Bewegungsstiftung

der Freitag vom 13. August 2009

Stiftungen merken noch wenig von der Krise. Viele Deutsche spenden, weil sie der Marktwirtschaft nicht mehr vertrauen.

von Hannes Koch und Mandy Kunstmann

Gesundheitsstationen in Afrika, kostenloses Kita-Essen für Kinder armer Eltern oder Nistkästen für Spatzen – ohne das Geld der Stiftungen wären viele dieser Wohltätigkeiten nicht möglich. Nun geht die Furcht um, die Finanz- und Wirtschaftskrise könne die Großzügigkeit der Spender schmälern. Nur: die Finanzkraft einzelner Stiftungen geht bislang noch nicht unbedingt zurück.

Vor allem große Organisationen haben an Substanz verloren, weil sie Teile ihres Stiftungsvermögens in Aktienfonds anlegten. »Wir rechnen mit zehn Prozent weniger Einnahmen«, erklärt Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Das würde für 2009 einen Rückgang der flüssigen Mittel um etwa 500 Millionen Euro ausmachen. Im Jahr 2008 hatten die deutschen Stiftungen noch Erträge von ungefähr fünf Milliarden Euro erzielt – auf der Basis eines Gesamtvermögens von rund 100 Milliarden Euro.

Die zurückgehenden Kapitalerträge werden jedoch teilweise kompensiert. Ein Beispiel für diese gegenläufige Tendenz ist die Organisation »Medico International«. Die Stiftung aus Frankfurt fördert mit ihren Geldern einen gleichnamigen Verein, der unter anderem humanitär Hilfsprojekte finanziert. Aufgrund sinkender Erträge konnte die Stiftung dem Verein im vergangenen Jahr nur mit 32.000 Euro unter die Arme greifen, 9.000 Euro weniger als 2007. Obwohl das einerseits einem Rückgang von über 20 Prozent entspricht, zeigt sich Medico doch optimistisch: »Wir sind von der Finanzkrise nicht stark betroffen«, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsvorstands, Joachim Hirsch. »Schon vor Ausbruch der Krise wurden Wertpapiere verkauft und der Erlös auf Festgeldkonten angelegt.« Darüber hinaus habe man das Vermögen nur zu einem geringen Teil in Aktien investiert.

Außerdem sind die geringeren Vermögenserträge nicht allein ausschlaggebend für die Arbeit des Vereins. Denn die Projekte und Kampagnen werden überwiegend durch öffentliche Zuwendungen und private Spenden finanziert. Im Jahr 2008 kamen rund 2,6 Millionen Euro Spendengelder zusammen. Die öffentlichen Zuschüsse betrugen vier Millionen Euro. Im Hinblick auf 2009 sagte Medico-Sprecherin Gudrun Kortas: »Im Moment bemerken wir keine Auswirkungen der Krise auf das Spendenverhalten.« Auch andere Stiftungen berichten, dass private Spenden sogar zunähmen. Viele Menschen scheinen gegen die Krise anzuspenden, weil ihr Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des marktwirtschaftlichen Systems erschüttert ist.

Bei der Deutschen Wildtier Stiftung machen sich ebenso sinkende Erträge bemerkbar. Aber auch hier fällt der Effekt gering aus. »Verlust mussten wir nicht hinnehmen«, erklärt Geschäftsführer Hilmar Freiherr von Münchhausen. Er sieht keine dramatischen Einbruch der Spenden oder der Bereitschaft zu stiften. 2009 kann die Stiftung mit rund 4,5 Millionen Euro mehr ausgeben als im vorigen Jahr. Generalsekretär Fleisch hat für den Erfolg eine einfache Erklärung: »Wenn eine Stiftung ein transparentes Konzept aufweist, gut Projekte unterstützt und eine sinnvolle Öffentlichkeitsarbeit leistet, wird sie weiterhin Spender finden – relativ unabhängig von der Krise.«

Die Robert-Bosch-Stiftung, einer der größten deutschen Förderer, ist maßgeblich vom Erfolg des gleichnamigen Unternehmens abhängig. Zwar musste Bosch angesichts der Krise auch Verluste hinnehmen. »Bisher hat es jedoch noch keine Budgetkürzungen gegeben«, erklärt Geschäftsführerin Ingrid Hamm. Im Herbst werde der Haushalt des kommenden Jahres festgelegt. Ob er geringer ausfallen wird, könne man nicht nicht sagen. Vorsichtshalber hat man sich ein Sparprogramm verordnet. »Wir möchten so viel Geld wie möglich in gesellschaftliche Aufgaben investieren«, so Hamm.

»Der dicke Hammer wir noch kommen«, sagt allerdings Jörg Rohwedder, Geschäftsführer der Bewegungsstiftung, die unter anderem soziale Projekte unterstützt. Denn derzeit wirtschaften die wohltätigen Organisationen mit den Budgets, die im vergangenen Jahr beschlossen wurden. Erst wenn zum Jahresende die Stiftungsetats neu aufgestellt werden, ließen sich die Folgen der Krise auf das gesellschaftliche Engagement der Bürger und Unternehmen absehen.

 

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