Jutta Sundermann

Aktion Agrar bei der Überreichung von Unterschriften gegen Massentierhaltung an den Grünen Umweltminister Robert Habeck in Schleswig-Holstein.

Jutta Sundermann, Jahrgang 1971, ist mit Leidenschaft Vollzeit in verschiedenen Bewegungen aktiv. Im Herbst 2014 hat sie mit mehreren Mitstreiterinnen „Aktion Agrar – Landwende jetzt!“ gegründet und streitet für die Zukunft einer bäuerlichen Landwirtschaft, die ökologischer, sozialverträglich und tiergerechter arbeitet. Neben der Kampagnenarbeit für „Aktion Agrar“ berät sie andere Projekte bei Kampagnenplanung, Finanzierungsfragen, Pressearbeit und einigem mehr.

Seit der Gründung im Herbst 2014 ist „Aktion Agrar“ richtig durchgestartet. Die erste Kampagne widmete sich der geplanten Reform der Düngeverordnung, die aktuell so schwach ist, dass Europa Deutschland mit einem Vertragsverletzungsverfahren droht. Aktion Agrar fordert eine konsequente Düngeverordnung und will den „Tierfabriken den Güllehahn zudrehen“. Den Fokus legt die Kampagne auf den Widerstand gegen das Ausbreiten der Agar-Industrie, bäuerliche Landwirtschaft soll eine Zukunft haben. Bis diese Forderung umgesetzt ist, drängen die Aktivistinnen auf erste Schritte: VerbraucherInnen sollen den Konsum tierischer Produkte einschränken, TierhalterInnen und Gesetzgeber dafür sorgen, dass sich die Haltungsbedingungen der Tiere umfassend verbessern. So sollen die Ställe an die Bedürfnisse der Tiere angepasst, und Nutztieren ein Auslauf geboten werden. Tierhaltung soll flächengebunden stattfinden, damit Futteranbau und Weidegang möglich sind. Aktion Agrar fordert desweiteren konsequente Verbote von Eingriffen wie das Kupieren von Schnäbeln und Schwänzen der Tiere.

Für ihr Engagement gegen Massentierhaltung hat Jutta mit Aktion Agrar bereits breite Unterstützung aus der Bewegung erhalten: Im Herbst 2014 bewilligte die Bewegungsstiftung eine Kampagnenförderung, und im Vorfeld der Agrarministerkonferenz ist Aktion Agrar eine Kooperation mit Campact eingegangen, so dass sie gemeinsam über 200.000 Unterschriften für eine konsequente Düngeverordnung einreichen konnten.

2009 sorgte Jutta zusammen mit anderen Attac-AktivistInnen mit einer Flugblatt-Aktion in der Frankfurter Börse für Aufsehen.

Die Gründung von Aktion Agrar hat berühmte und vielfältige Vorläufer in Juttas Lebenslauf.

Im Jahr 2000 gründete Jutta Attac in Deutschland mit und war ganz am Anfang sowie von 2007 bis Ende 2014 Mitglied des bundesweiten Koordinierungskreises. Sie engagierte sich unter anderem von 2004 bis 2006 in der »Lidl-Kampagne« gegen Preis-, Umwelt- und Sozialdumping des Discounters und 2008 in der Kampagne »Power to the people«, die das Ziel hatte, den großen vier Stromkonzernen den Stecker zu ziehen.

Als die Deutsche Bank 2008 auf Brötchentüten für Spekulation mit Nahrungsmitteln warb, organisierte Jutta den Protest, der zu einer Entschuldigung des Bankchefs Josef Ackermann führte (allerdings nur für die zynische Werbung) und die Auseinandersetzung mit dem Geschäft mit dem Hunger vorantrieb.
Als Referentin ist sie oft unterwegs, um die Spekulationsmechanismen und -folgen zu erklären – oder seit 2013 auch die wichtigsten Tricks internationaler Konzerne, ihre Gewinne an der Steuer vorbei zu rechnen. Außerdem spricht sie zu vielen anderen Themen aus dem Spektrum der Globalisierungskritiker und gibt Praxisworkshops für Aktionsgruppen.

