5. Wir sind ein Lernraum für StifterInnen

Wie entfalten meine Spenden ihre größtmögliche Wirkung? Woran erkenne ich eine gut geplante Kampagne? Das haben viele StifterInnen durch die Mitarbeit in unseren Gremien gelernt. Hier ein Erfahrungsbericht unserer Stifterin Susann Haltermann.

 Susann Haltermann ist Gründungsstifterin der Bewegungsstiftung. Foto: Privat

"Ende der 90er Jahre hatte ich gerade meinen geerbten Anteil aus dem Verkauf der Familienfirma ausgezahlt bekommen und mich gefragt: Was mache ich jetzt mit dem Geld, wie kann ich verantwortlich damit umgehen? In dieser Situation hat mich eine Freundin auf eine Taz-Anzeige hingewiesen. Unter der Überschrift „Mit Geld die Welt verändern“ wurde ein Seminar für Vermögende beworben. An diesem nahm ich – zusammen mit zwei späteren Stiftern – teil. Dort wurde die Idee der Bewegungsstiftung vorgestellt. Sie hat mich überzeugt, weil die Stiftung genau die Bereiche fördern sollte, für die ich schon zuvor gespendet hatte. Ich war mir aber nie sicher, ob das Geld auch bei den richtigen Projekten ankommt. Bei den Initiatoren der Stiftung wusste ich: Die kommen selbst aus Bewegungen, können Kampagnen besser beurteilen und machen einen vertrauenswürdigen Eindruck. So bin ich zur Gründungsstifterin geworden. Die Gründung am 2. März 2002 war dann auch richtig feierlich. Es gab einen offiziellen Termin mit allem, was dazu gehört: Unterschriften, Ansprachen, Blumenstrauß und Gründungsfoto.

Ich bin dann in den Stiftungsrat berufen worden und habe dort fünf Jahre mitgearbeitet. Eine spannende Zeit, in der ich viel gelernt habe, über den Aufbau einer Stiftung und die Möglichkeit, zielgerichtet im Sinne eines Wandels gesellschaftlicher Verhältnisse einzugreifen. Rückblickend war es für mich oft nicht einfach, so viele weitreichende Entscheidungen treffen zu müssen. Aber insgesamt bin ich stolz auf das Erreichte. Mir gefällt, dass die Stiftung Gruppen fördert, die sonst schwer an Geld kommen, dass sie den Förderprojekten professionelle Beratung bietet und ihnen gleichzeitig auf Augenhöhe begegnet – das ist keineswegs normal in der Stiftungswelt.

Für mich selbst bedeutete die Bewegungsstiftung auch Empowerment. Durch sie habe ich neue Themen kennengelernt, bin kompetenter geworden, habe meine eigenen Grenzen erweitert. Zum Beispiel als wir mit einigen StifterInnen an der Besetzung eines Genmaisfeldes teilgenommen haben. Wir wurden festgenommen, das Verfahren wurde später gegen Geldstrafe eingestellt. Für viele von uns war das die erste direkte Konfrontation mit der Ordnungsmacht. Aber weil wir gut vorbereitet waren, alles gewaltfrei ablief und ich Vertrauen zu den Leuten hatte, konnte ich mich darauf einlassen. Früher wäre eine solche Aktion für mich unvorstellbar gewesen.

Später bin ich dann aus dem Stiftungsrat ausgeschieden und habe meine eigene Stiftung gegründet – die Stiftung GEKKO, die unter anderem Kampagnen gegen Gentechnik in der Landwirtschaft fördert. Ich wollte zurück zu meinen eigenen Themen, mehr selbst gestalten und entscheiden. Zur Bewegungsstiftung hat sich ein guter Kontakt erhalten, ich fühle mich ihr immer noch eng verbunden und nehme regelmäßig an Stiftungstreffen teil."

Veröffentlicht am: 05.03.2017 09:55


Mehr als nur Geld für Protest

Wir fördern Protestbewegungen - und das seit 15 Jahren. Doch die Bewegungsstiftung ist auch Netzwerk, Lernraum, Ort der Begegnung und Vorreiterin. Warum es sich lohnt, uns zu unterstützen, stellen wir hier mit 15 Gründen vor.

