Bewegungsstiftung

Enorm, 3/2010

In der Bewegungsstiftung vernetzen sich Vermögende und Aktivisten, die sich für den sozialen Wandel einsetzen - ein Portrait eines Stifters.

von Claudia Rammin

Erdkröten waren der Auslöser für sein erstes soziales Engagement: Als Elfjähriger baute er Zäune, um Froschlurche vor dem Überfahren auf der Straße zu schützen. Mit 14 schloss sich Christoph Bautz, einziger Sohn eines Maschinenbauunternehmers, dem Naturschutzbund an. Aus Sorge um die Tiere verzichtet er bis heute auf ein Auto. Die zehn Kilometer von seinem Haus im niedersächsischen Dörverden bis zu seinem Büro in Verden fährt er täglich mit dem Fahrrad.
In die Kleinstadt an der Aller hat es den Diplom-Biologen verschlagen, als er vom Naturschützer zum Mitarbeiter in der Verdener Geschäftsstelle des globalisierungskritischen Netzwerks Attac avancierte. Hier entwickelte Bautz, den es faszinierte, Menschen durch Projekte für einen politischen Zweck zu mobilisieren, mit zwei Attac-Kollegen die Idee einer Gemeinschaftsstiftung der etwas anderen Art.

Reichtum für Reformen statt Rendite
„Bei unserer langjährigen Arbeit in sozialen Bewegungen mussten wir immer wieder schmerzlich erleben, wie kreative und gut durchdachte Ideen für politische Kampagnen schon im Keim am mangelnden Geld scheiterten“, sagt Bautz, 38. „Auf einer Reise in die USA lernten wir Stiftungen wie Haymarket kennen, die mehr oder weniger wohlhabende Menschen dafür begeistern, einen Teil ihres Vermögens für sozialen Wandel einzusetzen.“
Bautz und den beiden Kollegen war eines gemein: Sie waren jung und hatten geerbt. Einige Millionen Euro lagen auf ihren Konten, und sie wollten, dass ihr Reichtum nicht nur für die Rendite arbeitet, sondern auch für Reformen. Change statt Charity – Wandel statt Wohltaten, darum geht es dem selbsternannten „Querulanten von Berufs wegen“.
Im März 2002 haben sie mit acht weiteren Partnern die basisdemokratisch organisierte Bewegungsstiftung gegründet, mit 248 000 Euro Startkapital. In den Stiftungsrat beriefen sie unter anderem den Psychoanalytiker und Friedensaktivisten Horst-Eberhard Richter, den renommierten Bewegungsforscher Dieter Rucht sowie die feministische Soziologin Gisela Notz. Heute verfügt die Stiftung über ein Kapital von viereinhalb Millionen Euro. Die Verwendung erfolgt nach ethischen Kriterien und wird transparent gemacht: Auf ihrer Website veröffentlicht die Stiftung auf den Cent genau, wo die Mittel helfen und welche Erträge sie bringen.

Gezielte Förderung
Das Geld fließt in Aktionen der Friedens- und Frauenbewegung, in den Naturund Tierschutz und in die Rechte von Flüchtlingen und Migranten. Überall dorthin also, wo ökologisch verträglich, gleichberechtigt und gewaltfrei für eine gerechte und bessere Welt gekämpft wird – unter ihnen die Sozialinitiative „Aktiv werden gegen Hartz IV“, die Clean Clothes Campaign, die Anti-Atomkraftbewegung FREIe Heide und das Umweltschutzprojekt Urgewald e. V.
Die Bewegungsstiftung fördert gezielt, nicht nach dem Gießkannenprinzip. Seit der Gründung unterstützte sie 60 Kampagnen und Organisationen mit 600 000 Euro und zusätzlichem Wissen. Und sie hat sich schon früh vergrößert: Unter ihrem Dach wurde im Juni 2003 die Treuhandstiftung „Bridge – Bürgerrechte in der digitalen Gesellschaft“ ins Leben gerufen. Gefördert werden Kampagnen, die sich für die Meinungsfreiheit, den Datenschutz und einen fairen Zugang zu Wissen einsetzen. Zusätzlich ist Christoph Bautz seit sechs Jahren auch eine der Leitfiguren von Campact, einer netzbasierten Plattform, die die politische Einmischung der Bürger in Deutschland fördert.

Strukturen verändern
„Uns geht es darum, dem politischen Rollback zu begegnen“, sagt der Gründungsinitiator der Bewegungsstiftung. „Im sozial- und wirtschaftspolitischen Bereich wurden in den letzten 30 Jahren viele Errungenschaften wieder zurückgedrängt.“ In seinem Elternhaus bekam er eine gewisse Bescheidenheit mit auf den Weg, und er lernte schon früh, „wie schwierig es ist, mit seinem Geld etwas Gutes“ zu machen. „Man kann eine Patenschaft für ein Waisenkind übernehmen, aber das ändert nichts an den Strukturen.“ Das hat er sich mit seiner Stiftung vorgenommen.

 

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