Bewegungsstiftung

Contraste, Mai 2011

Interview mit der Attac-Mitbegründerin und Vollzeit-Aktivistin Jutta Sundermann über Erfolge und Niederlagen von sozialen Bewegungen

Von Wiebke Johanning

Jutta, du bist seit über 20 Jahren politisch aktiv und hast viele Kampagnen mit organisiert. Was war bisher dein größter Erfolg?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich sammle Erfolgsgeschichten, weil sie so gut tun. Sowohl die Erfolge von Kampagnen, an denen ich beteiligt bin, als auch die von anderen Gruppen. Zwei meiner Lieblingserfolge sind vielleicht das Plagiat der „Zeit“, das ich in einer kleinen Redaktionsgruppe 2009 entworfen habe und das bundesweit verteilt wurde. Das andere Erfolgserlebnis ist die Kampagne gegen Biopiraterie, mit der wir 2005 ein Patent auf die Tropenfrucht Cupuaçu verhindert haben. Beides waren tolle Projekte, weil die Gruppen sehr motiviert waren und weil wir unsere selbstgesteckten politischen Ziele erreicht haben.

Was ist mit den Niederlagen? Guckst du auf die nicht so gerne drauf?

Doch, natürlich! Denn da gibt es viel zu lernen. Ein Beispiel ist für mich die Attac-Kampagne „Power to the People“, die wir 2008 gestartet haben. Damals wirkte unsere Forderung, Stromkonzerne zu enteignen und einer demokratischen Kontrolle zu unterwerfen, auf viele befremdlich. Als so kleine Gruppe gegen die Stromriesen anzutreten – dieses Ungleichgewicht fühlte sich schon sehr extrem an. Mittlerweile ist die Situation eine andere. Viele schauen auf die Struktur des Strommarktes und fragen sich, ob das nicht geändert werden müsste. Jetzt wollen Aktive dort anknüpfen, wo wir damals aufhörten.

Warum lohnt es sich für Bewegungen, über Erfolge und Niederlagen nachzudenken?

Auf Niederlagen zu schauen, ist wichtig, um zu lernen und um es das nächste Mal besser zu machen. Auf Erfolge zu schauen, macht Mut, gibt Kraft und tut den Menschen in Bewegungen gut. Wer diesen Blick auf Erfolge nicht pflegt, hält nicht so lange durch. Deshalb sollten sich Kampagnen auch das Ziel setzen, dass die Beteiligten bestärkt aus den Aktionen hervorgehen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Blockaden gegen den Castor: Auch wenn der Transport am Ende das Zwischenlager erreicht, hat sich für viele Menschen der Einsatz gelohnt. Sie wissen, dass sie ein starkes Zeichen gegen Atomkraft gesetzt haben und erleben sich als Teil eines breiten und entschlossenen Widerstandes. Die Leute fahren anders nach Hause als sie gekommen sind.

Was verhindert Erfolge?

Ganz häufig scheitern Bewegungen an Streit in der Gruppe. Menschen sind verschieden. Auch wenn sie für ein gemeinsamen Ziel streiten, gibt es immer wieder Differenzen über Methoden und Strategien. Deshalb ist es so wichtig, diese Konflikte ernstzunehmen. Wer gut zusammen arbeiten möchte, muss sich das bewusst vornehmen und da auch Kraft reinstecken – und das bitte nicht den Frauen in einer Gruppe überlassen!

Was können aus deiner Sicht Bewegungen noch tun, um erfolgreich zu sein?

Selbstbewusste Aktive sollen sich Ziele setzen, mutige, aber erreichbare Ziele – ich bin immer wieder erschrocken, wie oft das „vergessen“ wird. Wer seine eigenen Ziele ernst nimmt, braucht eine gute Strategie: Wie lässt sich das Problem zuspitzen? Wo können wir den Hebel ansetzen? Welche Mittel bieten sich an? Demos, gewaltfreie Aktionen, juristische Einsprüche? Was können wir mit unserer Gruppen leisten? Wer kann uns beistehen? Sehr hilfreich sind dabei die Erfahrungen anderer Kampagnen. Deswegen finde ich die Idee der Bewegungstagung in Frankfurt super – eine gute Gelegenheit, um voneinander zu lernen.


 

www.contraste.org

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