Bewegungsstiftung

»Für jede Anschaffung spende ich die gleiche Summe«

taz vom 24.05.2007

Auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm Anfang Juni treffen sich die Mächtigen der Welt, um zu besprechen, wie es mit unserem Erdball weitergehen soll. Antworten – das ist jetzt schon klar – werden sie keine finden. Sie brauchen Nachhilfe. "Wie retten Sie die Welt?", fragt die taz deswegen bis zum Gipfeltreffen jeden Tag eine/n interessante/n Berliner/in.

von Felix Lee

»Ich habe das Glück, dass ich von meiner Familie viel Geld geerbt habe. Meine Eltern leben zwar noch, aber aus steuerlichen Gründen habe ich jetzt schon Geld übertragen bekommen. Schenkung nennt man das.

Einen Teil davon habe ich der Bewegungsstiftung zugestiftet, die Projekte und Personen in emanzipatorischen Bewegungen unterstützt, die auch ich gut finde. Vom anderen Teil erlaube ich mir zu leben. Ich muss nicht für Geld arbeiten und nutze die Zeit, mich zu engagieren.

Eigentlich bin ich diplomierter Mathematiker. Doch gerade in der reinen Mathematik – die mir immer am meisten Spaß gemacht hat – sehe ich nur wenig Sinn. An den vielen Problemen, die es auf der Welt gibt – wie die zig tausend Kinder, die täglich verhungern, Tiere, die überall gequält werden, die Umwelt, die vor die Hunde geht, und die soziale Schere, die immer weiter auseinanderklafft – kann ich mit Mathematik wenig ändern. Stattdessen mache ich derzeit viel für Attac. Konkret bereite ich zwei Protestaktionen gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm vor.

Rund 1200 Euro gebe ich momentan im Monat aus, ohne dass ich dafür arbeiten müsste. Ich finde das einen totalen Luxus. Ich muss in keinem Büro antanzen, ich leiste mir teures Bioessen, wohne in einer netten WG in Kreuzberg und fahre viel Bahn. Und doch ist es ein seltsames Gefühl, nirgends angestellt zu sein. Das hängt sicherlich mit der hiesigen Arbeitsmoral zusammen. Ich fühle mich komisch, wenn ich immer selbst über meine Zeit bestimmen kann und andere nicht. Ich weiß, dass niemandem geholfen wäre, wenn ich einfach irgendeinen Job hätte. Aber irgendwie habe auch ich diese preußische Arbeitsmoral verinnerlicht. Demnächst fahre ich aufs zehnjährige Abitreffen und werde natürlich gefragt werden, was ich denn so mache. Und dann wird mir wieder keine klare Bezeichnung einfallen. Ich könnte sagen: Bewegungsarbeiter oder so etwas.

Eigentlich bringt Vermögen ziemliche Verantwortung mit sich. Allein, dass ich eigenständig entscheiden kann, ob und wem ich das Geld spende oder ob ich es doch lieber behalte, gibt mir eine Fülle an Macht, die ich undemokratisch finde und die mich manchmal belastet.

Um mein Gewissen zu beruhigen, mache ich manchmal Folgendes: Wenn ich mir etwas Größeres anschaffe – neulich habe ich mir einen ziemlich teuren Bürostuhl geleistet –, spende ich die gleiche Summe einem Tierrechtsprojekt. Dann habe ich das Gefühl, dass ich das Geld nicht nur für mich verprasse, sondern andere Leute auch was davon haben. Ich weiß, das ist schon eine seltsame Mischung aus Egoismus und die Welt zu retten.«

 

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