Im März 2009 fälschte sie mit einem kleinen Redaktionsteam die Wochenzeitung »Die Zeit« und drehte die Uhr dafür vor: Das aufgedruckte Erscheinungsdatum lag 13 Monate vor dem Datum, an dem die Ausgabe verteilt wurde, so dass jede/r lesen konnte, was die kleine Redaktion gerne in einer Zeitung der Zukunft lesen würde: Vom Ausstieg aus der Gentechnik und Atomenergie war darin die Rede, von wirksamer Regulierung der Finanzmärkte, neuer Fairness im internationalen Handel und echten Anstrengungen, dem Klimawandel zu begegnen. 350.000 Exemplare wurden bundesweit verteilt und begeisterten nicht nur die LeserInnen, sondern auch viele Medienschaffende. So erhielt das Attac-Zeit-Plagiat den Medienprojektpreis der Otto-Brenner-Stiftung.

Im Oktober 2008 sorgte Jutta zusammen mit anderen Attac-AktivistInnen mit einer spektakulären Kletteraktion und einem Banner über der Dax-Kurve in der Frankfurter Börse für Aufsehen.

2010 organisierte Jutta das Bankentribunal in der Volksbühne mit. Monatelang arbeitete die Vorbereitungsgruppe an der großen öffentlichen Auseinandersetzung über die Entstehung und die Folgen der Finanzmarktkrise im voll ausverkauften Theatersaal. Nach der Aufführung im April folgte die Redaktionsarbeit an der Dokumentations-DVD, die seit Ende Juli über Attac zu beziehen ist.
Für den Bankenaktionstag von Attac Ende September 2010 eröffnete Jutta mit einigen MitstreiterInnen erneut eine Fälscher-Werkstatt. Diesmal erschien die Zeitung »Financial Crimes«: auf lachsrosa Papier wie das nachgeahmte Original »Financial Times«. Um nicht zu früh aufzufliegen, wurde wieder alles im Geheimen vorbereitet, der Druck in Wien in Auftrag gegeben. Am Bankenaktionstag verteilten mehr als 120 Gruppen die ungewöhnliche, detailgetreu nachgebildete Aktionszeitung.

Naschen gegen Biopiraterie

Parallel zu ihrem Engagement für Attac startete die Aktivistin 2002 zusammen mit Menschen aus der BUKO, der Bundeskoordination Internationalismus, die Kampagne gegen Biopiraterie. Im April 2008 erschien der zehnte »Kaperbrief« der Gruppe als bundesweite taz-Beilage. 2004 wurde die Einzel-Kampagne »Naschen gegen Biopiraterie« Förderprojekt der Bewegungsstiftung. Ziel der Kampagne war es, die Patentierung und den Markenschutz, von dem die Tropenfrucht Cupuaçu akut bedroht war, zu verhindern. Dieses Ziel erreichten die AktivistInnen durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit und indem sie hunderte von leckeren Pralinen aus der Tropenfrucht verkauften.

Widerstand gegen Agro-Gentechnik

Von 2005 bis 2010 war die Aktivistin Büro, Pressesprecherin und Texterin für die freiwilligen FeldbefreierInnen der Initiative »Gendreck weg«, die in den letzten Jahren für ein weltweites Verbot von Gentechnik in der Landwirtschaft kämpft. »Gendreck weg« arbeitete mit zivilem Ungehorsam und konnte in den Jahren, in denen der Genmais „Mon810“ kommerziell angebaut werden durfte, mehrmals Hunderte von Absichtserklärungen von Menschen sammeln, die Genmaisfelder zu betreten und die Pflanzen unschädlich zu machen. Über diese gewaltfreien und farbenfrohen Aktionen gab es eine breite Presse-Berichterstattung und in jedem Jahr mehr Zuspruch von Aktiven, aus der Landwirtschaft und von kritischen KonsumentInnen. Wenn auf die direkte Aktion Prozesse folgten, musste die Bewegungsarbeiterin meistens am heimischen Rechner bleiben. Sie wurde per Mobiltelefon auf dem Laufenden gehalten und versorgte wiederum JournalistInnen mit Informationen aus dem Gerichtssaal.

