Bewegungsstiftung

Förderprojekte im Jahr 2013

Bauer sucht Land

Landgrabbing – die zweifelhafte Aneignung von Land durch Investoren findet nicht nur in Afrika statt. Auch in Ostdeutschland tritt das Phänomen vermehrt auf. Die Bodenvergabe öffentlicher Flächen erfolgt nach intransparenten Kriterien an Großbetriebe und Investmentgesellschaften. Kleine Betriebe haben keine Chance, sich eine Existenz aufzubauen. Das Bündnis Junge Landwirtschaft will mit seiner Kampagne „ Bauer sucht Land“ eine gerechte und transparente Vergabe erreichen. Das Bündnis von Menschen aus dem Ökolandbau sieht sich als Anlaufstelle Betroffener und plant verschiedene Protest- und Infoveranstaltungen sowie eine breitere Vernetzung. Die Bewegungsstiftung fördert die Kampagne mit 5.000 Euro.

www.stopp-landgrabbing.de

Berliner Energietisch

Das Bündnis Berliner Energietisch engagiert sich dafür, dass das Stromnetz in Berlin wieder in öffentliche Hand übergeht und ökologische und demokratisch kontrollierte Stadtwerke gegründet werden. Die Chancen dafür stehen gut. Ende 2013/2014 laufen die Konzessionen für die Berliner Energienetze mit Vattenfall aus. Gleichzeitig ist die Debatte um die Rekommunalisierung der Strom-, Gas- und Wasserversorgung bundesweit in vollem Gange. Die Kampagne sammelt seit März Unterschriften für ein Volksbegehren, trägt das Thema in die Öffentlichkeit und will so Druck auf die Parteien machen - damit die BürgerInnen in Berlin künftig bei der Energieversorgung mitgestalten und mitbestimmen können.

Zuschuss: 10.000 Euro

http://www.berliner-energietisch.net

Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung

Marsch für das Leben – unter diesem Motto kommen jedes Jahr in Berlin christlich-fundamentalistische sowie rechtsnationale AbtreibungsgegnerInnen zusammen und fordern dort das totale Verbot und die Bestrafung von Schwangerschafts-abbrüchen in Deutschland und Europa. Mit der Kampagne "Mein Körper, meine Verantwortung, meine Entscheidung" will das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung diesem reaktionären Aufmarsch und dem wachsenden Einfluss christlicher FundamentalistInnen und Parteien wie der AfD entgegentreten. Mit einer Konferenz, Podiumsdiskussionen und Aktionen will das Bündnis für starken Gegenprotest sorgen und das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung für alle Menschen verteidigen.
Förderung: 13.200 Euro

http://www.sexuelle-selbstbestimmung.de

Disability & Mad Pride

Unter dem Slogan „Disability/ Mad Pride“ finden international, insbesondere in den USA, regelmäßig  Demonstrationen und politische Aktivitäten von Menschen statt, die von gesellschaftlicher  Behinderung/„Verrücktheit“ bzw. psychiatrischen Diagnosen betroffen sind. Ziel ist die öffentliche  Proklamation des eigenen politischen Selbstbewusstseins und das Eintreten für mehr Rechte für diese Menschen. Die Arbeitsgemeinschaft für Selbstbestimmtes Leben schwerstbehinderter Menschen hat unter dem Motto „Behindert und verrückt feiern“ 2013 erstmals eine solche Disability & Mad Pride auch in Deutschland organisiert. Die Bewegungsstiftung hat die Kampagne mit 4.000 Euro unterstützt.

http://www.pride-parade.de

ExChains

Viele Überstunden, niedrige Löhne, Leistungsdruck und Repression – das sind die Bedingungen unter denen TextilarbeiterInnen in Südostasien Kleidung für den Einzelhandel bei uns herstellen. Die großen Handelskonzerne könnten etwas an den Produktionsbedingungen ändern, wenn sie höhere Stückpreise zahlen und auf ihre Zulieferer einwirken würde. Um die Konzerne zum Handeln zu bewegen, will die Kampagne ExChains Proteste und Aktionen sowohl von Beschäftigten und Betriebsräten des Einzelhandels als auch von außerbetrieblichen Aktivisten organisieren. Mit Flugblattaktionen, Straßentheater und Interviews soll erreicht werden, dass die Konzerne die Listen ihrer Zulieferer offen legen und diese dazu verpflichten, Brandschutzbestimmungen einzuhalten, Gewerkschaften zuzulassen und höhere Löhne zu zahlen. Die Bewegungsstiftung fördert die Kampagne mit 12.000 Euro.

