Bewegungsstiftung

Frankfurter Rundschau, 26. Juli 2016

Wir brauchen dringend eine Agrarwende. Was Protest und die eigene Geldanlage bewirken können.

Von Kirsten Paul

Milch, die billiger ist als Mineralwasser, zehntausende Masthähnchen in Megaställen zusammengepfercht, Gülle, die das Grundwasser verseucht. Längst ist offensichtlich: Das System, mit dem Lebensmittel produziert werden, fährt gegen die Wand. Mit der Bauernhof-Idylle, die wir von Milch- und Wurstpackungen kennen, hat das nichts mehr zu tun. Stattdessen fördern Politik und Agrarindustrielobby mit ihrem Ruf nach Produktionssteigerung und der Ausrichtung auf den Weltmarkt eine Landwirtschaft, die das Tierwohl ignoriert, Bauern in den Ruin treibt und der Umwelt massiv schadet.

Was tun? Wer allein auf mündige Konsumenten setzt, wird enttäuscht. Laut Umfragen sind über 80 Prozent aller Verbraucher für artgerechte Tierhaltung und bessere Bezahlung der Bauern. Doch viele scheinen beim Einkauf die guten Vorsätze zu vergessen. Der Anteil von Biofleisch etwa liegt bei unter zwei Prozent.

Stattdessen braucht es eine Agrarwende hin zu einer ökologisch nachhaltigen, bäuerlichen Landwirtschaft. Die Politik muss dafür die gesetzlichen Rahmenbedingungen ändern. Aber einen solchen Politikwechsel wird es ohne öffentlichen Druck nicht geben. Er muss gegen den Widerstand der Agrarindustrie-Lobby erstritten werden – von den Bauern selbst, von NGOs und Umweltverbänden, von Tausenden, die auf die Straße gehen, wie bei der jährlichen „Wir haben es satt“-Demo in Berlin und von Bürgerinitiativen, die gegen Massenställe vor Gericht ziehen.

Zum Streiten für eine bessere Landwirtschaft gehört auch, Alternativen zu stärken – als Verbraucher, aber auch als Geldanleger. Wer Maisfeld-Wüsten und Megaställe verhindern will, kann Anteile an der Bioboden-Genossenschaft erwerben. Sie sichert Boden für den Ökolandbau, indem sie Flächen und Betriebe kauft, diese selbst bewirtschaftet oder an Landwirte verpachtet. Oder Regionalwert-AGs: Wer deren Aktien erwirbt, unterstützt die Erzeugung und den Handel von Bio-Lebensmitteln in seiner Region.

Nur: Eine hohe Rendite können Anleger nicht erwarten. Wenn überhaupt werden solche Genossenschaften und AGs erst nach Jahren Gewinne ausschütten. Doch auch andere Anlagen werfen gerade wenig ab. Deshalb wiegt hier die politische Rendite umso schwerer: gesunde Lebensmittel, artgerechte Tierhaltung und eine bäuerliche Landwirtschaft, die diesen Namen auch verdient.

Die Autorin ist Expertin in ethisch-nachhaltiger Geldanlage und Vermögensverwalterin der Bewegungsstiftung.

 

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