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Mehr grünes Geld

Foto: Windwärts GmbH

Frankfurter Rundschau, 06.08.2018

Eine Wende hin zu nachhaltigen Investments würde allen nützen – Anlegern, Banken und der Gesellschaft.

Von Wiebke Johanning


Grün boomt. Egal ob es um Essen, Kleidung oder Mobilität geht. Immer mehr Menschen wollen nachhaltig und ökologisch leben, kaufen Bioprodukte, fair produzierte T-Shirts und steigen vom eigenen Auto auf Carsharing um. Der Trend setzt sich im Finanzsektor fort. So ist der nachhaltige Anlagemarkt in Deutschland 2017 um neun Prozent gewachsen. Viele wollen nicht, dass mit ihrem Geld Atomkraftwerke, Kleinwaffen oder Kohleabbau finanziert werden, und investieren lieber in erneuerbare Energien und zukunftsfähige Technologien.

Trotzdem sind grüne Geldanlagen immer noch ein Nischenprodukt und machen nur drei Prozent des Gesamtmarkts aus. Dabei interessiert sich laut Umfragen jeder Dritte dafür. Doch Großbanken und Sparkassen steigen nicht groß in das Thema ein. Eine wirklich konsequent nachhaltige Geldanlage bieten bisher nur die kleinen Ökobanken. Ansonsten gilt: Wer sein Geld grün anlegen will, muss viel Eigeninitiative mitbringen. Es fehlt an Orientierung, Transparenz und Angeboten.

Einen Umschwung im Finanzsektor könnte ein Gesetzespaket bringen, das die EU 2019 verabschieden will. Es sieht vor, dass Finanz- und Versicherungsberater Kunden künftig ungefragt zu Nachhaltigkeitskriterien beraten müssen. Noch gibt es Schlupflöcher in dem Entwurf, die es Beratern ermöglichen würden, den Kundenwunsch nach nachhaltigen Investments mit der Beimengung eines einzigen grünen Fonds im Gesamtportfolio zu umgehen. Doch wenn dieser auf das gesamte Portfolio angewandt werden müsste, würde der Druck auf Banken und Fondsanbieter steigen, mehr Angebote vorzuhalten.

Eine solche Finanzwende hin zu nachhaltigen Investments würde allen nützen – Anlegern, Banken und der Gesellschaft. Wie viele Studien belegt haben, könnten Anleger genauso viel oder mehr Rendite erwarten wie bei konventionellen Produkten und sicher sein, dass ihr Geld in gesellschaftlich nützlichen Branchen investiert ist.

Die Banken könnten vom Nachhaltigkeitsboom profitieren und müssten nicht länger um ihre Reputation fürchten. Und was die Gesellschaft angeht: Nur wenn es uns gelingt, die großen Finanzströme umzulenken, können wir drängende Menschheitsprobleme wie Krieg, Hunger und Klimawandel in den Griff kriegen. Die Zeit läuft.

 

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