Vor der Feldbefreiung die Kundgebung im Regen: Jutta mit Aktiven aus Frankreich und der Schweiz im Lautsprecherwagen

Und sonst so?

Aktionen und Kampagnen gegen industrielle Landwirtschaft und Großindustrie durchziehen den Lebenslauf von Jutta – auch bei ihrer ehrenamtlichen Mitarbeit bei der kritischen Frankfurter Hilfsorganisation medico international von 2001 bis 2005. Sie gestaltete Jugendmitmachaktionen für die Kampagne »fatal transactions«, die die Zusammenhänge von Rohstoffexporten und Bürgerkriegen in Afrika verdeutlichte und aufzeigte, wo europäische Unternehmen skrupellos daran verdienen.
Von 1997 bis 2003 arbeitete sie in Verden/Aller in der Umweltwerkstatt mit und beim Aufbau des Ökozentrums, in dem heute die Bewegungsstiftung zu Hause ist. Darauf folgten zehn Jahre in Wolfenbüttel, und 2014 kehrte Jutta zum Ökozentrum zurück: Hier hat nun auch Aktion Agrar ein Büro. Doch Jutta wirbelt nicht nur für ihre eigene NGO, sondern auch für das Norddeutsche Zentrum für Nachhaltiges Bauen, das im April 2015 auf dem Gelände des Ökozentrums eröffnet wurde. Als Not an Mann und Frau war, stieg sie in dessen Aufsichtsrat ein.
Jutta lebt zusammen mit rund 20 Menschen in einem Hofprojekt in Dörverden-Stedorf, knapp zehn Kilometer südlich von Verden. Das Projekt ist selbstverwaltet, und wenn es die Zeit erlaubt, kümmert sich Jutta um die Website der gemeinsamen Genossenschaft AllerWohnen e.G. und plant mit ihren MitbewohnerInnen weitere Wohnprojekte im Landkreis Verden.

Die Anfänge

Aufgewachsen ist Jutta Sundermann in Hessen, wo sie sich nach einer Zeit als Landesjugendsprecherin der Naturschutzjugend dem Aufbau von freien Projektwerkstätten widmete und in Reiskirchen-Saasen sowie zuvor im alten Bahnhof Trais Horloff selbst auch handwerklich Raum für politische Projektarbeit schaffte.

Nach dem Abitur und einem Praktikum bei der Hörfunk-Redaktion des Hessischen Rundfunks arbeitete sie einige Jahre gleichzeitig als freie Radio-Journalistin und für die Einführung eines Bürgerradios in Gießen.

In Hessen kamen 1992 und 1995 Juttas Kinder Ronja und Chico zur Welt, die sie jahrelang bei Aktionen begleiteten und dafür sorgten, dass die Aktivistin nicht die Bodenhaftung verlor. Inzwischen gehen die Beiden ihre eigenen Wege.

Jutta Sundermann war von 2008 bis Mai 2014 reguläres Mitglied im Bewegungsarbeiter-Programm. Spenden an sie wurden von der Bewegungsstiftung weitergeleitet. Jetzt ist sie als freie Bewegungsarbeiterin weiterhin im Stiftungsnetzwerk aktiv. Die Bewegungsstiftung freut sich, wenn Interessierte Jutta unterstützen möchten. Aufgrund der strengen Vorgaben der Mildtätigkeit kann die Weiterleitung der Spenden allerdings nicht mehr über die Stiftung erfolgen. Wer Juttas Engagement finanziell unterstützen möchte, kann sich per E-Mail direkt an sie wenden: jutta.s at jpberlin.de


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