http://www.exchains.org/

Pinkstinks

Pinkstinks kämpft gegen die rosa Glitzerwelt in den Kinderzimmern und Werbekampagnen, die Mädchen eine limitierende Rolle zuschreiben. Denn auch wenn oft argumentiert wird, dass die rosa Welle eine Phase in der Mädchenkindheit ist, die vorübergeht, stellt sie die Weichen für eine unkritische Haltung gegenüber Mode- und Diätdiktaten von Bravo bis zu Model-Shows. Außerdem richtet sich Pinkstinks gegen vermeintlich ironisch gemeinte sexistische Werbekampagnen, die auch von Kindern konsumiert werden, wie zum Beispiel die Sportschau-Werbung „Männer waren schon immer so“. Denn Kinder verstehen Ironie erst ab dem achten Lebensjahr. Bisher ist Pinkstinks einzelne Werbekampagnen direkt angegangen, nun will die Gruppe mit einer Petition Druck auf den Deutschen Werberat als Kontrollgremium der Branche machen. Dieser soll mehr Rügen aussprechen und damit Kinder besser vor stereotypen Rollenbildern schützen. Die Bewegungsstiftung fördert die Kampagne zum Deutschen Werberat mit 7.000 Euro.

http://www.pinkstinks.de

Humanistische Union

Die Humanistische Union ist eine unabhängige Bürgerrechtsorganisation. Sie steht für das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und wendet sich gegen jede unverhältnismäßige Einschränkung dieses Rechts durch Staat, Wirtschaft oder Kirchen. Seit ihrer Gründung 1961 hat sie wichtige Debatten mit angestoßen, Aufklärungsarbeit geleistet und zahlreiche Musterklagen für Bürgerrechte initiitiert oder unterstützt. Nun will sich die Humanistische Union für die Zukunft neu aufstellen, ihr Profil schärfen, neue Mitglieder gewinnen und ihre Kampagnenfähigkeit verbessern. Erreicht werden soll das mit beispielhaften Kampagnen zur Abschaffung des Verfassungsschutzes und zu der unabhängigen Kontrolle der Polizeiarbeit. Die Bewegungsstiftung unterstützt den Organisationsentwicklungsprozess der Humanistischen Union von 2013 bis 2015 mit 70.000 Euro.

www.humanistische-union.de

Initiative Armut durch Pflege

Millionen Menschen in Deutschland pflegen eine ihnen nahestehende Person - unentgeltlich und oft ohne jede Unterstützung. Sie tragen den größten Teil der Pflegekosten selbst, was für den Staat eine enorme Entlastung bedeutet. Gleichzeitig geraten tausende aufgrund ihrer Pflegeverantwortung ins soziale Abseits und sind von akuter Verarmung betroffen. Die Initiative Armut durch Pflege setzt sich für eine  Umgestaltung des Pflegesystems ein, damit pflegende Angehörige vor einem sozialen Abstieg bewahrt bleiben und eine gute Pflege gesichert ist. Dazu will die Kampagne Betroffene vernetzen, die Öffentlichkeit mit Erfahrungsberichten aufklären und politische Lobbyarbeit betreiben. Die Bewegungsstiftung fördert die Kampagne mit 10.000 Euro.

www.armutdurchpflege.de

Keine Lager für Frauen! Alle Lager abschaffen!

