Bewegungsstiftung

Holt das Geld da raus!

Die Stiftung, 4/2016

Seit dem Klimaschutzabkommen von Paris ist klar, dass ein Großteil der fossilen Energieressourcen im Boden verbleiben werden. Dadurch verlieren Kohle-, Erdöl- und Energieunternehmen massiv an Wert. Höchste Zeit, aus Investitionen in diese Branche auszusteigen und das Geld ethisch-nachhaltig anzulegen.

Von Dr. Matthias Fiedler

Mark Campanale hat gerechnet und da er Ex-Banker ist, kann man davon ausgehen, dass dies zu seinen Kernkompetenzen zählt. Das Ergebnis ist auch für Stiftungen als institutionelle Anleger bedenkenswert: Seit einiger Zeit bildet sich eine neue Blase am Finanzmarkt, diesmal nicht wie 2007 mit Immobilien gefüllt, sondern mit Kohlenstoff: die so genannte carbon bubble.
Campanale arbeitet für Carbon Tracker, einem unabhängigen Think Tank, der Analysen über die Wirkung des Klimawandels auf Finanzmärkte erstellt. Mit überzeugenden Zahlen belegen er und andere Ökonomen, dass fossile Energieträger in den Bilanzen von Energie- und Erdölunternehmen massiv überbewertet sind. Dass dies nicht nur Rechenbeispiele sind, zeigt der derzeitige Wertverlust von Energieunternehmen wie Eon oder RWE hier in Deutschland.

Dieser wird auch dadurch befördert, dass sich seit dem Klimaschutzabkommen in Paris die politischen Rahmenbedingungen verändert haben. Nun ist klar, dass die Zeit der fossilen Energien wie Kohle, Erdöl und Gas bis Mitte des Jahrhunderts zu Ende gehen wird. Natürlich müssen die Regierungen bei ihren Klimaplänen erst nachlegen, aber die in Paris beschlossene Dekarbonisierung der Wirtschaft lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Bis zu 80% der bereits bekannten fossilen Ressourcen werden im Boden bleiben müssen.
Will man dann noch in Firmen investieren, deren Bilanzen auf der Annahme beruhen, dass diese Ressourcen noch zur Verfügung stehen? Ökonomisch macht das keinen Sinn. Jede gute Risikoanalyse muss schon heute solche Unternehmen auf den kritischen Prüfstand setzen.

Dass genau dies gerade geschieht, ist auch ein Verdienst der Divest-Invest-Bewegung, die in den letzten Jahren entstanden ist. Ähnlich wie die Divestment-Bewegung in den 1980er Jahren gegen das Apartheidsregime in Südafrika haben sich in den letzten drei Jahren institutionelle Anleger wie NGO, Stiftungen, Kirchen und Universitäten in einer Divestment-Bewegung für den Klimaschutz zusammengetan. Sie fordern Privatpersonen und Institutionen auf, aus der Finanzierung fossiler Brennstoffe auszusteigen und klimafreundlich zu investieren und gehen mit gutem Beispiel voran. Neben dem politischen Argument, dass fossile Brennstoffe der Klimakiller Nummer 1 sind, gibt es auch das handfeste finanzielle Argument. Denn – wie oben erläutert: Wer als Anleger derzeit in fossile Brennstoffe investiert, spielt mit dem Feuer.

Vor diesem Hintergrund sollten sich auch Stiftungen gut überlegen, ob sie ihre Geldanlage nicht sicher und nachhaltig umbauen wollen. Die Aufforderung der Divest-Invest-Bewegung dafür ist niedrigschwellig: Wer sich anschließen will, verspricht, über die nächsten fünf Jahre seine Investitionen in fossile Brennstoffe aus dem Portfolio zu nehmen und dafür – auch das ist wichtig – in nachhaltige Geldanlagen zu investieren. Bisher haben über 500 institutionelle und zehntausende private Investoren ein solches Versprechen abgegeben, was derzeit eine Gesamtsumme von etwa 3,4 Bio. USD (ca. 3 Bio. EUR) ausmacht.

