Bewegungsstiftung

Die nachdenklichen Mäzene

ver.di Publik vom 21.10.2004

Die Bewegungsstiftung sammelt Geld für politisches Engagement – konsequent umwelt- und sozialverträglich.

von Robert B. Fishman

Wer etwas verändern will, braucht einen langen Atem, viel freie Zeit und Geld. In Hamburg verteilt der Senat Gutscheine für Kinderbetreuung an die Eltern. Keine schlechte Idee, findet eine Elterninitiative, aber eine Mogelpackung. Die städtischen Zuschüsse für die Kindertagesstätten hat der Senat gleichzeitig gekürzt. Die Eltern demonstrierten und verteilten Blumen an die Erzieherinnen. Der Sozialsenatorin brachten sie auch ein Sträußchen: Vergissmeinnicht, damit sie an ihre Wahlversprechen denkt.

Geld und Beratung für derlei Engagement gibt es bei der Bewegungsstiftung. Unter dem Motto »Wandel statt Almosen« fördert die im März 2002 gegründete Stiftung dauerhaftes politisches Engagement für eine nachhaltige soziale, ökologische oder demokratische Entwicklung der Gesellschaft. »Wir wollen nicht nur die Symptome kurieren, sondern die Probleme an der Wurzel packen«, erklärt Geschäftsführer Jörg Rohwedder das Konzept der Stiftung. Einzelprojekte werden dann unterstützt, wenn sie mit einer politischen Kampagne verbunden sind. 1,3 Millionen Euro hat die Stiftung seit ihrer Gründung im März 2002 eingesammelt.

»Ich habe mehr Geld, als ich zum Leben brauche und spüre eine Verpflichtung, dieses Geld nicht nur für mich zu nutzen«, sagt Stiftungsgründerin Susann Haltermann, die »relativ früh geerbt« hat und sich »schon immer für Umwelt- und Friedensthemen interessiert«.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass allein aus Privatvermögen in den kommenden Jahren jeweils rund 130 Milliarden Euro steuerpflichtig vererbt werden. Hinzu kommen steuerfreie Schenkungen und Unternehmensbeteiligungen. Andere Fachleute veranschlagen die Summe aller Nachlässe in den kommenden zehn Jahren auf vier Billionen Euro.

Stiften und mitbestimmen

Die Bewegungsstiftung lädt Wohlhabende, die mit ihrem Geld etwas bewegen wollen, zu Stiftungsinteressiertentagen ein. Auf Wunsch informiert sie potenzielle Stifter/innen auch zuhause. »Wir besuchen Sie gern. Sie laden ein zu Brunch, Grillfete, Weinabend oder Spendendinner«, schreibt die Stiftung in ihrem Informationsblatt und garantiert »Vertraulichkeit, respektvollen Umgang miteinander und keine Spendenwerbung«. Fünf bis sieben Kontakte benötigen die Bewegungsstifter/innen im Schnitt, um einen neuen Unterstützer oder eine neue Unterstützerin zu gewinnen.

Gerade viele politisch und sozial Engagierte fühlen sich durch eine unvorhergesehene große Erbschaft oder eine dicke Schenkung verunsichert. »Reichsein ist unter Linken einfach verpönt«, weiß Gerald Neubauer. Er hat die Bewegungsstiftung mitgegründet, damit die Leute frei und offen über ihr Geld reden können. Viele verstecken es noch auf irgendwelchen Konten, weil ihnen Reichtum ohne eigenes Zutun unmoralisch erscheint. »Das viele Geld, das mein Vater von meinem Großvater geerbt hat, hat er irgendwo angelegt. Es war bei uns zuhause nie ein Thema«, berichtet ein junger Stifter. Er lebt inzwischen von den Erträgen des Familienunternehmens, das mit Chemie satte Gewinne macht. Natürlich hatte er anfangs Probleme mit dem vielen Geld, das die Firma mit PVC-Teilen verdient. Schon sein Vater demonstrierte in den Siebzigern gegen Atomkraftwerke. Als hanseatischer Kaufmann fühlt er sich gleichzeitig verpflichtet, einen Teil seiner Gewinne der Allgemeinheit zurückzugeben. »Mein Vater spendet an zehn oder 15 Organisationen und hat dann keinen Einfluss mehr darauf«, berichtet der junge Bewegungsstifter und findet das »unsinnig«. Da sei es doch besser, das Geld zu stiften und in der Stiftung mitzubestimmen, was mit dem Geld passiert. »Außerdem habe ich ein egoistisches Interesse an sozialem Ausgleich. Schließlich will ich nicht in einer Festung leben, die ich nur noch mit dem Hubschrauber verlassen kann.« Abschreckendes Beispiel sind für den nachdenklichen Mäzen die Großstädte Südamerikas. Wo sehr viele Menschen in Not leben, wird es für Wohlhabende gefährlich.

