Bewegungsstiftung

Newroz Duman

Newroz engagiert sich in verschiedenen Initiativen für die Rechte von Geflüchteten und Migrant*innen, unter anderem in dem bundesweiten Bündnis "We'll come united". Foto: Frank Egel 2018


Newroz Duman setzt sich für eine Gesellschaft ohne Rassismus und für die Teilhabe und das Empowerment von Geflüchteten und Migrant*innen ein. "Die politischen Kämpfe, die ich führe, sind Kämpfe, die eng mit meiner eigenen Biographie und der Geschichte meiner Familie verbunden sind", sagt Newroz.

Mit 12 Jahren floh Newroz mit ihrer Familie auf einem verrosteten Cargo-Schiff vor politischer Verfolgung in Kurdistan/Türkei über Italien nach Deutschland. Die Flucht zog sich über drei Monate. In Deutschland angekommen, musste Newroz – wie viele tausende Geflüchtete auch – erleben, dass die Strapazen auch hier kein Ende fanden. Die Lage der Familie schien lange Zeit aussichtslos.Das Leben war begleitet von ständiger Unsicherheit, denn die Schutzbedürftigkeit der Familie wurde trotz politischer Verfolgung in Frage gestellt und es folgte die Abschiebung von Familienangehörigen. "Der stetige Kampf mit dem menschenverachtenden Asylsystem zog sich über neun Jahre", erinnert sich Newroz. In Kettenduldung durften sie und ihre Familie weder arbeiten noch eine Ausbildung anfangen. Die Residenzpflicht, die Geflüchteten das Verlassen des Wohnortes untersagt und jegliche soziale Teilhabe verhindert, verstärkte die Isolation.

Newroz (rechts) vor dem Parade-Power-Block bei der Unteilbar-Demo in Dresden 2019. Foto: Mark Mühlhaus.


Erst die Solidarität von antirassistischen Aktivist*innen und Netzwerken löste ihre Isolation auf und ermöglichte einen Neubeginn. "Solidarität bedeutet auch Empowerment, dies durfte ich erleben", sagt Newroz. So fand sie einen Weg heraus aus der Isolation, sie fand eine Sprache und Sichtbarkeit. Sie fand neue Stärke und wurde handlungsfähig.

Die psychischen und sozialen Auswirkungen des Duldungsstatus, die Perspektivlosigkeit, die drohende Abschiebung und die Schikanen der Ausländerbehörde: All diese Erfahrungen haben Newroz dazu bewegt, sich für die Rechte von Geflüchteten einzusetzen und sich insbesondere für Kinder und Jugendliche zu engagieren. "Kinder und Jugendliche werden gezwungen, eine enorme Verantwortung zu tragen", erklärt Newroz. "Sie werden zu Dolmetschern zwischen Familie, Behörden und der Außenwelt. In dieser extrem angespannten Situation müssen sie versuchen, erfolgreich zu sein und zu funktionieren."

2019 hat Newroz eine Gala der Organisation "Jugendliche ohne Grenzen" anlässlich der Innenministerkonferenz 2019 in Kiel mitorganisiert.


Newroz engagierte sich zunächst in einer lokalen Bleiberechtsinitiative in Hanau und stieß im Jahr 2008 auf die Jugendlichen ohne Grenzen (JoG), eine von geflüchteten Jugendlichen selbstorganisierte Initiative. Trotz Residenzpflicht nahm sie ab 2009 an bundesweiten Treffen teil und organisierte sie mit. Seit 2011 koordiniert sie JoG und organisiert Jugendkonferenzen und Proteste, insbesondere mit regelmäßigen Konferenzen und Aktionen gegen die Innenministerkonferenz.

Newroz 2014 bei Protesten der Geflüchteten-Initiative "Lampedusa in Hanau".


Ihr lokales und bundesweites Engagement für die Rechte von jugendlichen Geflüchteten hat sie nach 2010 auch geographisch ausgeweitet. Seit 2013 ist Newroz in Griechenland aktiv. Gemeinsam mit dem Netzwerk "Welcome to Europe“ hat sie „Reisen zurück an die Grenzen“ (Journeys back to the borders) organisiert. Auf der Insel Lesbos kamen über drei Jahre lang jeden Sommer Aktivistivist*innen von JoG mit Jugendlichen aus Schweden und Griechenland zusammen.

Newroz bei einem Redebeitrag auf der Unteilbar-Demo in Dresden 2019.


Viele waren in ihrer Fluchtgeschichte selbst über die griechischen Inseln in Europa  angekommen und reisten nun zurück, um Neuankömmlinge zu unterstützen und zu ermutigen. Mit lokalen Solidaritätsbewegungen und Selbstorganisationen wurden Veranstaltungen organisiert und gegen das neu entstandene Lager Moria protestiert. Die Solidarität mit Projekten und Aktivist*innen in Griechenland mündete 2016 in den Aufbau eines  „Refugee Accomodation and Solidarity Space CITY PLAZA“, das in einem leerstehenden Hotel in Athen entstand und in dem Geflüchtete und Nicht-Geflüchtete gemeinsam ihren Alltag gestalteten. Newroz hat hier immer wieder Wochen verbracht, um dieses „beste Hotel Europas“ zu unterstützen.

Bei der We´ll-come-United-Demo in Hamburg 2017. Foto: Julia Schwendner

Solidarität stellt neben Empowerment das wichtigste Element ihrer Arbeit dar. Sie sind Antrieb und Ziel ihres Engagements. Seit Jahren setzt Newroz sich bundesweit für eine bessere Vernetzung zwischen selbstorgansisierten Aktivist*innen, antirassistischen und solidarischen Strukturen ein, wie zum Beispiel im bundesweiten Netzwerk „We´ll Come United“.

Das antirassistische Netzwerk brachte 2017 in Berlin über 10.000 Aktivist*innen, 2018 in Hamburg über 30.000 und 2019 in Dresden erneut 10.000 Menschen in bunten, kraftvollen Paraden zusammen. Mehr denn je haben diese Demonstrationen den alltäglichen Kämpfen für Bewegungsfreiheit und gleiche soziale Rechte Gehör und Sichtbarkeit verschafft. Daran möchte Newroz weiter anknüpfen, denn dieser Ansatz ist für sie voller kleiner Erfolgsgeschichten: Geschichten der Selbstverteidigung, Geschichten von sich selbst verteidigenden Community-Strukturen, Geschichten von grenzenloser Solidarität und Freundschaften.


Seit 2017 arbeitet Newroz auch als Traumapädagogin und ist regelmäßig in Rojava/Kurdistan tätig. Mit Kolleg*innen vom „Zentrum für Traumapädagogik“ in Hanau unterstützt sie die „Stiftung der Freien Frau in Rojava“ durch Fortbildungen von Erzieher*innen zur Traumapädagogik.

Verbindungen schaffen und Brücken zu bauen, von Hanau nach Kurdistan, von Lesvos bis nach Bautzen: Das sind weiterhin Newroz' Ziele!


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