Frankfurter Rundschau vom 20.11.2025
Aktivistinnen fordern zur COP30 die Streichung kolonialer Schulden, damit betroffene Länder im globalen Süden handeln können. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.
Der Hurrikan Melissa traf Jamaika vor wenigen Wochen mit historischen Ausmaßen, während die Philippinen binnen weniger Tage von Taifun Kalmaegi und dem Supertaifun Fung-Wong – dem 21. Taifun in nur einem Jahr – schwer getroffen wurden.
Am stärksten betroffen ist der globale Süden – im Klimaaktivismus auch als MAPA (Most Affected People and Areas) bezeichnet – Menschen und Regionen, die den Folgen des Klimawandels am gravierendsten ausgesetzt sind, obwohl sie am wenigsten dazu beitragen.
Schulden als Fortsetzung kolonialer Strukturen
Gleichzeitig fließen weiterhin Millionen dieser Regionen an Gläubiger in den globalen Norden – Geld, das dringend für Klimaschutz, Infrastruktur und Wiederaufbau benötigt würde. Historische Ausbeutung, koloniale Strukturen und ein globales Finanzsystem, das Profite für wenige priorisiert, haben diese Schuldenlast geschaffen. Sie entziehen betroffenen Ländern Handlungsspielräume, binden Ressourcen und perpetuieren Ungleichheit. Weltweit fordern Bewegungen die Streichung illegitimer Schulden, um nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen.
Die große Rechnung zur COP30
Wie hoch der Preis der Klimakrise sein kann, zeigte zuletzt die Weltklimakonferenz in Belém. Aktivistinnen und Aktivisten überbrachten symbolisch ein 24 Meter langes Transparent – eine „Klimarechnung“ in Höhe von geschätzten fünf Billionen Dollar – und forderten eine UN-Steuerkonvention. Grundlage der Klimarechnung ist der sogenannte Social Cost of Carbon (SCC) – ein Maß dafür, welche zukünftigen Schäden durch das Ausstoßen einer Tonne CO₂ entstehen, etwa für Gesundheit, Infrastruktur, Ernteverluste oder Arbeitsausfälle.
Klimagerechtigkeit statt nur Klimaschutz
Erst wenn Ressourcen für Bildung, Gesundheit, soziale Sicherung und ökologischen Umbau frei werden, kann wirksame Klimapolitik erfolgen. Bewegungen der Klimagerechtigkeit zeigen, wie koloniale Strukturen Klimaschäden, Abhängigkeit und Ungleichheit verschränken. Wer die Schuldenlast aufrechterhält, reproduziert alte Machtverhältnisse und blockiert Klimagerechtigkeit.
Dieser Artikel erschien online am 20.11.2025 und in der Printausgabe der Frankfurter Rundschau am 21.11.2025.