Bewegungsstiftung

Tobi Rosswog

Als Aktivist, Initiator und freier Dozent ist Tobi Rosswog mit all seiner Zeit und Energie für eine zukunftsfähige Gesellschaft von Morgen unterwegs. Sein Ziel: die sozial-ökologische Transformation und ein gutes Leben für alle. Seine Überzeugung: Wir können dieses Ziel aktiv mitgestalten.

Nachdem Tobi (Jahrgang 1990) fünf Jahre in verschiedenen Initiativen – wie beispielsweise Greenpeace, attac und JANUN – aktiv war, und selber eine Organisation gründete, entschied er sich im März 2013 alle Zelte abzubrechen, um Erfahrungen außerhalb der Verwertungs-, Leistungs- und Tauschlogik zu machen. Sein Studium der sozialen Arbeit und Religionspädagogik in Hannover brach er „erfolgreich“ ab, verschenkte all seinen Besitz und reiste zweieinhalb Jahre mit Pia Damm durch Europa – ohne Geld. Sie trampten, schliefen bei Menschen, die sie bei sich aufnahmen, lebten von dem, was andere weg warfen und stellten dabei fest, dass Mangel vor allem ein kapitalistisches Konstrukt ist und wir in unglaublicher Fülle leben.

Um diesen Perspektivwechsel auch für andere erfahrbar zu machen, initiierte Tobi die Bewegung living utopia mit. Dort werden Mitmach- und Bewegungsräume für den gesellschaftlichen Wandel gestaltet - vegan, ökologisch, solidarisch, drogenfrei und geldfrei.

So entstanden beispielsweise der Mitmachkongress utopival, die Utopie-Ökonomie-Konferenz UTOPIKON, oder auch das MOVE UTOPIA Zusammen!Treffen! für eine Welt nach Bedürfnissen und Fähigkeiten für gut 1.000 Menschen über fünf Tage. Für Tobi sind diese Vernetzungstreffen ein wichtiger Schritt hin zu einem selbstbestimmteren, freieren Leben: „Es geht darum, Menschen einzuladen, Erfahrungen außerhalb der Box zu machen. Sie können sich austauschen und utopietaugliche Alternativen direkt ausprobieren, anstatt sich nur als Konsument*in zu verstehen, die durch die Kaufentscheidung einen grüneren oder sozialeren Kapitalismus möchte.“

Tobi findet, dass wir uns stattdessen vielmehr die Frage nach der Suffizienz stellen sollten: „Was brauchen wir eigentlich wirklich?“. Suffizienz werde immer als Verzicht betrachtet, dabei bedeute es vielmehr: „Das genügt. Es reicht. Mehr braucht es nicht“. Die Befreiung vom Überfluss auf der einen Seite, als auch das Erreichen der Existenzsicherung auf der anderen Seite sind laut Tobi dabei die Perspektiven der Suffizienz als Nachhaltigskeitsstrategie.

Für ihn ist klar: „So wie es momentan ist, kann es nicht weiter gehen. Wir leben über unsere Verhältnisse und dadurch auf Kosten anderer. Wenn alle so konsumieren würden, wie die Bürger*innen in Deutschland, bräuchten wir insgesamt rund drei Erden. Wir haben aber keine weiteren im Keller.“

Tobi beim MOVE UTOPIA Zusammen!Treffen!
Tobi beim MOVE UTOPIA Zusammen!Treffen!

Ganz geldfrei lebt auch Tobi mittlerweile nicht mehr. Er schätzt, dass er etwa 250 Euro im Monat zum Leben braucht, für die Krankenversicherung, solidarische Mietbeteiligung eines Kollektiv-Hauses und andere Kleinigkeiten wie beispielsweise Gerichtsprozesskosten. Er lebt mit anderen Menschen gemeinsame Ökonomie – alle geben rein, was sie haben. Tobi lehnt nun nicht mehr dogmatisch ab, wenn er für Vorträge Geld bekommt, sondern lässt es in die Kollektiv-Kasse fließen.

Ansonsten lebt er noch immer ein von Geld so weit wie möglich befreites Leben. Zusammen mit anderen zieht Tobi Anfang Mai in ein Kollektiv-Haus zwischen Göttingen und Hannover. Sie leben dort funktional und teilen damit Kleiderschränke, Schlafräume, den Co-Wupping-Space und vieles mehr. Die Einrichtung ist geschenkt oder vom Sperrmüll. Vom örtlichen Supermarkt bekommen sie abgelaufene Lebensmittel – genauso wie er es in einem Projekt- und Gemeinschaftshaus in Mainz organisierte. Diese „Nischen des kapitalistischen Überflusses“ zu nutzen, ist für Tobi kein Selbstzweck. Aber dieser Lebensstil befreit ihn von dem Zwang, einer normalen Erwerbsarbeit nachzugehen und gibt ihm den Freiraum, um utopiefähige Alternativen zu entwickeln.

