12. Wir fördern den Wandel auch mit unserer Geldanlage

Wir betrachten auch unsere Geldanlage als Förderinstrument für sozialen Wandel und legen unser Kapital ethisch-nachhaltig an. Eine Analyse unserer Finanzexpertin Kirsten Paul.

Die Bewegungsstiftung unterstützt unter anderem das Projekthaus in Potsdam mit einem Darlehen von 50.000 Euro. Foto: InWoLe GmbH

Warum wir unsere Geldanlage als Förderinstrument begreifen
Wer sich für das Profil einer Stiftung interessiert, fragt zuerst, welche Projekte gefördert werden. Nur wenige wollen wissen, wie das Fördergeld erwirtschaftet wurde. Wir bei der Bewegungsstiftung sind der Meinung: Alles Handeln einer Stiftung soll ihrem Zweck dienen. Deshalb wollen wir den gesellschaftlichen Wandel nicht nur mit den Erlösen aus unserem angelegten Vermögen fördern, sondern bereits mit unserer Vermögensanlage selbst.
Konkret heißt das: Unser Hebel der Veränderung sind nicht nur nur die rund 300.000 Euro, die wir jährlich als Förderung an Protestkampagnen vergeben, sondern auch unser Stiftungskapital von über 6 Millionen Euro, das wir in Alternativ-Projekten, in Sparbriefen und bei ökologischen und sozialen Fonds anlegen. Dabei wollen wir neue Wege beschreiten, das Geld in die richtigen Bahnen lenken und an der wirksamsten Stelle investieren. Aber: Wie macht man das am besten?

Die richtigen Kriterien
Wir haben 2004 einen Anlageausschuss gegründet, der eine Richtlinie für ethisch-nachhaltige Geldanlage erarbeitet hat. Darin verpflichten wir uns, dass kein Cent unseres Kapitals in Rüstung, Atomtechnik, Kinderarbeit oder ähnlich verwerfliche Wirtschaftsweisen fließt. Stattdessen wollen wir uns an Unternehmen beteiligen, die soziale und technische Innovationen erproben, zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen und soziale sowie ökologische Standards einhalten.
Natürlich wollen wir auch eine angemessene Rendite erzielen. Trotzdem steht die Frage der Ethik und Nachhaltigkeit immer am Beginn unserer Überlegungen. Erst danach entscheiden Kriterien wie Risiko, Rendite und Liquidität. Wir haben dabei die Erfahrung gemacht: Wer sich abseits der üblichen Investitionswege bewegt und sich selbst strenge Kriterien auferlegt, sucht die Nadel im Heuhaufen. Es sind immer wieder Hinweise von StifterInnen, Aktiven aus geförderten Projekten und Kooperationspartnern, die uns auf die richtige Fährte führen.

Wir suchen nach dem „Hebel der Veränderung“

Bei unserer Geldanlage wollen wir auch mit einem relativ geringen Kapitaleinsatz eine möglichst große Wirkung erreichen. Wir fragen dabei immer, wie sehr die Vermögensanlage tatsächlich zu einer von uns gewünschten Veränderung beiträgt. Wir schätzen den Hebel der Veränderung dann als besonders hoch ein, wenn einem Projekt durch unsere Anlage direkt Geld zufließt und diese noch unkonventionell ist und daher von wenigen AnlegerInnen überhaupt wahrgenommen wird.
Wo es möglich ist, fördern wir durch Direktanlagen. Das können Wohnprojekte, Organisationen des fairen Handels, eine Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft im ökologischen Landbau oder Wohnungsgenossenschaften sein. Dadurch vergeben wir zu günstigen Konditionen Geld an kleine und mittlere Projekte, welches diese auf den üblichen Wegen eher schwer oder gar nicht erhalten würden.

Wir machen unsere Geldanlage transparent
Darüber hinaus wollen wir auch Impulsgeber sein. Als eine von ganz wenigen Stiftungen in Deutschland veröffentlichen wir nicht nur unsere Anlagerichtlinien, sondern in regelmäßigen Abständen auch unser vollständiges Portfolio unter genauer Auflistung der einzelnen Anlagen und Beträge.
Für diese umfassende Transparenz stehen wir ein und wünschen uns, dass noch mehrere Stiftungen diesem Beispiel folgen. Denn mit unserer Arbeit wollen wir andere Stiftungen und vermögende Privatpersonen zum werteorientierten Investieren bewegen. Auf unserer Website veröffentlichen wir für jede Institution, jedes Projekt, jede Kapitalanlage eine Beschreibung und begründen, warum wir dort Geld angelegt haben. Wir zeigen, dass es trotz eines (noch) begrenzten Produktangebotes auch für größere Vermögensbeträge möglich ist, diese nach strengen Kriterien ethisch-nachhaltig zu investieren.

Wir prüfen die Risiken
Direktanlagen in Wohnprojekte und Genossenschaften haben gemein, dass sie im ungünstigsten Fall zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Angesichts dieses Risikos wägen wir verschiedene Kriterien sorgfältig gegeneinander ab: Wie hoch sind die ökonomischen und politischen Risiken? Welche Wirkung erzielen wir mit unserer Anlage? Wie hoch ist die zu erwartende Rendite? Um diese Fragen zu klären, prüfen wir zuerst öffentlich zugängliche Daten wie Jahresabschlüsse, Geschäftsberichte und die Auftritte im Internet. Bei Ungereimtheiten fragen wir einen Kreis von Fachleuten und sprechen auch die geförderten Projekte an, die im jeweiligen Themenfeld politisch aktiv sind. Bleiben dann Fragen offen, wenden wir uns direkt an die möglichen Geldempfänger, die nach unserer Erfahrung zumeist bereitwillig Auskunft geben.

Am Ende entscheidet der Rat
Alle Informationen werden für den Anlageausschuss aufbereitet, der die Vor- und Nachteile abwägt, dem Risiko und der Vermögensstruktur angemessene Anlagebeträge festlegt und eine Empfehlung an den Stiftungsrat ausspricht. Dem Stiftungsrat obliegt die letzte Entscheidung.

Ethisch-nachhaltig anlegen lohnt sich

Festzuhalten bleibt: Alle Formen der ethisch-nachhaltigen Geldanlage entfalten ihre Wirkung. Auch Geldanlagen, die eine marktübliche Rendite und Sicherheit gewähren, üben gesellschaftlichen Druck für einen sozialen und ökologischen Wandel aus. Private und institutionelle AnlegerInnen können Impulse für die Entwicklung von weiteren Angeboten setzen. Sie können Einfluss ausüben, indem sie möglichst alle Facetten des ethisch-nachhaltigen Angebotes nachfragen. Je größer die Summen werden, die im ethisch-nachhaltigen Bereich investiert werden sollen, desto mehr werden sich Banken und weitere Anbieter bemühen, geeignete Produkte zu entwickeln. Als Stiftung haben wir diesen Einfluss in den letzten Jahren geltend gemacht und wollen dies auch in Zukunft fortsetzen.

Veröffentlicht am: 05.03.2017 09:13


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