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BewegungsstiftungFörderungBewegungsarbeiter : Jutta Sundermann

Jutta Sundermann

Jutta Sundermann bei einer Rede der Kampagne »Power to the People«.

Jutta Sundermann, Jahrgang 1971, ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder und mit Leidenschaft Vollzeit in verschiedenen Bewegungen aktiv. Neben eigener Kampagnenarbeit berät sie andere Projekte.

Engagement bei Attac
Im Jahr 2000 gründete Jutta Attac in Deutschland mit und ist heute Mitglied des Koordinierungskreises. Sie engagiert sich vor allem in Kampagnen der GlobalisierungskritikerInnen, wie 2004 bis 2006 in der »Lidl-Kampagne« gegen Preis-, Umwelt- und Sozialdumping des Discounters oder in der Kampagne »Power to the people«, die das Ziel hat, den großen vier Stromkonzernen den Stecker zu ziehen.
Als die Deutsche Bank 2008 auf Brötchentüten für Spekulation mit Nahrungsmitteln warb, organisierte die Bewegungsarbeiterin den Protest, der zu einer Entschuldigung des Bankchefs Ackermann führte (allerdings nur für die zynische Werbung) und die Auseinandersetzung mit dem Geschäft mit dem Hunger vorantrieb. Als Referentin ist sie oft unterwegs, um die Spekulationsmechanismen und -folgen zu erklären.
Im März 2009 fälschte sie mit einem kleinen Redaktionsteam die Wochenzeitung »Die Zeit« und drehte die Uhr dafür vor: Das aufgedruckte Erscheinungsdatum lag zwölf Monate vor dem Datum, an dem die Ausgabe verteilt wurde, so dass jede/r lesen konnte, was die Redaktion gerne in einer Zeitung der Zukunft lesen würde: Vom Ausstieg aus der Gentechnik und Atomenergie war darin die Rede, von wirksamer Regulierung der Finanzmärkte, neuer Fairness im internationalen Handel und echten Anstrengungen, dem Klimawandel zu begegnen. 350.000 Exemplare wurden bundesweit verteilt und begeisterten nicht nur die LeserInnen, sondern auch viele Medienschaffende. So erhielt das Attac-Zeit-Plagiat unter anderem den Medienprojektpreis der Otto-Brenner-Stiftung.

2009 sorgte Jutta zusammen mit anderen Attac-AktivistInnen mit einer Flugblatt-Aktion in der Frankfurter Börse für Aufsehen.

2010 organisierte Jutta das Bankentribunal in der Volksbühne mit. Monatelang arbeitete die Vorbereitungsgruppe an der großen öffentlichen Auseinandersetzung über die Entstehung und die Folgen der Finanzmarktkrise im voll ausverkauften Theatersaal. Nach der Aufführung im April folgte die Redaktionsarbeit an der Dokumentations-DVD, die seit Ende Juli über Attac zu beziehen ist.
Für den Bankenaktionstag von Attac Ende September 2010 eröffnete Jutta mit einigen Mitstreitern erneut eine Fälscher-Werkstatt. Diesmal erschien die Zeitung »Financial Crimes«: auf lachsrosa Papier wie das nachgeahmte Original. Um nicht zu früh aufzufliegen, wurde wieder alles im Geheimen vorbereitet, der Druck in Wien in Auftrag gegeben. Am Bankenaktionstag verteilten mehr als 120 Gruppen die ungewöhnliche, detailgetreu nachgebildete Aktionszeitung.

Widerstand gegen Agro-Gentechnik
Seit 2005 ist die Aktivistin Büro, Pressesprecherin und Texterin für die freiwilligen FeldbefreierInnen der Initiative »Gendreck weg«, die in den letzten Jahren für ein weltweites Verbot von Gentechnik in der Landwirtschaft kämpft. »Gendreck weg« arbeitet mit zivilem Ungehorsam und kann in jedem Jahr Hunderte von Absichtserklärungen von Menschen sammeln, die angesichts der dramatischen Auswirkungen der Agrogentechnik nach öffentlicher Ankündigung Genmaisfelder betreten und die Pflanzen unschädlich machen. Über diese gewaltfreien und farbenfrohen Aktionen gab es eine breite Presse-Berichterstattung und in jedem Jahr mehr Zuspruch von Aktiven, aus der Landwirtschaft und von kritischen KonsumentInnen. Wenn auf die direkte Aktion Prozesse folgen, muss die Bewegungsarbeiterin meistens am heimischen Rechner bleiben. Sie wird per Mobiltelefon auf dem Laufenden gehalten und versorgt wiederum JournalistInnen mit Informationen aus dem Gerichtssaal.

Vor der Feldbefreiung die Kundgebung im Regen: Jutta mit Aktiven aus Frankreich und der Schweiz im Lautsprecherwagen

Und vorher?
2002 startete die Aktivistin zusammen mit Menschen aus der BUKO, der Bundeskoordination Internationalismus, die BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie. Im April 2008 erschien der zehnte »Kaperbrief« der Gruppe als bundesweite taz-Beilage. 2004 wurde die Einzel-Kampagne »Naschen gegen Biopiraterie« Förderprojekt der Bewegungsstiftung. Ziel der Kampagne war es, die Patentierung und den Markenschutz, von dem die Tropenfrucht Cupuaçu akut bedroht war, zu verhindern. Dieses Ziel erreichten die AktivistInnen durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit und indem sie hunderte von leckeren Pralinen aus der Tropenfrucht verkauften.
2001 bis 2005 war Jutta für die kritische Frankfurter Hilfsorganisation medico international ehrenamtlich aktiv. Sie gestaltete Jugendmitmachaktionen für die Kampagne »fatal transactions«, die die Zusammenhänge von Rohstoffexporten und Bürgerkriegen in Afrika verdeutlichte und aufzeigte, wo europäische Unternehmen skrupellos daran verdienen.
Von 1997-98 und 1999 bis 2003 arbeitete sie in Verden/Aller in der Verdener Umweltwerkstatt mit und beim Aufbau des Ökozentrums, in dem heute die Bewegungsstiftung zu Hause ist.
Zuvor lebte Jutta Sundermann in Hessen, wo sie nach einer Zeit als Landesjugendsprecherin der Naturschutzjugend sich dem Aufbau von freien Projektwerkstätten widmete und in Reiskirchen-Saasen sowie im alten Bahnhof Trais Horloff selbst auch handwerklich Raum für politische Projektarbeit schaffte. Nach dem Abitur und einem Praktikum bei der Hörfunk-Redaktion des Hessischen Rundfunks arbeitete sie einige Jahre gleichzeitig als freie Radio-Journalistin und für die Einführung eines Bürgerradios in Gießen. Auf ein Studium verzichtete sie angesichts eines immer vollen Terminkalenders – und bereut es bis heute nicht, da sie jeden Tag jenseits der Hörsäle und Studiengebühren vieles lernen darf.

www.gendreck-weg.de

www.biopiraterie.de

www.attac.de/stromkonzerne


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