Für sein Lebensmodell und seine Ideen interessieren sich auch die Medien. Filmemacher*innen waren zu Besuch. Spiegel online, FAZ und viele anderen haben schon über ihn berichtet. Tobi steht gerne für Interviews zur Verfügung, weil er auf diesem Weg Menschen irritieren und inspirieren will. Manchmal schlägt ihm in den Online-Kommentaren auch Ablehnung entgegen, nach dem Motto: Der lebt doch nur auf Kosten anderer.  Tobi antwortet darauf: „Wir leben alle auf Kosten anderer, viele wollen es bloß nicht wahrhaben. Ich versuche Abhängigkeiten transparent zu machen, übe dabei Systemkritik. Ich möchte dabei so wenig wie möglich auf Kosten anderer leben und reproduziere die Spirale der Ausbeutung nicht durch das Mitwirken im Hamsterrad.“ Er kann die Ablehnung auch verstehen. „Meinen Lebensstil empfinden viele als Provokation, weil er konträr zu ihrer Lebensrealität ist. Gleichzeitig ist die Sehnsucht bei vielen Leuten nach einem Leben frei von Lohnabhängigkeiten sehr groß. Das erfahre ich immer wieder.“

Das Geld war für Tobi auch nicht der wichtigste Grund, sich als Bewegungsarbeiter zu bewerben. „Dass ich mich mit der Unterstützung durch Pat*innen noch einfacher finanzieren kann, ist super“, sagt Tobi. Aber wichtiger sei ihm die Vernetzung mit anderen Aktiven und der Status Bewegungsarbeiter, mit dem sich anders auftreten lasse.

Tobi bei einem Vortrag.
Tobi bei einem Vortrag.

Tobi ist sich bewusst, dass aus seinen Privilegien Verantwortung zum Handeln entsteht. Protest beginnt für ihn nicht erst auf großen Demonstrationen in Berlin, um mit vorgefertigten Demosprüchen und Transparenten die Welt ein wenig zu verändern. Protest beginnt für ihn im Alltag – im täglichen Ungehorsam gegenüber den bestehenden Verhältnissen und dem Praktizieren anderer Selbstverständlichkeiten. Dafür braucht es utopische Freiräume.

Tobi versucht diese mit dem von ihm mitgegründeten „Kollektiv für gelebte Utopie“ mehr und mehr zu verwirklichen. Diese Räume sind tauschlogikfrei, um das Prinzip von Leistung und Gegenleistung zu überwinden und mit nicht-kommerziellen Praktiken über längerfristige Zeiträume zu experimentieren. Außerdem initiierte er die Akademie für gelebte Utopie mit, um Seminare mit emanzipatorischem Potential zu den verschiedensten Themen in den utopischen Freiräumen anzubieten – natürlich auch tauschlogikfrei.

Zusätzlich ist er jährlich noch mit rund 100 Vorträgen oder Workshops auf Konferenzen, Kongressen, oder anderen Veranstaltungen, im von ihm mitbegründeten BildungsKollektiv imago, unterwegs. Diese Bildungsräume versteht er dabei eher als Bewegungsraum zur Vernetzung und zum Empowerment, um gemeinsam Wege in ein neues Miteinander zu gehen.

Tobi lädt dazu ein, geldfreier zu leben und damit lohnarbeitsunabhängiger zu werden. Die dadurch gewonnene freie Zeit sollte nach der Entfaltung des eigenen Potentials in den Wandel der Gesellschaft eingebracht werden. Diese Ideen versucht er durch virale Kampagnen – wie beispielsweise unter geldfreierleben.de – und andere mediale Präsenz in die Gesellschaft zu tragen.

Wenn er sich nicht gerade diesen Tätigkeiten widmet, schreibt er – etwa an einem Buchprojekt – oder versucht beispielsweise Bagger im rheinländischen Braunkohlerevier stillzulegen, um die eigene CO2-Bilanz zu verbessern und vor allem Menschen zu verdeutlichen: Während andere nur reden, können wir die Welt verändern. Gemeinsam. Utopisch. Jetzt!

tobi-rosswog.de/


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