Bewegungsstiftung

Die Menschenfreunde gehen stiften

FR-online.de

Nie zuvor wurden in Deutschland in einem Jahr so viele Stiftungen gegründet wie 2007. Die Frankfurter Rundschau erklärt, wie es geht.Es geht nicht immer um Rendite. Stifter setzen ihr Kapital ein, um die Welt zu verbessern.

von Christoph Manus und Andreas Kraft

Es geht nicht immer um Rendite. Stifter setzen ihr Kapital ein, um die Welt zu verbessern. Wie die progressiven Stiftungen – etwa die Bewegungsstiftung oder die Filia-Stiftung –, die heute beim Stiftungstag 2008 in Frankfurt um Geldgeber werben. Das liegt im Trend: 2007 wurden in Deutschland so viele Stiftungen gegründet wie nie zuvor.

Was löste den Stifter-Boom aus?
Es wird so viel geerbt wie nie. Manche gründen mit dem Vermögen eine Stiftung, weil sie der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen. Zudem gibt es immer mehr Rentner. Manche suchen in einer Stiftung eine sinnvolle Tätigkeit fürs Alter. Der wichtigste Grund sind neue Gesetze. Seit Mitte der 90er Jahre können nicht nur Einzelpersonen, sondern auch mehrere Leute gemeinsam eine Stiftung gründen. Zudem hat die Koalition die Stifter 2007 noch stärker steuerlich begünstigt.

Stifter sparen Steuern?
Allerdings. Wer zum Beispiel 150.000 Euro im Jahr verdient, und davon 30.000 Euro stiftet, muss bei einem Steuersatz von 42 Prozent knapp 13.000 Euro weniger Steuern zahlen. Der Staat fördert also indirekt die Stiftung. Vermögen zu stiften ist 2007 durch das »Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements« noch attraktiver geworden. Denn Stifter können seitdem über zehn Jahre verteilt bis zu eine Millionen Euro geltend machen und damit ihr zu versteuerndes Einkommen drücken. Vorher waren nur bis zu 307.000 Euro von der Steuer absetzbar.

Warum eignen sich Stiftungen, um die Welt zu verändern?
Sie sind nur sich selbst verantwortlich. Deshalb können sie mehr riskieren als Organisationen, die sich gegenüber ihren Spendern rechtfertigen müssen, und auch gewagte Projekte unterstützen und neue Ideen verfolgen. Manche Stiftungen sehen sich daher als Avantgarde des gesellschaftlichen Wandels. Ihr Ansatz nennt sich progressive Philanthropie. Stiftungen sollen sich danach nicht länger darauf beschränken, Almosen zu geben und Symptome zu behandeln, sondern versuchen, die Ursachen von Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Ein Beispiel ist die »Internationale Kampagne zum Verbot von Landminen«, die aus der Einsicht entstand, dass es besser ist, die Wurzel des Übels anzugehen, statt lediglich Minenopfer mit Prothesen zu versorgen.

Setzen sich die Reichen mit ihrer Stiftung nicht ein Denkmal?
Sicher. Fast die Hälfte der Stifter ist kinderlos. Weil sie keine Nachfahren haben, gründen sie eine Stiftung und geben ihr manchmal sogar den Namen der eigenen Familie. Manche Unternehmensstiftung sei auch ein Art Denkmal und diene allein dazu, den Konzern in der Öffentlichkeit als wohltätig darzustellen und von den eigenen Fehlern abzulenken, sagt Felix Kolb von der Bewegungsstiftung. Die meisten Stifter wollen aber hauptsächlich Gutes tun. Viele schließen sich daher auch zusammen und gründen eine gemeinsame Stiftung, damit die Verwaltungskosten nicht die Zins-Erträge auffressen.

