Bewegungsstiftung

DemonstantInnen bei der Protestaktion vor der Aldizentrale in Mülheim. Da Aldi nicht mit ihnen sprechen will, findet die Aktion vor dem Firmenschild statt. Foto Julia Blume

Unterwegs mit Aktion Agrar

Aktion Agrar hat Aldi zum Aasgeier der Milchkrise gekürt. Unsere Praktikantin Julia Blume war bei der Preisverleihung vor der Konzernzentrale in Mülheim an der Ruhr dabei. Hier ihr Aktionsbericht.

Billige Milch, verzweifelte Bauern

Wir werden schief angesehen. Um es genau zu sagen, werden wir von einem Aasgeier schief angesehen, der auf dem großen Firmenschild hockt. Er symbolisiert die Trophäe des Negativ-Preises „Der Goldene Aasgeier 2016" und ist Mittelpunkt der heutigen Protestaktion vor der Aldi-Süd Konzernzentrale in Mülheim. Dort wird er zum ersten Mal von unserem Förderprojekt Aktion Agrar in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und dem Bundesverband deutscher Milchviehhalter verliehen.

Nach intensiven Vorbereitungen der letzten Tage trifft sich das Team von Aktion Agrar samt Unterstützern am Vormittag am Aktionsort. Eine Baustelle versperrt den Blick auf das große Bürogebäude des Discounters, also wählt die Gruppe das Firmenschild direkt neben der Einfahrt zum Gelände für die Protestaktion. Vorne an der Straße ist es weit weg von der eigentlichen Zentrale, aber ein- und ausfahrende Laster winken uns immer wieder zu.

Der Geier erhält einen Ehrenplatz auf dem Firmenschild

Die Stimmung bei allen ist gut und sogar das Wetter bringt beste Voraussetzungen mit. Unter strengen, aber verständnisvollen Blicken der Polizei beginnt der Aufbau. Schnell und routiniert sind drei große Banner aufgespannt und diverse Schilder positioniert. Sie tragen die wichtigsten Forderungen an Aldi: „Höfesterben stoppen - bäuerliche Betriebe sichern!“ und „Billige Milch zerstört Höfe weltweit - Preisdumping die Hörner zeigen, Mengen reduzieren!“. Der Geier erhält bis zur Verleihung einen Ehrenplatz oben auf dem Firmenschild.

Was hat der Vogel mit den Kühen zu tun? Die heutige Aktion ist Teil der Kampagne „Kühe und Bauern nicht verpulvern!“ von Aktion Agrar und dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac. Sie fordern ein Ende der bisherigen Milchpreispolitik, die zur aktuellen Milchkrise geführt hat. Die jüngste Preis-Senkung beim Discounter Aldi auf 46 Cent pro Liter bedroht die Existenz der Milchviehbetriebe. Aldi wird für die längst verzweifelt gegen die Insolvenz kämpfenden Höfe zum Aasgeier. Jutta Sundermann von Aktion Agrar begrüßt Teilnehmende und die ersten Pressevertreter. Angesichts der dramatischen Milchkrise interessieren sich auch die Medien für den goldenen Aasgeier und die Menschen, die ihn verleihen.

Die Reaktion von Aldi: Fenster werden geschlossen, Türen verriegelt

Dann wird es auf einmal ernst und hektisch. Die Aktion erreicht ihren Höhepunkt mit der Verleihung der Trophäe „Der Goldene Aasgeier 2016". Obwohl die Polizei ankündigt, die Personalien von jeder Person festzustellen, die das Firmengelände betritt, versuchen Jutta Sundermann und Leonie Dorn die Trophäe zusammen mit einem offenen Brief an Aldi zu überreichen. Die Reaktion ist eindeutig. Obwohl nur zwei Frauen auf den Bürokomplex zugehen, werden Bürofenster augenblicklich geschlossen, die automatischen Schiebetüren verriegelt. Selbst der reguläre Postbote muss vor der Tür stehen bleiben.

Aldi hatte im Vorfeld angekündigt, nicht mit den AktionsteilnehmerInnen reden zu wollen. Aber der große silberne Briefkasten direkt am Eingang schluckt fotogen den offenen Brief mit den Forderungen. Der „Goldene Aasgeier“ krönt nun den Briefkasten der Zentrale.
Damit ist das Ziel der Aktion erreicht und alle Teilnehmer sind gelöst.

Hintergrund der Aktion ist die Preissenkungsspirale: Politik und Molkereien schwärmten jahrelang von massiven Exportgewinnen durch eine hohe Nachfrage an Milch auf dem Weltmarkt. Viele Kuhställe wurden vergrößert – aber der versprochene Export brach ein. Das Überangebot ließ den Preis noch mehr sinken. Die Bauern bekommen inzwischen nur noch circa zwanzig Cent pro Liter, etwa die Hälfte der anfallenden Produktionskosten. Es ist ein Teufelskreis, da viele Höfe nun versuchen, so viel Milch als möglich zu melken.

Jeden Tag sterben acht Höfe

Im vergangenen Jahr starben durchschnittlich acht Höfe jeden Tag. Aldi profitiert als führender Discounter von den niedrigen Preisen, die sie zum Teil an die Verbraucher weitergeben. Aldi wird somit zum Krisenverschärfer und zieht einen Vorteil aus der Not der Bauern.

Aktion Agrar verlangt darum faire Preise für die Milch und ein Ende des Preisdumpings. Dazu fordern die Aktiven den Discounter auf, die niedrigen Preisofferten der großen Molkereien abweisen. Ebenso fordern sie die Bundesregierung und den Bauernverband auf, die Überproduktion von Milch und den Export von überschüssigem Milchpulver zu stoppen. Denn dieses setzt gleichzeitig weltweit Bauern unter Druck. „Leider ist die Bundesregierung gerade dabei, die Lage noch zu verschärfen und macht sich für weitere Freihandelsabkommen wie das TTIP stark“, erklärt Jutta Sundermann.
Die Aktion richtet sich auch an den Milchgipfel wenige Tage später in Berlin, bei dem mögliche Hilfsstrategien diskutiert werden.

Im Büro stapeln sich die Kartons

Nach der Reise nach Mülheim zurück im Büro stapeln sich schon Kartons, Geier und Goldstoff. Es werden fleißig die nächsten Pakete vorbereitet. DennAktion Agrar lädt weiterhin Aktionsgruppen in ganz Deutschland ein, die Aasgeiertrophäe an ihre ALDI–Filiale vor Ortleiter zu überreichen. Jede interessierte Gruppe erhält ein Paket mit dem nötigen Zubehör, dem Geier und einem Aktionsleitfaden.

Veröffentlicht am: 27.06.2016 11:12


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