»Ich brauche nicht so viel Geld zum Leben«, sagt er und nennt es seinen Luxus, dass er auf Handy und Auto verzichten kann: »Ich habe mir ein gutes Fahrrad gekauft und genug Zeit, meine Wege damit zu machen. Da muss ich mich nicht um Reparaturen und Parkplätze kümmern.« Der Nachhaltige mit der runden Brille und dem bunten Ringelpulli wundert sich, »warum reiche Leute bei Aldi einkaufen«. Er lebt zusammen mit seiner Freundin »zu 90 Prozent von Bio-Produkten« und gibt seinen Beruf mit »Hausmann« an. Das Gefühl, dass »ich finanziell nicht in Not gerate«, weiß der junge Mann mit der eigenen Lebensqualität »sehr wohl zu schätzen«. Natürlich macht es »einen entscheidenden Unterschied, ob ich sparsam lebe oder wirklich bedürftig bin«.

Mit seinem Geld will er vor allem Einfluss nehmen. Als die Bewegungsstiftung in der taz ein Seminar mit dem Titel »Mit Geld die Welt verändern« anbot, meldete er sich an. »Es tut gut, anderen partnerschaftlich für Sinnvolles Geld zu geben.« Unbezahlt kümmert er sich heute um die Anlage des Stiftungsvermögens in Windkraft, Solaranlagen, Energiesparhäusern und bei Banken, die das Geld an soziale und ökologische Projekte verleihen.

Kaum eine Stiftung investiert ihr Vermögen so konsequent umwelt- und sozialverträglich, wie die Bewegungsstiftung. Auf ihrer Internetseite veröffentlicht sie auf den Cent genau, wo das Geld der Stifter/innen liegt und welche Erträge es bringt.

Soziale Bewegungen leben von den Menschen, die sich engagieren. Und die können gemeinsam eine Menge erreichen: »Ohne die Demonstrationen gegen die Atomkraftwerke hätten wir heute vielleicht 40 statt 19 Atommeiler«, rechnet Rohwedder vor. »Und die Arbeiterbewegung hat vor 80 Jahren den 8-Stunden-Tag und das Streikrecht erstritten.« Die Demonstration der 500.000 in Berlin 2003 habe dazu beigetragen, dass sich die Bundesregierung nicht am Irak-Krieg der USA beteiligt. Auch im Kleinen haben soziale und politische Bewegungen schon viel erreicht. Der Hamburger Senat hat wieder mehr Geld für die Kitas locker gemacht. Mit einem erfolgreichen Volksbegehren hat ihn die Kampagne gegen die Kita-Card zum Einlenken gezwungen.

Die Politisch-Korrekte

Anders als Andere fördert die Bewegungsstiftung dauerhaftes politisches Engagement für eine nachhaltige Veränderung der Gesellschaft im Sinne von sozialem Ausgleich, Demokratie, Bürgerrechte, Gewaltfreiheit und Umweltverträglichkeit. Menschen, die auf Erwerbsarbeit verzichten, um sich politisch zu engagieren, hilft die Stiftung bei der Suche nach Paten, die ihren Einsatz (mit)finanzieren. Außerdem unterstützt die Stiftung politische Initiativen und Projekte mit Zuschüssen und zinsgünstigen Krediten. Dazu vermittelt die Stiftung fachkundige Berater/innen. Eingeworbenes Geld legt die Stiftung ausschließlich nach ethisch-sozialen und ökologischen Kriterien an, etwa in nachhaltig geführte Aktienfonds, bei der GLS Gemeinschaftsbank, oder sie vergibt Kredite direkt an soziale und ökologische Projekte.

 

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