Foto von unserem Bewegungsarbeiter Ibrahim. Er hält ein Schild hoch mit der Aufschrift "Support the people, not the military"

Ibrahim Izzeldeen

Soziale Gerechtigkeit und Demokratie – das sind die Themen, denen Ibrahim Izzeldeen sein Leben gewidmet hat. Er unterstützt Geflüchtete in Deutschland beim Kampf für ihre Rechte und streitet mit der zivilgesellschaftlichen Bewegung gegen die Militärdiktatur in seinem Herkunftsland Sudan. „Beide Bewegungen sind miteinander verbunden“, sagt Ibrahim. „Bei beiden geht es um Gerechtigkeit“.

Ibrahim, Jahrgang 1978, kam Ende 2017 als politischer Geflüchteter nach Deutschland. Im Sudan hatte er sich schon als Schüler und Student dem friedlichen und gewaltfreien Widerstand gegen den Militärdiktator Omar al-Bashir angeschlossen. „Nach dem sudanesischen Aufstand im September 2013, bei dem das Regime in weniger als drei Tagen 200 Demonstranten tötete, habe ich zusammen mit Genossen Widerstandskomitees in den Stadtvierteln aufgebaut. Diese basisdemokratische Netzwerk von Widerstandskomitees im ganzen Land leistet auch heute noch wichtigen zivilen Ungehorsam gegen die Regierung.“

Ibrahim war durch sein Engagement Verhaftungen, Todesdrohungen und politischer Verfolgung ausgesetzt und floh Ende 2017 nach Deutschland. Er kam in ein Erstaufnahmelager im niedersächsischen Bramsche und dann in ein Heim bei Osnabrück. „Seit meinen ersten Tagen in Deutschland als Asylbewerber war ich mit Problemen konfrontiert, die die meisten Einwanderer und Flüchtlinge aus südlichen Ländern erleben: Einschränkungen der persönlichen Freiheiten, alltäglicher Rassismus, die ständige Drohung von Abschiebungen. Dagegen haben wir uns gemeinsam gewehrt“.

Um die nächtlichen Abschiebungen zu stoppen, starteten die Geflüchteten im Heim bei Osnabrück zum Beispiel die Aktion „Whistle of Hope“ – Pfeifen der Hoffnung. „Es gab immer jemanden, der nachts Wache hielt“, berichtet Ibrahim. „Wenn dann die Polizei anrückte, gab er ein Pfeifsignal, woraufhin alle Menschen aus ihren Zimmern strömten und den Eingang blockierten. So konnte die Polizei die Personen nicht ausfindig machen, die sie abschieben wollten. Das hat sehr gut geklappt.“

Mittlerweile ist Ibrahim als politischer Geflüchteter anerkannt und lebt in Berlin. Die Bewegung von Geflüchteten in Deutschland unterstützt der gelernte Filmemacher weiterhin, zur Zeit mit Medienarbeit zum Thema Bleiberecht. Darüber hinaus engagiert er sich für die Oppositionsbewegung im Sudan. Dort hat das Militärregime zwar gerade in Aussicht gestellt, seine Macht abzugeben. Aber Ibrahim hält das Ganze für ein Ablenkungsmanöver: „Im Hintergrund zieht weiterhin das Militär die Strippen.“Jede Woche gehen tausende Menschen in Karthum und anderen Städten gegen das Regime auf die Straße. Von Deutschland aus unterstützt er die Demokratiebewegung mit Filmen, Texten und Medienarbeit.

Ibrahim ist Teil der Gruppe „Sudan Uprising Germany“, die auch schon von der Bewegungsstiftung unterstützt wurde. „Sudan Uprising“ wurde von sudanesischen und sudanesisch-deutschen Aktivist*innen gegründet und unterstützt den zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen das Militärregime im Sudan. „Wir organisieren Demonstrationen und Proteste, machen Lobbyarbeit, knüpfen Netzwerke und schreiben Petitionen und politische Reden“, sagt Ibrahim. Dabei geht es auch darum, die deutsche Öffentlichkeit darüber zu informieren, wie Deutschland und die EU das Militärregime im Sudan stützen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Janjaweed-Miliz Rapid Support Forces (RSF) im Sudan. Die RSF-Truppen waren nach der friedlichen Revolution 2019 im Sudan Teil der Regierung geworden, obwohl sie für Völkermord und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind. Diese politische Einigung kam auch durch Druck Deutschlands und der EU zustande. Die RSF ist im Sudan für die Grenzkontrolle zuständig, geht rücksichtslos gegen Migrant*innen vor und finanziert sich unter anderem aus Geldern, die die EU dem Sudan bezahlt, um Migrant*innen auf dem Weg nach Europa zu stoppen. „Deutschland muss seine Komplizenschaft mit den Janjaweed-Milizen endlich stoppen“, fordert Ibrahim. Er unterstützt die „Safe Road Initiative“ am Horn von Afrika, die Menschen auf der Flucht unterstützt, unter anderem in dem es sie mit Informationen über die Janjaweed-Milizen versorgt

Lobby- und Medienarbeit, Vernetzung, Veranstaltungen, Proteste – Ibrahims Arbeitstage sind gut gefüllt. Von der Aufnahme in das Bewegungarbeiter*innen-Programm verspricht er sich finanzielle Unterstützung durch Menschen, denen seine Arbeit wichtig ist. Außerdem freut sich Ibrahim auf Austausch und Vernetzung: „Ich möchte gerne meine Erfahrungen mit den anderen Bewegungsarbeiter*innen teilen, ihre Lösungswege kennenlernen und erfahren, wie sie Kampagnen starten und Themen auf die Agenda heben.“ Die Zusammenarbeit mit anderen ist für ihn eine Quelle der Kraft. „Es gibt mir Hoffnung, wenn ich sehe, dass sich immer mehr Menschen unserem Widerstand anschließen.“