Bewegungsstiftung

Neue Westfälische, 11. September 2010

Der Bielefelder Gerald Neubauer hat mit seinem Erbe eine Stiftung für Protestbewegungen gegründet.

von Nicole Hille-Priebe

Gerald Neubauer war gerade 25, als seine Mutter starb. Den Vater hatte er schon früher verloren. Über Nacht wurde aus dem armen Studenten vor zehn Jahren ein wohlhabender Mann. »Meine Eltern hinterließen ein typisches Mittelschichtserbe: ein Häuschen und ordentlich Geld dazu«, sagt der Wahl-Bielefelder.
Statt es für Partys, Autos oder Reisen zu verprassen, wollte Neubauer lieber die Welt verändern und gründete 2002 eine Stiftung für gleichgesinnte Erben. Gut 4,5 Millionen Euro sind seitdem in die "Bewegungsstiftung" geflossen, Tendenz steigend.
»Ich habe damals ziemlich schnell zwei Leute getroffen, die in einer ähnlichen Situation waren. Wir dachten, gemeinsam erreichen wir mehr. Auf unseren Aufruf meldeten sich auch Erben, die wesentlich mehr Geld hatten als wir – und Interesse an einer Stiftung, die soziale Bewegungen unterstützt«, sagt der Politikwissenschaftler, den die Familienplanung nach Ostwestfalen geführt hat.

»Das bringt mein Leben weiter als Geld«

Töchterchen Lioba ist gerade ein Jahr alt geworden, ihre Mutter arbeitet im Bielefelder »Welthaus«. Sie leben bescheiden, aber nicht spartanisch – eine ganz normale Familie, deren Leben bestimmt anders aussehen würde, wenn Papa Neubauer sein Erbe damals ganz für sich behalten hätte.
»Wir müssen immer noch arbeiten, unser Familieneinkommen wird durch das Geld, das ich für mich behalten habe, nur aufgebessert. Aber die Ziele der Bewegungsstiftung wie der Kampf gegen die Atomkraft oder für Datenschutz bringen mein Leben viel weiter als Geld.« Der 35-Jährige ist das, was man einen modernen Mann nennt: Der wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktorand an der Uni Bremen hat sich die zweite Hälfte der Elternzeit genommen und bringt seiner Tochter gerade das Laufen bei. Jetzt sitzt sie zufrieden glucksend auf seinem Schoß und Neubauers blauen Augen strahlen hinter den Brillengläsern.
»Ich war sehr jung, als ich geerbt habe, und damals schon aktiv in der Umweltbewegung. Ich war ziemlich radikal, wollte etwas bewegen. Mein Vater stand meiner Protesthaltung immer sehr kritisch gegenüber. Davon musste ich mich abgrenzen – wenn man erbt, wird es das eigene Geld.« Dass die Kinder reicher Leute eine andere politische Meinung haben als ihre Eltern, sei nicht ungewöhnlich und führe nur dann zu Problemen, wenn das Erbe bereits zu Lebzeiten aufgeteilt und ausgezahlt wird. »Aber manchmal ziehen die Eltern auch nach, wenn ihre Kinder gestiftet haben.«

»Unser Alleinstellungsmerkmal  ist der Protest«

Gerald Neubauer kennt die Gesichter und Geschichten hinter den Statistiken, die den zunehmenden Reichtum in Deutschland belegen. »Wir haben richtig schwere Millionäre in der Stiftung, die selbst merken, wie sich ihre Kapitalerträge vervielfachen. Vielen Leuten fällt es schwer, dazu zu stehen, dass sie viel Geld haben – besonders, wenn sie aus dem linken Spektrum kommen. Aber man braucht Geld, um die Welt zu verändern.«
Die Bewegungsstiftung fördere ausschließlich Protestkampagnen, die aus den Bereichen Ökologie, Menschenrechte, Frieden und soziale Gerechtigkeit kommen. »Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Protest muss sein, soziale Bewegungen sind besonders wichtig in der Demokratie – von der Frauenbewegung bis zur Globalisierungskritik.«
Im Klub der reichen Gutmenschen sitzen aber nicht nur Millionäre, sondern zunehmend auch Leute wie Gerald Neubauer, die nicht ganz so viel Geld geerbt haben und es ethisch-nachhaltig angelegt wissen möchten. »Die Bewegungsstiftung fördert gesellschaftlichen Wandel nicht nur mit ausgeschütteten Renditen, sondern auch mit ihrem Vermögen. Dazu legen wir unser Stiftungskapital in alternativen Wohn- und Arbeitsprojekten, in ethisch gebundenen Sparbriefen und bei ökologischen Fonds an.«
Am Donnerstag, 30. September, veranstaltet die Bewegungsstiftung in Bielefeld einen Infoabend für Stiftungsinteressierte. Beginn ist 19 Uhr. Weil die Mitglieder in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht haben, dass viele Gäste nur kommen, weil sie auf Vermögende hoffen und Fundraising für die eigenen Projekte machen wollen, wird der Veranstaltungsort nur auf Anfrage bekannt gegeben.


Kampagnen, Demonstrationen, Proteste
Die Bewegungsstiftung und ihre Treuhandstiftung »Stiftung Bridge« unterstützen soziale Bewegungen für politische Veränderungen und eine gerechtere Gesellschaft – Aktionen für gentechnikfreie Landwirtschaft, Proteste gegen Abschiebung oder Demonstrationen für Bürgerrechte und Datenschutz. Die Stiftung versteht sich auch als strategischer Partner, der Kampagnen vernetzt und berät. Seit ihrer Gründung hat sie mehr als 80 Kampagnen und Organisationen unterstützt. Eines der Vorzeigeprojekte ist der Bielefelder Datenschutzverein »Foebud«. Die Stifter können mitbestimmen, welche Projekte gefördert werden. In NRW waren das zuletzt ein Protestcamp von Jugendlichen gegen den Braunkohleabbau in Garzweiler und die Frauenhaus-Kampagne »Schwere Schritte leicht machen«. 

 

www.nw-news.de

HAZ - Hannoversche Allgemeine Zeitung

 

 

 

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