Edgar Schu

Wer Edgar Schu (Jahrgang 1969) zum ersten Mal trifft, kommt wahrscheinlich nicht auf die Idee, einen Diplom-Chemiker vor sich zu haben. Seine durchweg positive Art, mit der er Menschen für sich gewinnen kann, würden wohl die wenigsten mit einem ernsten Naturwissenschaftler verbinden. Ein Blick in seinen Lebenslauf zeigt den langen Weg vom Chemiker zum Vollzeitaktivisten.

In seiner Jugend und als Student engagierte er sich in politischen Bewegungen. Über die Anti-AKW-Bewegung und die Antifa kam er zur sozialen Frage. Beim bundesweiten Aktionsbündnis Sozialproteste (ABSP), das aus den Montagsdemonstrationen entstanden ist, kämpft er seit 2004 gegen die weitere Verschärfung von Gesetzen gegen Erwerbslose und gegen Lohndumping.

Nach einer befristeten Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Göttingen machte er sein politisches Engagement zum Lebensinhalt. Ohne festes Einkommen, musste Edgar Schu seinen Unterhalt aus seinen Ersparnissen bestreiten. Seit Juni 2007 ist er Bewegungsarbeiter und wird von ersten PatInnen der Bewegungsstiftung in seiner Arbeit unterstützt.

Im ABSP sind Protestinitiativen aus ganz Deutschland vertreten. Montagsdemonstrierende, Erwerbslosengruppen und Einzelpersonen aus der Basis von Gewerkschaften, sozialen Bewegungen, Parteien, Sozialverbänden und kirchlichen Organisationen arbeiten hier als Netzwerk zusammen. Alle zwei Monate finden bundesweite Treffen statt, bei denen Raum für Austausch der Initiativen untereinander ist und Entscheidungen über das weitere Vorgehen des ABSP getroffen werden.

Edgar Schu betreibt das Vernetzungsbüro des ABSP, »in seinem WG-Zimmer«, wie er lächelnd hinzufügt. Von hier aus werden Rundmails nach Absprache mit dem bundesweiten Koordinierungskreis verfasst und an mehrere hundert Aktive im Bundesgebiet versendet. Außerdem hält Edgar Schu mit zahlreichen Gesprächen, E-Mails und seiner gelegentlichen Beteiligung an Projekten vor Ort den Kontakt zu den bundesweit verteilten Initiativen. Nach außen vertritt er gemeinsam mit anderen Personen aus dem Koordinierungskreis das ABSP und erörtert Kooperationsmöglichkeiten mit sozialen Bewegungen, Gewerkschaften, Parteien und weiteren gesellschaftlichen Akteuren.

Im Gespräch betont Edgar Schu, dass es ihm wichtig ist, nicht nur zu protestieren, sondern konstruktive Kritik zu üben. Erwerbslosen-Themen sollen Teil gesellschaftlicher Diskussion werden.

Seine Forderungen fasst er kurz in drei Zahlen zusammen: 30 - 10 - 500.
Die 30-Stunden-Woche trägt der gesteigerten Produktivität Rechnung und ermöglicht so die Verteilung von Arbeit auf möglichst viele Menschen. 10 Euro Mindestlohn sowohl im privaten als auch im staatlichen Beschäftigungssektor sollen einen Schutz vor Lohndumping und Ausbeutung bieten. Die menschenunwürdigen 347 Euro Arbeitslosengeld II sollen auf 500 Euro angehoben werden, damit Erwerbslose nicht noch weiter aus dem gesellschaftlichen Leben hinaus gedrängt werden.

BewegungsarbeiterInnen erhalten ihr Geld nicht von der Bewegungsstiftung, sondern von einem Kreis von PatInnen. Edgar Schu hat bisher erst wenige UnterstützerInnen. Er wünscht sich deshalb neue PatInnen, die ihn in seiner wichtigen Arbeit unterstützen.

www.die-soziale-bewegung.de


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