Bewegungsstiftung

Trügerische Sicherheit

Frankfurter Rundschau, 19. Oktober 2017

Worauf Kleinanleger achten müssen.

Erinnert sich noch jemand an die Prokon-Pleite? 75 000 Kleinanleger hatten 2014 bei der Insolvenz der Windkraftfirma riesige Verluste gemacht. Mit viel Reklame und hohen Renditeversprechen hatten die Prokon-Macher 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussscheinen eingesammelt, die dann nach der Insolvenz 40 Prozent ihres Wertes verloren. Mit dem Mitte 2015 beschlossenen Kleinanlegerschutzgesetz will die Bundesregierung die deutschen Anleger besser vor zweifelhaften Geldanlage-Angeboten schützen. Sind damit zukünftig Skandale wie die Prokon-Pleite ausgeschlossen?

Das ist zu bezweifeln. Zwar müssen nun laut Gesetz Anbieter von Unternehmensbeteiligungen umfangreiche Fondsprospekte vorlegen, die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geprüft werden. Hiervon dürfen sich Anleger allerdings nicht zu viel versprechen.

Die Bafin prüft Inhaltsverzeichnis und Prospekt lediglich auf formale Richtigkeit. Sie bewertet aber nicht, ob die Geschäftsidee Aussicht auf Erfolg hat. Einen sicheren Schutz vor dubiosen Finanzscharlatanen bietet das nicht. Die Erfahrung zeigt zudem, dass sich kaum ein (Klein-)Anleger in die umfangreichen Prospekte einliest.

Fakt ist: Auch umfangreiche Darstellungen wie aktuelle Bilanzen oder zukunftsbezogene Planrechnungen mindern die Risiken von unternehmerischen Beteiligungen wie geschlossenen Fonds, Genossenschaftseinlagen, Nachrangdarlehen oder Aktien nicht. Prospekte könnten jedoch den Eindruck vermitteln, als sei alles geprüft, wirtschaftlich tragfähig und vom Risiko her überschaubar. Trotz entsprechender deutlicher Risikohinweise. Wer aber hier anlegt, dem muss klar sein, dass es unter Umständen zu einem vollständigen Ausfall seines eingesetzten Kapitals kommen kann. Punkt.

Also lieber ganz die Finger lassen von solchen unternehmerischen Beteiligungen? Nein. Aber wer hier investieren will, sollte sich vorab sehr gut informieren. Generell gilt: Gut beraten ist, wer sein Vermögen breit streut, bei hohen Zinsversprechen skeptisch bleibt und nur dort riskiert, wo er zum Verlust bereit ist. Wer dieses Risiko scheut, ist mit Tagesgeld und einlagegesicherten Sparbriefen und -einlagen besser beraten.

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