Bewegungsstiftung

In Bewegung gegen die Todesstrafe

taz vom 23.09.2005

Jürgen Heiser kämpft als Bewegungsarbeiter für die Abschaffung der Todesstrafe in den USA. Finanziell unterstützt wird er von mehreren Paten, die über die Bewegungsstiftung für seine Arbeit zahlen. Geld verdienen kann er damit nicht.

»Bewegungsarbeiter«. Man hätte ihn nicht besser nennen können. Weil es nach einem Ziel klingt und einem Weg, der dorthin führt. Jürgen Heiser will, dass die Todesstrafe in den USA abgeschafft wird, seit 17 Jahren kämpft er dafür, seit drei Jahren als Bewegungsarbeiter.

Derzeit sind es sechs Menschen, die die Bewegungsstiftung in Verden unterstützt. Dabei gibt sie ihnen nicht direkt Geld, sondern verwaltet die Patenschaftsmittel, die die Bewegungsarbeiter selbst eingeworben haben. Das klingt erst einmal nicht nach einem bedeutenden Vorteil. Aber für Jürgen Heiser bietet die Stiftung »einen Rahmen, der mir erlaubt zu sagen: Diese Organisation steht hinter meiner Arbeit – und damit ist das keine rein persönliche Angelegenheit sondern ein gesellschaftliches Anliegen«. Mit den rund 30.000 Euro Zinsen, die das Kapital ihrer 45 Stifter abwirft, unterstützt die Bewegungsstiftung politisches Engagement von unten. Einerseits finanziell, andererseits auch mit Beratung und Weiterbildungsmöglichkeiten. Jürgen Heiser überweist sie monatlich 250 Euro. »Was sind heutzutage 250 Euro?«, fragt er – »aber immerhin muss ich mir wenigstens keine Gedanken über die Benzin-Kosten machen, wenn ich zu einem Vortrag nach Berlin fahre«.

Seine Paten stammen vor allem aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Ist es ihm schwer gefallen, sie zu bitten? »Das ist nun mal nicht so einfach«, sagt Heiser, und auch er merkt, dass die Zeiten schwieriger geworden sind. »Die, die viel Geld haben, halten es zusammen, und diejenigen, die geben, haben weniger zur Verfügung«. Die Freundin, die ihm vor ein paar Jahren anbot: »Ich habe jetzt einen sehr gut bezahlten Job – und will dir monatlich 300 Euro geben«, hat ihre Stelle mittlerweile wieder verloren.

Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen – und seine beiden Kinder zu unterstützen – macht Jürgen Heiser Honorararbeiten. Wobei auch die nicht im engeren Sinn einträglich sind. Wer Bücher übersetzt und für Zeitungen wie die »Junge Welt« arbeitet, wird nicht reich. Heiser hat für den kleinen Bremer »Atlantik«-Verlag die Texte von Mumia Abu-Jamal übersetzt, dem schwarzen Politikaktivisten, der in einem umstrittenen Verfahren wegen Polizisten-Mordes zum Tode verurteilt worden ist.

Ursprünglich hat sich Heiser nach seinem Politik- und Sozialwissenschaftsstudium mit Gefängnissen im Allgemeinen und der US-amerikanischen Politik nach dem Vietnamkrieg beschäftigt. Erst allmählich rückte das Engagement für Abu-Jamals Freilassung und die generelle Abschaffung der Todesstrafe in den Vordergrund. Seine Kinder sind dann aber schon »mit Mumia wie mit einem Verwandten in den USA« aufgewachsen. Dass sich in den USA bereits zahlreiche Gruppen für Abu-Jamal einsetzen, ist für Heiser kein Einwand gegen seine Arbeit: »Wir bekommen immer wieder Rückmeldungen aus den USA: Ihr müsst weitermachen«. Denn gerade der internationale Druck auf die amerikanischen Politiker habe dazu beigetragen, dass die Chancen für eine Aussetzung der Todesstrafe in den USA heute besser stünden als jemals zuvor.

Über seine eigene Zukunft macht sich Heiser wenig Sorgen – obwohl seine Rentenaussichten »wirklich besorgniserregend sind«. Derzeit denkt man in der Bewegungsstiftung darüber nach, wie allen Bewegungsarbeitern eine ähnliche Grundsicherung gewährt werden könnte. Denn wer sich gegen Atomkraftwerke einsetzt, hat es ungleich leichter, Paten zu finden als ein Gegner der Todesstrafe. Und gleichzeitig überlegt man, wie den Bewegungsarbeitern im Alter zumindest ein Zuschuss gewährt werden könnte.

 

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