Wie viel Geld braucht man, um eine Stiftung zu gründen?
Rein rechtlich gibt es keinen Mindestbetrag. Die Aufsichtsbehörden prüfen allerdings, ob, wie in §80 des BGB gefordert, "die dauerhafte und nachhaltige Erfüllung des Stiftungszwecks gesichert erscheint" - die Stiftung also finanziell in der Lage ist, ihren Zweck zu erfüllen. Das Regierungspräsidium Darmstadt etwa genehmigt Stiftungen in der Regel nur, wenn sie über mindestens 25.000 Euro Vermögen verfügen, so dass sie bei vier Prozent Zinsen etwa 1000 Euro jährlich für Zuwendungen an einen Verein oder ähnliches verwenden können. Die Stiftungen dürfen ihre Wohltaten ausschließlich aus ihren Zinserträgen bestreiten. Das Stiftungsvermögen darf nicht angetastet werden.

Wie legen Stiftungen Geld an?
Viele vertrauen ihr Geld einer Bank an. Relativ neu ist der Gedanke, dass die Art der Geldanlage auch zum Stiftungszweck passen sollte. Aber es ist natürlich sinnvoll, dass eine Umweltstiftung nicht in einen Öl-Multi investiert.

Wie gründet man eine Stiftung?
Eine Stiftung gründen kann jeder Erwachsene, der einen Teil seines Vermögens unwiderruflich für einen von ihm bestimmten Zweck zur Verfügung stellt. In einer Satzung legt er diesen Zweck genau fest und bestimmt, wie die Stiftung organisiert sein soll. Dazu gehört auch, wer die Stiftung verwaltet und wie dafür ein Nachfolger bestimmt wird. Die Anerkennung der Stiftung durch die Aufsichtsbehörde ist kostenlos. Es ist nicht notwendig, die Stiftungssatzung durch einen Notar beglaubigen zu lassen. Soll die Stiftung gemeinnützig sein, kann dies beim Finanzamt beantragt werden. Gemeinnützige Zwecke sind etwa die Förderung von Wissenschaft, Kultur, Umwelt oder Sport. Stiftungen, die gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgen, sind steuerbegünstigt. Ihre Erträge aus Zinsen, Mieten oder Pacht müssen sie nicht versteuern.

Wie lange lebt eine Stiftung?
Prinzipiell unendlich – oder besser gesagt: Solange die Stiftung finanziell handlungsfähig ist. Auch wenn ein Stifter in finanzielle Not gerät, ist ihm der Zugriff auf das Vermögen verwehrt. Viele Stiftungen existieren bereits seit mehreren hundert Jahren. Die 1521 gegründete Fuggerei-Stiftung, die bis heute 140 in Not geratenen katholischen Augsburgern Wohnraum bietet, ist nicht einmal die Älteste. Als solche führt der Bundesverband Deutscher Stiftungen den Lüneburger Hospitalfonds St. Benedikti, der bereits seit 1127 Wohnraum für Bedürftige stellt.

 

 

Über uns

Die Bewegungsstiftung fördert soziale Bewegungen mit Zuschüssen und Beratung.

Fordern Sie Ihr kostenloses Info-Paket an! Oder erfahren Sie mehr in unserem Film.

Newsletter


Wir informieren Sie regelmäßig datenschutzkonform über die Arbeit der Stiftung.

Facebook Icon (by Dan Leech) Besuchen Sie uns
bei Facebook

(Wir empfehlen, aus Datenschutzgründen Facebook stets in einem gesonderten Browser zu nutzen.)

Twitter Icon (by Dan Leech) Folgen Sie uns
bei Twitter

Jetzt Stifter*in werden! Protestbewegungen stärken 
und Teil des Netzwerks
werden!

Protest direkt unterstützen!
Mit einer Spende
in den Fördertopf 

Engagement möglich machen! Werden Sie Pat*in einer Bewegungsarbeiter*in.
Ab 10 Euro im Monat

Sie wollen die Welt verändern?
Wir unterstützen Sie mit Geld
und Beratung! Alle Infos finden Sie hier

Bewegungsstiftung
Artilleriestraße 6, 27283 Verden
info@bewegungsstiftung.de
PGP-Schlüssel
Telefon: 04231 - 957 540
Fax: 04231 - 957 541
Twitter: @bstiftung

Konto
Nr.: 46 314 400 | BLZ: 430 609 67 
GLS Gemeinschaftsbank
BIC: GENODEM1GLS 
IBAN:
DE56 4306 0967 0046 3144 00