Bewegungsstiftung

Holger Isabelle Jänicke

Foto von Holger Isabelle Jänicke

Holger Isabelle Jänicke wurde 1962 in Lübeck geboren. Gegen Ende seiner Schulzeit, die er im Schwäbischen verbrachte, wurde er in der Friedensbewegung aktiv. In den 80ern engagierte er sich vor allem in der Kampagne Ziviler Ungehorsam bis zur Abrüstung in Mutlangen. Mehrfach wegen Nötigung (Teilnahme an Gewaltfreien Sitzblockaden der Pershing-II-Raketen) verurteilt, verbrachte er genügend Zeit in Haft, um als Gasthörer zwei Semester Jura zu studieren.

Heute beschäftigt er sich mit den Themen Castor und gentechnisch veränderte Pflanzen und übernimmt für die Jura-Selbsthilfe die Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung von Aktionen. Zur Vorbereitung gehört es, Versammlungen anzumelden, Kooperationsgespräche mit der Polizei zu führen und Aktivisten und Aktivistinnen über die juristischen Besonderheiten der Aktion zu informieren. Während der Aktion fungiert er meist als Versammlungsleiter, hält weiterhin mit der Polizei Kontakt, um in Krisensituationen deeskalierend wirken zu können und betreut natürlich die Aktiven bei juristischen Fragen.

Die Nachbereitung besteht meist in der Begleitung der Aktionsteilnehmer und -teilnehmerinnen, in Form von Prozesstrainings, Unterstützung bei Gerichtsverfahren und im Zweifelsfall die Vorbereitung auf Haftstrafen durch »Knasttrainings«.

Das langfristige Ziel all dieser Aktivitäten ist es, darauf zu achten, dass bei Aktionen des zivilen Ungehorsams die Grundrechte weder durch die Polizei noch durch die Justiz untergraben werden. Das scheint auf den ersten Blick utopisch zu sein, aber die kleinen und größeren Erfolge vor Gericht und in der Politik beweisen, dass dies ein wichtiges Element des Gewaltfreien Widerstands ist.

Holger Isabelle im Gespräch mit einem Polizeieinsatzleiter während einer Aktion gegen Gen-Mais MON810.

Als seinen größten Erfolg als Versammlungsleiter empfindet er die Demonstration, die er im Rahmen der G8-Proteste für die »Sichelschmiede«, eine Initiative gegen die Nutzung der Kyritzer Heide als Bombodrom, angemeldet hatte. Immer wieder haben in der Vergangenheit Initiativen durch Go-Ins gegen die Inbetriebnahme des Bombodroms protestiert.

»Es war auch für mich ein unglaubliches Erfolgserlebnis. So viele Versammlungsteilnehmerinnen habe ich davor noch nie verloren. Von etwa 600 kamen 20 am ''Pink Point'' an, die restlichen haben sich zwischendrin gemeinsam ''in das Gelände verlaufen''. Es war ein grandioses Bild und ein Paradebeispiel für den kreativen, strategischen Einsatz des Versammlungsrechts.«

In einem Portrait über Holger Isabelle schrieb die taz:

"Jänicke ist immer gegen Gegebenheiten angegangen, die ihn störten. Er hat sich das Widerständige als Lebensform ausgesucht, reich wird er damit nicht. "Ich komm sowieso nicht mit Geld zurecht", krächzt er heiter." Mehr>>

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