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1. Wir fördern mit Geld - und Beratung

Wir stärken soziale Bewegungen strategisch, indem wir Beratung und Begleitung anbieten. Was unsere Förderprojekte davon halten, kann man in diesen Ausrissen aus Abschlussberichten nachlesen.

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2. Wir bringen StifterInnen und Projekte zusammen

Wir sind eine Gemeinschaftsstiftung. Unsere StifterInnen und Aktive aus den geförderten Projekten kommen bei Treffen zusammen, diskutieren und entscheiden gemeinsam.

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3. Wir unterstützen Vollzeit-AktivistInnen

Sie machen politisches Engagement zu ihrem Beruf - unsere neun BewegungsarbeiterInnen. Zwei von ihnen berichten im Interview, was die Förderung für sie bedeutet.

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4. Unsere Förderprojekte sorgen für politischen Wandel

Aufklären, mobilisieren, protestieren - diese wichtige Arbeit leisten alle unserer Förderprojekte und erzielen dabei wichtige Erfolge. Einige Erfolge stellen wir in diesem Video exemplarisch vor.

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5. Wir sind ein Lernraum für StifterInnen

Wie entfalten meine Spenden ihre größtmögliche Wirkung? Woran erkenne ich eine gut geplante Kampagne? Das haben viele StifterInnen durch die Mitarbeit in unseren Gremien gelernt. Hier ein Erfahrungsbericht unserer Stifterin Susann Haltermann.

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6. Wir sorgen für Vernetzung

Die Bewegungsstiftung veranstaltet regelmäßig Fachtage und Seminare, bei denen sich Aktive vernetzen und voneinander lernen können. Projekte-VertreterInnen erklären, wie wertvoll das ist.

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7. Wir stärken Protest. Und der ist wichtiger denn je

Die Bewegungsstiftung stärkt soziale Protestbewegungen. Warum diese in Zeiten ansteigenden Rechtspopulismus besonders gefordert sind, erklärt der Protestforscher Dieter Rucht im Interview zum Nachhören.

8. Unsere StifterInnen fordern soziale Gerechtigkeit

Über Geld spricht man nicht? Unsere StifterInnen tun es und fordern mehr soziale Gerechtigkeit.

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9. Wir haben Protestbewegungen mit mehr als 4 Millionen Euro gefördert

Seit Gründung der Stiftung 2002 haben wir über 100 Organisationen mit mehr als 4 Millionen Euro unterstützt.

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10. Unsere StifterInnen beteiligen sich an Protest

Unsere StifterInnen geben nicht nur Geld für Protest - sie beteiligen sich auch selbst an Aktionen und Demos. Die Bewegungsstiftung ermöglicht so Menschen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und gemeinsam politisch aktiv zu werden.

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11. Wir mischen uns ein

Die Bewegungsstiftung meldet sich zu Wort, wenn es um Philanthropie, Gemeinnützigkeit und ethische Geldanlage geht.

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12. Wir fördern den Wandel auch mit unserer Geldanlage

Wir betrachten auch unsere Geldanlage als Förderinstrument für sozialen Wandel und legen unser Kapital ethisch-nachhaltig an. Eine Analyse unserer Finanzexpertin Kirsten Paul.

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13. Wir fördern Datenschutz und Bürgerrechte

Digitale Medien verändern unser Leben. Unsere Treuhandstiftung bridge hat die Chancen und Risiken, die damit verbunden sind, früh erkannt und fördert Bewegungen, die für Datenschutz und Bürgerrechte streiten. Eine Bildergalerie mit Eindrücken von einigen geförderten Kampagnen der letzten Jahre.

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14. Wir setzen Impulse für progressive Philanthropie

Progressive Philanthropie setzt auf Wandel statt Wohlfahrten. Unser Geschäftsführer Matthias Fiedler erklärt im Audio-Interview, welche Rolle dabei Vernetzung und die Mitarbeit von StifterInnen spielen.

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Die restlichen guten Gründe veröffentlichen wir im Wochentakt bis Ende Juni.