Bewegungsstiftung

Karitativ und rechtswidrig

Frankfurter Rundschau, 07.02.2018

Wie sich Großkonzerne ein soziales Mäntelchen umhängen. Die Gastwirtschaft.

Von Wiebke Johanning

Tue Gutes und rede darüber. Dann wird vielleicht über das Schlechte, das du tust, geschwiegen. Nach diesem Motto scheinen viele Großkonzerne zu verfahren. Zum Beispiel Ikea. Der Möbelkonzern leistet sich eine wohltätige Ikea Foundation, die nach eigenen Angaben 2015 120 Millionen Euro für Entwicklungsprojekte gespendet hat. Klingt gut. Doch gleichzeitig benutzt Ikea ein Geflecht aus Firmen in den Niederlanden, Liechtenstein und Luxemburg, um in Milliardenhöhe Steuern zu vermeiden.

Zweites Beispiel: Amazon. Wer das Charity-Programm Amazon.smile nutzt, dem verspricht Amazon, 0,5 Prozent der Kaufsumme an gemeinnützige Organisationen weiterzugeben. Gleichzeitig steht der Onlinehandel-Riese wegen Datensammelwut, Verletzungen von Arbeitnehmerrechten, Marktmachtmissbrauch und Steuervermeidung in der Kritik.

Drittes Beispiel: Google. Der Tech-Konzern hat in Deutschland ein Förderprogramm für Vereine aufgelegt, an die er 4,5 Millionen Euro ausschütten will. Wer will da noch mäkeln, dass Google laut Nachrichtenagentur Bloomberg 2016 fast 16 Milliarden Dollar an eine Briefkastenfirma auf den Bermudas überwiesen hat, um Steuern zu vermeiden. Nicht vergessen: Dabei geht es um Geld, das den Staaten und damit uns allen für Bildung, Infrastruktur und Sozialsysteme fehlt.

So weit, so schlecht. Was tun? Nicht mehr googeln und Ikea und Amazon meiden? Gute Idee! Datenschutzkonforme Suchmaschinen, nachhaltige Möbelhäuser und grüne Online-Shops stehen bereit. Außerdem: nicht der Konzern-PR auf den Leim gehen, sondern selbst zur Aufklärung beitragen. Der Verein Aktion Agrar hat zum Beispiel aus Protest gegen Amazons Einstieg in das Lebensmittelgeschäft hübsche Sticker entworfen, mit denen man für konzernfreies Einkaufen werben kann. Die Botschaft: Hab ich nicht bei Amazon gekauft!

Auch so kann man politisch Druck machen. Druck, den es braucht, damit die Politik endlich Monopolmacht begrenzt, Steuerschlupflöcher schließt und Datenschutz einfordert. Dass die EU das Ikea-Steuermodell prüft und Wettbewerbsstrafen gegen Google verhängt hat, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

 

www.fr.de

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