Bewegungsstiftung

Graswurzelrevolution, Januar 2011

Sie besetzen Bäume, befreien Felder von genmanipulierten Pflanzen oder organisieren gewaltfreie Sitzblockaden. Ihr Ziel: Sie wollen auf Missstände aufmerksam machen, andere mitreißen und den politischen Wandel voranbringen. BewegungsarbeiterInnen nennt die Bewegungsstiftung diese VollzeitaktivistInnen, von denen sie derzeit neun unterstützt.

Von Andreas Göller

Ihr Geld erhalten die BewegungsarbeiterInnen dabei nicht von der Bewegungsstiftung selbst, die in erster Linie Protestkampagnen fördert, sondern von einem Kreis von PatInnen, die sich dem Engagement der BewegungsarbeiterInnen verbunden fühlen.

Die Stiftung sorgt für die Weiterleitung der Gelder, berät, vernetzt und unterstützt die BewegungsarbeiterInnen bei der Öffentlichkeitsarbeit.

Einer von ihnen ist Bruno Watara, der 1997 aus Togo als politischer Flüchtling nach Deutschland kam. Hier stellte er einen Asylantrag und wurde in ein Flüchtlingslager in Mecklenburg-Vorpommern geschickt. „Ich war sieben Jahre an diesem Ort“, berichtet Bruno, „ohne Kontakt nach außen, ohne Perspektive, ohne zu wissen, was morgen kommt. Man fühlt sich wie gefesselt.“ Das Lager war mitten im Wald, wurde videoüberwacht und war mit Stacheldraht eingezäunt.

Der nächstgelegene Ort mit Einkaufsmöglichkeit war neun Kilometer entfernt und für den Bus, der nur zweimal am Tag verkehrte, reichte das Geld häufig nicht aus.

Seit 2006 ist Brunos eigener Aufenthaltsstatus gesichert – doch das lange Leben im Lager und die jahrelange Bedrohung durch Abschiebung haben ihn politisch stark geprägt. Deswegen hilft er heute anderen Flüchtlingen. „Ich kann die Leute, die noch in den Lagern sind, nicht einfach vergessen. Ich habe das schließlich selbst erlebt und weiß, was die Isolation anrichtet“, erklärt Bruno.

Aber wie wird eine VollzeitaktivistIn eigentlich zur BewegungsarbeiterIn?

Interessierte, die sich für das Modell bewerben möchten, sollten bestimmte Kriterien erfüllen. Sie sollten in sozialen Bewegungen eine tragende Rolle einnehmen, aber trotzdem ungebunden und unabhängig agieren. Zudem sollte das Engagement durch ein deutliches Profil gekennzeichnet sein, das nach außen klar vermittelbar ist. Wenn Menschen diese Eigenschaften besitzen, können sie sich bei der Bewegungsstiftung bewerben.

BewegungsarbeiterInnen zeichnet vor allem aus, dass sie schon viele Jahre in sozialen Bewegungen aktiv sind und deswegen über weitreichende Erfahrungen in diesem Bereich verfügen. Bewusst verzichten sie auf eine normal berufliche Karriere, um sich vollständig auf die politische Arbeit zu konzentrieren.

Jürgen Heiser etwa engagiert sich seit über 30 Jahren in sozialen Bewegungen. Sein besonderer Einsatz gilt dem seit 1982 zu Unrecht in der Todeszelle sitzenden Afro-Amerikaner Mumia Abu-Jamal. Jürgens politisches Ziel ist aber weiter gesteckt: Er kämpft für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe, die derzeit noch in einem Drittel der Länder dieser Erde vollstreckt wird.

Häufig ist Bewegungsarbeit auch Büro- und Kommunikationsarbeit: Telefonieren, E-Mails Schreiben, Verfassen von Presseartikeln und Vernetzen mit anderen Menschen der Bewegung. Die BewegungsarbeiterInnen sind „NetzwerkerInnen“.

Edgar Schu zum Beispiel kämpft seit 2004 gegen die weitere Verschärfung von Gesetzen gegen Erwerbslose und gegen Lohndumping. Von zu Hause aus betreibt er das Vernetzungsbüro des Aktionsbündnisses Sozialproteste. Edgar verschickt mehrere hundert Rundmails an Aktive im gesamten Bundesgebiet und mit seiner gelegentlichen Beteiligung an Projekte vor Ort hält er den Kontakt zu den bundesweit verteilten Initiativen.

Sitzblockaden, freiwillige Feldbefreiung, Demos und gewaltfreier Widerstand: Das sind die Themen, mit denen sich Holger Isabelle Jänicke fast täglich auseinandersetzt. In Hamburg leitet der 48-Jährige ein Rechtshilfebüro, das sich seit Jahren für die rechtliche Vor- und Nachbereitung von Aktionen des zivilen Ungehorsam und anderer Protestformen sozialer Bewegungen kümmert. Bei Castor-Transporten übernimmt Holger Isabelle z.B. die Rechtshilfe der Anti-Atom-Kampagne „X-tausendmalquer“. Zudem unterstützt er die Initiative „Gendreck weg“ bei rechtlichen Fragen.

Holger Isabelle weiß die Förderung der PatInnen zu schätzen: „Die Unterstützung zeigt mir, dass meine Arbeit was wert ist, und schafft mir den Raum für die Arbeit, die zu leisten ist.“

Die PatInnen ermöglichen durch ihre Unterstützung den BewegungsarbeiterInnen, langfristig in und für soziale Bewegungen zu arbeiten. In der Regel suchen sich die AktivistInnen ihre Förderinnen und Förderer in ihrem eigenen Umfeld. Reich werden sie durch die Patenschaftsgelder aber nicht.

Durchschnittlich wird eine BewegungsarbeiterIn von je 15 PatInnen unterstützt, die zusammen monatlich ungefähr 500 Euro überweisen. Im Gegenzug berichten die BewegungsarbeiterInnen ihren PatInnen regelmäßig über ihre Arbeit.

In einem zweijährigen Rhythmus überprüft der Stiftungsrat, ob die BewegungsarbeiterInnen und ihr Engagement weiterhin den Kriterien der Stiftung entsprechen. Dabei nimmt sie keinen Einfluss auf die Arbeitsinhalte der VollzeitaktivistInnen, zahlt aber auch keine Sozialversicherung.

Es handelt sich also rechtlich nicht um ein Beschäftigungsverhältnis, sondern um eine mildtätige Zuwendung an wirtschaftlich Bedürftige. Monatlich 500 Euro sind nicht viel. Deswegen haben einige BewegungsarbeiterInnen zusätzlich einen Teilzeitjob, erhalten Honorareinkünfte für Vorträge und Presseartikel oder haben eine/n Lebenspartner/in, der/die sie unterstützt. Die Förderung der Bewegungsstiftung erlaubt ihnen aber, sich zum größten Teil auf die politische Arbeit zu konzentrieren.

Leider können nicht alle Menschen, die sich Vollzeit und ehrenamtlich engagieren, von der Stiftung gefördert werden.

Die Organisationsstruktur der Bewegungsstiftung ist begrenzt. Deswegen hat die Stiftung das BewegungsarbeiterInnen-Programm auf zehn Personen beschränkt. Der letzte freie Platz soll vorrangig an eine Frau vergeben werden. Das Modell Bewegungsarbeit ist aber nicht auf die Stiftung beschränkt. Die Bewegungsstiftung empfiehlt es allen gemeinnützigen Organisationen zur Nachahmung und gibt die eigenen Erfahrungen gerne weiter.

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www.graswurzel.net/

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