Vermeintliche Wohltäter

Frankfurter Rundschau, 9. März 2017

Die Welt sollten wir besser selber retten

Von Kirsten Paul

Muss nur noch kurz die Welt retten … Dieses Lied klingt einem im Ohr, wenn man sich die Ziele von Bill Gates und Mark Zuckerberg anschaut. Mit technokratischen Lösungen und Milliarden Dollar wollen sie Krankheiten ausrotten, Bildung vorantreiben und Hunger auf der ganzen Welt bekämpfen. Besser, als wenn die Superreichen ihr Geld in Luxusyachten investieren, oder?

Doch das Gegenteil ist der Fall. Denn diese Form von Philanthrokapitalismus ist undemokratisch, schadet dem Gemeinwohl und verfolgt die falschen Lösungen. Außerdem mischen sich bei den Wohltätern Eigennutz und Weltrettung auf ungute Weise.

Stichwort Demokratie: Die Gates-Stiftung stellt durch Spenden mittlerweile 14 Prozent des Budgets der Weltgesundheitsorganisation und bestimmt deren Kurs damit entscheidend mit – ohne jede demokratische Legitimation.

Stichwort Gemeinwohl: Gates und Zuckerberg betreiben mit ihren Unternehmen Microsoft und Facebook seit Jahren Steuervermeidung. Doch wenn Staaten die Einnahmen fehlen, können sie ihre Aufgaben nicht erfüllen, sondern sind auf Mäzene wie Zuckerberg angewiesen. Der investiert Millionen ins US-amerikanische Bildungssystem, setzt seine Ideen von effizientem und wettbewerbsorientiertem Lernen um und erschließt seinem Tech-Konzern nebenbei neue Geschäftsfelder.

Stichwort: Falsche Lösungen. Die Gates-Stiftung ist der größte Geldgeber für Agrarforschung und setzt bei der Bekämpfung des Hungers auf Gentechnik, Dünger und Pestizide. Dieser Kurs macht Kleinbauern noch abhängiger von Produkten großer Agrarkonzerne wie Monsanto, einem Unternehmen, in das die Gates-Stiftung im Übrigen mit Aktien investiert ist.

Die Welt sollte den Einsatz der Großmäzene daher nicht bejubeln, sondern mit Sorge betrachten. Staaten sollten sich nicht vor deren Karren spannen lassen, sondern durch eine gerechte Steuerpolitik dafür sorgen, dass sie handlungsfähig bleiben.

Und die Weltrettung? Sollten wir selbst in die Hand nehmen. Denn kein einziger sozialer Fortschritt wie Demokratie, Bürgerrechte oder die Gleichberechtigung der Frau wurde uns von Wohltätern geschenkt. Sie alle wurden von starken sozialen Bewegungen erstritten. Also, packen wir es an.

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