Geld sozial anlegen

Frankfurter Rundschau 20.07.2020

Von Wiebke Johanning

 

Öffentliche und private Mittel müssen in nachhaltigere Bahnen gelenkt werden. Die Corona-Krise hat deutlich aufgezeigt, was unsere Gesellschaft nicht braucht. Und was sie braucht. Wir brauchen kein Billigfleisch, sondern eine Lebensmittelproduktion, die Tier- und Menschenrechte achtet. Wir brauchen keine kostenoptimierten Krankenhäuser, sondern ein flächendeckendes, ausfinanziertes Gesundheitssystem, das für Pandemien gerüstet ist. Wir brauchen keine SUVs und noch mehr Flugverkehr, sondern eine gut ausgebaute, belastbare IT- und öffentliche Verkehrsinfrastruktur. Wir brauchen keine Luxusappartements für wenige, sondern bezahlbare Wohnungen für alle.Kurz: Wir brauchen ein anderes und sozial gerechteres Wirtschaften. Dafür müssen nicht nur öffentliches, sondern auch privates Geld in nachhaltigere Bahnen gelenkt werden. Doch woher wissen Investorinnen und Investoren, wo sie ihr Geld gerechter und ressourcenschonender anlegen können?

Zumindest was ökologische Nachhaltigkeit angeht, hat die EU im Juni einen großen Schritt gemacht und eine Taxonomie für „Sustainable Finance“ verabschiedet. Diese einheitliche Klassifizierung legt Kriterien fest, welche Finanzprodukte und Investitionen sich als „nachhaltig“ im ökologischen Sinne deklarieren dürfen.Die neue Klassifikation kann ein wichtiger Hebel sein, um Kapital auf den richtigen Weg zu bringen. Das Problem: Zu sozialer Nachhaltigkeit finden sich darin nur Mindeststandards. Das kritisiert das Südwind-Institut, das zeitgleich zur Diskussion im EU-Parlament einen Vorschlag für eine soziale Taxonomie des nachhaltigen Investierens nachgereicht hat.

In der Studie werden Kriterien für Risikobranchen wie Landwirtschaft, Bergbau und Textilindustrie genannt. Gleichzeitig werden Sektoren mit hohem sozialen Nutzen vorgestellt, wie soziale Infrastruktur, Gesundheit, Bildung sowie die zivile Konfliktbearbeitung. Doch auch dort sind Investitionen laut Südwind-Institut nur dann sozial nachhaltig, wenn die Produkte und Dienstleistungen für alle Bevölkerungsteile zugänglich sind.

Höchste Zeit also, dass die EU soziale Nachhaltigkeit in ihre Taxonomie aufnimmt, damit mehr privates Geld in Wirtschaftsbereichen angelegt wird, die unsere Lebensgrundlagen schützen und allen Menschen nützen.

www.fr.de/wirtschaft/gastwirtschaft/geld-sozial-anlegen-13838224.html

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