Bewegungsstiftung

Die Lakomaer Teichlandschaft geht an Vattenfall. Doch es gibt Hoffnung...

Energiezukunft 3/2007

Seit Jahren kämpfen Umweltorganisationen gegen die klimaschädliche Politik des Stromkonzerns Vattenfall.

von Michael Asshauer

Die Stimmung ist gut, auch wenn die Lage angespannt ist. „Wir waren oft in der Situation, nur reagieren zu können“,resümiert Daniel Häfner, Sprecher der Initiative „Freunde von Lakoma“, die seit einigen Jahren engagiert für den Erhalt der Lakomaer Teichlandschaft bei Cottbus kämpft. An diesem Morgen muss er schnell reagieren: Der Stromkonzern Vattenfall hat ein Gespräch zwischen Gewerkschaftern und Umweltaktivisten angekündigt. Daniel Häfner erfährt nur zufällig davon und macht sich gleich auf den Weg.

Es ist ein schöner Spätsommertag, an dem der Hammergraben, das Wahrzeichen der Teichlandschaft, idyllisch in der Sonne liegt. Doch schon bald wird sich die Landschaft in ein großes Erdloch verwandeln, aus dem Vattenfall den klimaschädlichsten Energieträger fördern wird: Braunkohle. In Deutschland liefert Braunkohle zirka 10 % des Primärenergiebedarfs. Dem gegenüber stehen 20 % der CO2-Emissionen. Trotzdem beträgt die Braunkohleverstromung mehr als 27 % am deutschen Energiemix, und Vattenfall erzeugt rund sechzig Prozent seines Stroms mit Braunkohle.

Als Daniel Häfner die Teichlandschaft erreicht, sind die Gewerkschafter bereits eingetroffen. Ebenfalls vor Ort: mehr als ein Dutzend Umweltaktivisten, die seit Tagen zahlreiche Bäume besetzen. Den Rechtsweg haben sie vollständig ausgeschöpft. Er ist zugunsten Vattenfalls entschieden. Dennoch: Die Baumbesetzung soll eine öffentliche Diskussion auslösen, die langfristig zu Änderungen führen kann. Solche Aktivitäten, für die man einen langen Atem braucht, sind ohne finanzielle Unterstützung nicht umzusetzen. Deshalb förderte die Bewegungsstiftung im Jahre 2005 Robin Wood und die „Freunde von Lakoma“ in ihrer Arbeit für den Erhalt der Lakomaer Teichlandschaft.

Das Gespräch mit den Gewerkschaftern wird schnell hitzig. Die Verstromung der Braunkohle sei notwendig, so die Gewerkschafter, um Arbeitsplätze zu sichern und stabile Strompreise zu gewährleisten. Vattenfall ist der größte Arbeitgeber in der Region, in der die Arbeitslosenquote bei 25 % liegt. Das durchschnittliche Alter der Beschäftigten ist, wie das der Gesamtbevölkerung, relativ hoch. Der Verlust des Arbeitsplatzes stellt eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Aber: Die Braunkohle unter den Lakomaer Teichen sichert die Auslastung des Kraftwerks lediglich für etwa zwei Jahre. Da das Kraftwerk jedoch auch mit einer Auslastung von 80 % Gewinn bringend betrieben werden kann, dient die Erschließung der Lakomaer Kohle einzig der Gewinnmaximierung und nicht einer aktiven Beschäftigungspolitik. Abgesehen davon hat sich die Förderung Erneuerbarer Energien mit 120.000 Arbeitsplätzen längst zum Jobmotor entwickelt. Auch das Argument, die Stromversorgung der Region sicher stellen zu wollen, überzeugt nicht. 50 % der in Brandenburg erzeugten Energie werden nicht für den eigenen Bedarf verwendet, sondern exportiert. „Der Klimaschutz darf wirtschaftlichen Interessen nicht geopfert werden“, stellt Daniel Häfner klar. Ihm geht es nicht darum, die Braunkohleförderung sofort einzustellen. Er fordert ein sozialverträgliches Auslaufen innerhalb der nächsten Jahrzehnte. Und Vattenfall soll stärker als bisher in umwelt- und klimaverträgliche Energiegewinnung investieren.

Am nächsten Tag wird die Baumbesetzung durch die Polizei beendet. Die Aktivisten werten die Aktion als Erfolg, auch wenn die Teichlandschaft nicht gerettet werden konnte. Sie werden dennoch weiter versuchen, mit ihren Protesten das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Erste Erfolge sind erkennbar und sehr ermutigend: Vattenfall hat in den vergangenen Monaten über 100.000 Kunden an Ökostromanbieter verloren.

Und es gibt weiteren Diskussions- und Handlungsbedarf. In der Lausitz wurden drei weitere Tagebaugebiete ausgewiesen. Wieder werden 1000 Menschen ihre Heimat verlassen müssen; doch Daniel Häfner und seine Gruppe wissen schon heute: Auch sie werden wieder da sein.

 

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