Dorothee Häußermann

Dorothee Häußermann beim Klimacamp 2012

Nachrichten über schmelzende Gletscher, brennende Wälder oder Menschen, die ihre Herkunftsländer verlassen müssen, weil ihre Lebensgrundlagen zerstört sind – das alles lässt Dorothee Häußermann keine Ruhe mehr. Jahrelang hat sie über Folgen des Klimawandels in der Zeitung oder in Büchern gelesen und war frustriert, dass es keine Anzeichen für eine drastische Ursachenbekämpfung gab. Bis der Punkt kam, an dem sie beschloss, das Problem selbst in die Hand zu nehmen….so schwer greifbar es ist.

Seit 2009 ist Dorothee in Gruppen aktiv, die sich für Klimagerechtigkeit und sofortigen Kohleausstieg einsetzen, z.B. bei ausgeCO2hlt, der Attac AG Energie, Klima, Umwelt und Ende Gelände. Ansatzpunkt ist dabei das rheinische Braunkohlerevier bei Köln – mit drei Tagebauen und vier Großkraftwerken die größte CO2-Quelle Europas. Mit ihren Mitstreiter*innen organisiert sie Klimacamps, Aktionen des zivilen Ungehorsams rund um die Tagebauinfrastruktur, aber auch Vernetzungstreffen, Vortragsreihen oder Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu Wachstumskritik und alternativen Wirtschaftskonzepten. Ziel ist es, eine Bewegung aufzubauen, die das Thema Klimawandel auf die Straße (auf die Schiene, auf die Bäume…) bringt und die mindestens so stark und gesellschaftlich übergreifend wird wie die Anti-Atom-Bewegung. Dabei ist die Idee, dass sich Menschen befähigen, selbst Verantwortung für gesellschaftliche Veränderung zu übernehmen, anstatt an UN-Prozessen zu verzweifeln oder an so verzwickten Entscheidungen im Bio-Supermarkt. Gerade Klimacamps haben sich für den Aufbau der Bewegung als zentral erwiesen und als ein Punkt, an dem sich Menschen politisieren und inspiriert werden. Auf Camps werden kritische Workshops gegeben, Windräder aufgebaut, Aktionen geplant und Alternativen im Kleinen gelebt.

Kaum zu glauben, wieviele e-mails immer wieder anfallen...

Für Dorothee selbst war das Klimacamp in London 2009 eine Schlüsselerfahrung. Sie erlebte hier, wie Menschen Isolation und Apathie durchbrechen und gemeinsam handlungsfähig werden: um direkten Widerstand zu leisten, um Alternativen aufzubauen. In dem Jahr hatte Dorothee eine Auszeit von ihrer Arbeit als Lehrerin genommen.

Nach ihrer Rückkehr hatte sie also Zeit, sich nach politischen Gruppen umzusehen und aktiv zu werden. Als sie dann 2010 wieder anfing zu arbeiten, merkte sie, dass sie eigentlich keine Zeit mehr hatte für die Schule: Artikel, Pressemitteilungen oder Newslettertexte schreiben, Vorbereitungstreffen organisieren, Vorträge halten und viel, viel Kommunikation innerhalb der Planungsteams. Das alles braucht Zeit und ist nicht mal eben an einem freien Abend zu schaffen. 2011 hat Dorothee darum ihren Beruf als Deutsch- und Englischlehrerin ganz an den Nagel gehängt. „Englische Romane und korrekte Zeichensetzung sind mir immer noch wichtig. Doch der Kampf gegen den Klimawandel erscheint mir gerade dringender. Vor allem habe ich den Eindruck, dass ich an der Schule eher ersetzbar bin als in der Bewegung.“ Seitdem arbeitet Dorothee freiberuflich im Umweltbildungsbereich. Den Hauptteil ihrer Zeit steckt sie allerdings in unbezahlte Arbeit.

.... in order to realize actions like this (blockade of a coal excavator in 2014).

Soziale Bewegungen arbeiten oft ohne Vereinsstrukturen und bezahlte Stellen. Dadurch bleiben die Gruppen sowohl offen für Neue als auch unabhängig, setzen ohne Antragszwänge ihre Themen und können beispielsweise zu Blockaden von Braunkohlebaggern aufrufen. So wie das ganz aktuell passiert im Rahmen der Kampagne „Ende Gelände“, die Aktionen zivilen Ungehorsam gegen Kohle organisiert - letztes Jahr im rheinischen Braunkohlerevier und dieses Jahr, mit über 3500 Beteiligten, im Lausitzer Braunkohlerevier. 

Dorothee freut sich darüber, dass „Ende Gelände“ so weite, auch internationale Kreise zieht. Nach sechs Jahren Aufbauarbeit und gelegentlichen Durststrecken mit wenig Resonanz gerät das Thema Kohle nun ins Rollen. Ganz unterschiedliche Gruppen engagieren sich mittlerweile im rheinischen Braunkohlerevier – unter anderem die Sommerschule „Degrowth konkret: Klimagerechtigkeit“, die letztes Jahr in Kooperation mit dem Klimacamp stattfand, und die Dorothee mit vorbereitet hat. („Degrowth“ bedeutet soviel wie „Postwachstum“ oder „Rücknahme von Wirtschaftswachstum“). Dorothee setzt sich dafür ein, dass Klimabewegung und Degrowth-Bewegung zusammenwachsen. „Wir werden nicht den Klimawandel in den Griff bekommen, wenn wir nicht die Ursachen unseres exzessiven Ressourcenverbrauchs hinterfragen und grundlegend darüber nachdenken, wie wir zusammen leben und –wirtschaften wollen.“

Für Einzelheiten, lesen Sie Dorothees taz-Artikel zu einer Energiewende von unten.


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