Divestment – die Argumente


Der Klimawandel ist kein rein ökologisches Thema. Er bedroht auch Menschenrechte, Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Deshalb sollten sich Stiftungen eigentlich in der Pflicht sehen, ihr Geld klimafreundlich anzulegen. Will man sein Stiftungshandeln konsequent ausrichten, hieße das demnach auch, den Widerspruch zwischen Nachhaltigkeit und fossilen Brennstoffen aufzuheben und bei letzteren zu deinvestieren. Letztlich geht es hier neben der Erfüllung des Stiftungszweckes auch darum, ein Reputationsrisiko richtig einzuschätzen.

Das zweite Argument ist finanzieller Natur: Die reale Überbewertung von Unternehmen aus der fossilen Brennstoffindustrie und der deutliche Abfall in der Bewertung großer Energieunternehmen, die die Zeichen der Zeit verschlafen haben, machen deutlich, dass bei solchen Investitionen ein erhöhtes Risiko besteht, dass die Stiftungsgelder nicht mehr sicher angelegt sind. Hier gibt es bereits gute Alternativen für eine ethisch-nachhaltige Anlage des Stiftungsvermögens. Dankenswerterweise gibt es mit dem Forum Nachhaltige Geldanlagen und unabhängigen Finanzmedien wie Ecoreporter mittlerweile genügend Wege, sich ausreichend zu informieren. Wer wirklich will, kann sich schlau machen und handeln.

Wie geht deinvestieren?


Für eine Stiftung gibt es keinen Königsweg zum Ausstieg aus Investitionen in der fossilen Brennstoffbranche. Aber es gibt einige Dinge, die zu beachten sind. Am wichtigsten ist, dass dies nicht von heute auf morgen passieren muss und dass man es laut – also mit Pressemitteilung und als Teil der Divest-Invest-Kampagne –  oder leise tun kann. Hilfreich ist es, wenn man das Deinvestieren als längerfristigen Prozess plant.
1. Vorbereitung und aktive Gremienarbeit
Der erste Schritt bei solchen Prozessen ist zunächst eine stiftungsinterne Vergewisserung, dass die Organe und Gremien der Stiftung hinter diesem Beschluss stehen. Bei Sitzungen ist es förderlich, wenn man eine externe Fachperson hinzuzieht. Diese sollte nicht nur das moralisch-politische Argument vorbringen können, sondern auch über genügend Finanzwissen verfügen. Denn da viele Stiftungen ihre Anlageverwaltung ausgelagert haben, geht es auch darum, den Finanzberater zu überzeugen.
2. Portfolioanalyse und Strategieplanung
Auch hier braucht es finanziellen Fachverstand, denn bei einigen Investitionen ist auf den ersten Blick gar nicht klar, ob Divestments nötig sind. Aktienfonds etwa halten eine Vielzahl von Titeln, bei denen erst recherchiert werden muss, ob es eine Beteiligung an der fossilen Brennstoffindustrie gibt.
Nachdem klargestellt ist, aus welchen Titeln die Stiftung aussteigen will, muss eine Strategie entwickelt werden. Denn im Gesamtkonzept von Fälligkeiten und verschiedenen Anlageklassen braucht es eine gute Mischung, um die Erträge nicht aufs Spiel zu setzen und geeignete alternative Anlagen in den verschiedenen Klassen zu finden.
Einfach ist es bei Aktienfonds, da es hier gut gemanagte Fonds mit klaren Ausschlusskriterien und guter Performance gibt. Im Bereich der Festverzinslichen ist es noch einfacher, da wir in Deutschland unter mehreren Banken auswählen können, die der Divestment-Kampagne nahe stehen. Auch im Bereich der Anleihen und Beteiligungen finden sich viele gute Unternehmen der Erneuerbare-Energien-Branche, die für die Neuanlage der Gelder in Frage kommen. Je nach Größe des umzuschichtenden Vermögens sollte man sich für einen solchen Prozess bis zu fünf Jahre Zeit nehmen. Ein Blick auf das Portfolio der Bewegungsstiftung, das online einsehbar ist, kann eine erste Orientierung geben. Dort listen wir mit Einzeltiteln auf, welche Lösungen wir gefunden haben.

www.bewegungsstiftung.de/portfolio0.html


Zum Autor:
Dr. Matthias Fiedler ist geschäftsführender Vorstand der Bewegungsstiftung aus Verden, die Protestbewegungen mit Geld und Beratung unterstützt. Er ist außerdem Mitglied im Anlageausschuss der Stiftung.

 

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