In der Initiative „Women in Exile“ engagieren sich Flüchtlingsfrauen für ihre Rechte. Gemeinsam mit anderen AktivistInnen setzen sie sich sich für den Schutz von Frauen in Flüchtlingslagern ein, die häufig von Rassismus und sexueller Gewalt betroffen sind. Mit der Kampagne "Keine Lager für Frauen!", die ihren Schwerpunkt in Brandenburg hat, wollen sie erreichen, dass asylsuchende Frauen und ihre Kinder in Wohnungen untergebracht werden. Denn nur in Wohnungen ist ein selbstbestimmter Alltag und Privatsphäre möglich. Der Landtag Brandenburg hat bereits 2011 beschlossen, die Unterbringung von Flüchtlingen zu verbessern. Doch passiert ist bisher nichts. Nun will die Kampagne den Druck mit Öffentlichkeitsarbeit, Petitionen und Demonstrationen erhöhen und weitere Flüchtlingsfrauen mobilisieren. Langfristiges Ziel ist die bundesweite Abschaffung aller Lager. Die Bewegungsstiftung unterstützt die Kampagne mit 12.000 Euro.

www.womeninexile.blogsport.de

.ausgestrahlt

.ausgestrahlt kämpft gegen ein Comeback der Atomenergie und die Verlängerung der AKW-Laufzeiten, wie sie die neue Bundesregierung angekündigt hat. Zusammen mit anderen Organisationen hat .ausgestrahlt bereits im Wahlkampf die Anti-AKW-Bewegung zu eindrucksvollen Protesten mobilisiert und nach der Wahl die Koalitionsverhandlungen belagert. Nun wird .ausgestrahlt auch bei den anstehenden Konsensgesprächen zwischen Atomkonzernen und Regierung durch Protestaktionen deutlich machen, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen Atomkraft ist. Die Bewegungsstiftung unterstützt .ausgestrahlt mit einem Zuschuss von 13.000 Euro.

http://www.ausgestrahlt.de

Rechtshilfebüro für gewaltfreie Aktionen

Das Versammlungsrecht ist in den letzten Jahren von staatlicher Seite mit immer mehr Auflagen versehen worden. Versammlungen sind der Ausdruck unmittelbarer Demokratie - und doch behalten sich die Behörden die Definitionsfreiheit über Versammlungen vor, so dass die finanziellen und juristischen Risiken für die Aktiven hoch sein können. Mit der Kampagne „Störfaktor“ will das Rechtshilfebüro für gewaltfreie Aktionen gegen diese Einschränkung des Versammlungsrechts vorgehen -  mit Vorträgen und Schulungen für Aktive, aber auch mit Musterprozessen. Langfristig sollen Gestaltungsfreiheit und Entscheidungshoheit über den Inhalt und Zweck einer Versammlung zurückgewonnen werden. Die Bewegungsstiftung fördert das Rechtshilfebüro dabei bis 2015 mit einer Basisförderung in Höhe von 50.000 Euro.

www.stoerfaktor.org

Save Rosia Montana

Die Kampagne „Save Rosia Montana“ kämpft gegen die größte Tagebau-Goldmine Europas, die in dem rumänischen Ort Rosia Montana geplant ist. Dort will ein kanadischer Investor unter dem Einsatz von Zyanid auf einer Fläche von 1.500 Hektar Gold und Silber abbauen. Die Folge wären massive Umweltzerstörungen und die Zwangsumsiedlung von hunderten Menschen. Dagegen regt sich Widerstand. Aus den anfänglich lokalen Protesten ist die größte Sozial- und Umweltkampagne Rumäniens geworden. Nun will die rumänische Regierung das Projekt mit einem Sondergesetz durchdrücken. Die Kampagne, bei der die rumänische Organisation Alburnus Maior und deutsche Aktive zusammenarbeiten, will mit Netzaktivismus, Info-Material und öffentlichen Aktionen dagegenhalten. Die Stiftung fördert die Kampagne mit 11.950 Euro.

www.rosiamontana.org/en/

Steuertricks der Konzerne stoppen!

Pro Jahr gehen dem deutschen Staat 20 bis 30 Milliarden Euro Einnahmen durch Steuertricks von Konzernen verloren. Die Kampagne des globalisierungskritischen Netzwerks Attac fordert eine grundlegende Reform der Unternehmensbesteuerung und die Einführung einer Gesamtkonzernsteuer, damit die bisherigen Steuerschlupflöcher gestopft werden. So können Steuertrickser wie Apple, Ikea, Starbucks und Co endlich zur Kasse gebeten werden. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt die Kampagne besonders dreiste Steuervermeider unter Druck, sammelt Unterschriften und organisiert Protest, damit die Politik handelt. Die Bewegungsstiftung fördert die Kampagne mit 12.000 Euro.

www.attac.de/aktuell/konzernbesteuerung

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