beiden Punkten setzt die Unterstützung der Bewegungsstiftung an: Sie gibt nicht nur Geld, sie berät die Gruppen auch bei ihren Aktionen und bei Kampagnen. Wie können Gruppen überhaupt etwas bewirken? Wie schaffen sie es, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden?

Die Stiftung wendet sich dabei an eine Generation von Erben, die ihr Geld nicht nur für wohltätige Zwecke spenden, sondern politisch Einfluss nehmen wollen. Inzwischen haben neben Jan Butz rund hundert weitere Stifter mindestens 5000 Euro gespendet. »Mich fasziniert die Idee hinter der Bewegungsstiftung«, sagt Butz, der seine Ansichten bei den politischen Parteien immer nur in Teilen vertreten sieht - und sich lieber bei einzelnen Themen politisch engagiert.

Als Stifter ist er automatisch Mitglied in jenem Beirat, der entscheidet, welche Gruppen unterstützt werden sollen. Dabei geht es zuerst um die Ziele der jeweiligen Aktivisten – aber gleich an zweiter Stelle auch um die Erfolgsaussichten, auch wirklich etwas zu bewegen. »Wer unterstützt wird, soll zum gesellschaftlichen Wandel beitragen«, erzählt Jan Butz, »und er muss wirklich etwas bewegen. Die Stiftung achtet darauf, dass kein Geld verschwendet wird.«

Jan Butz geht es wie vielen Menschen seines Alters: Beruflich fühlt er sich so stark eingebunden, dass er nicht mehr so oft die Zeit findet, sich selbst politisch zu engagieren. Er hofft, dass sein Geld etwas bewegt. Schon als Schüler investierte er einen Teil seines Taschengelds in den Jahresbeitrag bei Greenpeace. Die Höhe der damaligen Fördersumme: 30 D-Mark.

 

STIFTUNGSRAT ENTSCHEIDET

Grundidee Immer mehr Menschen verfügen über ein Vermögen, dessen Höhe über die eigenen Bedürfnisse hinausreicht. Viele spenden oder stiften für gute Zwecke – das Geld kommt unter anderem Einrichtungen zugute, die nicht vom Staat gefördert werden. Die Bewegungsstiftung verfolgt eine andere Strategie: Sie fördert Gruppen, die sich auf verschiedenen Feldern politisch betätigen und gegen vermeintliche Missstände kämpfen. Mit Zuschüssen und durch Beratung hilft die Bewegungsstiftung den Aktivisten, ihre Ziele zu erreichen.

Empfänger Ein fünfköpfiger Stiftungsrat wählt die zu fördernden Kampagnen und Organisationen aus und entscheidet über die Anlage des Stiftungskapitals. Zu den Empfängern von Zuschüssen gehören unter anderem Robin Wood, Attac, LobbyControl und die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen.

 

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