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Emanuel Matondo

Krieg, Korruption, Hunger und Armut in Afrika – das sind die Missstände, gegen die der Friedens- und Menschenrechtsaktivist Emanuel Matondo kämpft. All diese Themen sind eng mit seinem eigenen Leben verknüpft. Der Journalist wurde 1966 in Angola geboren – einem Land, in dem von 1975 bis 2002 fast ununterbrochen Bürgerkrieg herrschte. »Ich bin das, was man in Angola aus mir gemacht hat«, sagt Emanuel Matondo. Nachdem er die Schule beendet hatte, weigerte er sich, sich für das Militär registrieren zu lassen. So wie er machten es viele andere Jugendliche in der damaligen Zeit in Angola. Für sie begann damit ein Versteckspiel mit der mächtigsten und allgegenwärtigen Institution des Landes, der Armee. »Damit war mir der Weg zu einem Studium und zur Fortentwicklung im eigenen Land verbaut. Aber ich wollte kein Kanonenfutter werden.« Stattdessen ging Emanuel in die Illegalität und flüchtete schließlich 1990 nach Deutschland, wo er 2001 als Kriegsdienstverweigerer anerkannt wurde.

In Deutschland lernte Emanuel, der mit seiner Lebensgefährtin und seinen zwei Kindern in Köln lebt, die Methoden des gewaltfreien Widerstandes kennen. Außerdem engagierte er sich intensiv für den Friedensprozess und eine zivile Konfliktlösung in Angola. 1998 gründete er zusammen mit anderen Exil-AngolanerInnen die Angolanische Antimilitaristische Menschenrechtsinitiative, eine Organisation, die angolanische Flüchtlinge in Deutschland unterstützt und sich auch als pressure group im Ausland für die angolanische Zivilgesellschaft und Friedensbewegung einsetzt.

Emanuel verteilt Flugblätter vor Beginn der Hauptversammlung der Deutschen Bank 2007 in Frankfurt. Foto: Dachverband der Kritischen Aktionäre

Denn in Angola herrscht zwar offiziell Frieden, doch Gewalt ist immer noch an der Tagesordnung. »Der Krieg wird in anderer Form fortgesetzt – durch strukturelle Gewalt«, sagt Emanuel Matondo. »20.000 bis 40.000 Kinder sterben jährlich in Angola durch Hunger, Armut, Krankheiten.« Dabei verfügt Angola über riesige Erdölvorkommen. »Doch die Mehrheit der Bevölkerung hat nichts davon«, erklärt Emanuel. »Das Geld fließt in die Taschen einer korrupten und kleptokratischen Elite, die es auf ihre Privatkonten ins Ausland transferiert. Diese Plünderkumpanei wird von multinationalen Konzernen, ausländischen Amtsträgern und Lobbyisten aller Couleur unterstützt.«

Spätestens durch diese wirtschaftlichen Verflechtungen wird Angola auch zu einem deutschen Thema. Denn Emanuel Matondo, der als Journalist und Autor für Tageszeitungen und entwicklungspolitische Zeitschriften schreibt, hat recherchiert, dass deutsche Firmen und Banken an Aufrüstung, Korruption und Plünderwirtschaft mit verdienen. »Die Ölförderung in Angola wird mit überteuerten Krediten deutscher Banken, wie zum Beispiel der Commerzbank und Co., finanziert«, sagt Emanuel. »Die angolanische Regierung greift auf diese Wucherkredite zurück, obwohl bilaterale Kreditabkommen mit internationalen öffentlichen Entwicklungsbanken viel günstiger wären. Aber diese wären daran geknüpft, dass Angola seine Korruption bekämpft, sich Transparenz als Ansatz der Regierungsführung verschreibt und Unterschlagung der Ressourceneinnahmen durch die Elite unterbindet.«

Außerdem hat Emanuel herausgefunden, dass deutsche Waffenlobbyisten aus dem Umfeld des verstorbenen CSU-Politikers Franz-Josef Strauß und des verurteilten Waffenhändlers Karlheinz Schreiber als Berater der angolanischen Regierung agieren. Sie knüpfen die Kontakte zu deutschen Rüstungsfirmen und sind daran beteiligt, dass Angola – ein Land, dass weder über eine funktionierende Gesundheitsversorgung noch über ein flächendeckendes Bildungssystem verfügt – Milliarden Euros für Fregatten, Korvetten und Radarsysteme oder teure Waffengattungen ausgibt. 

Emanuel bei einem Vortrag vor den AktionärInnen der Deutschen Bank. Er berichtet, wie die Bank von Korruption in Angola profitiert. Foto: Dachverband der Kritischen Aktionäre

Emanuel Matondo ist überzeugt, dass es für die Menschen in Angola und anderen afrikanischen Staaten nur einen Weg gibt, sich von korrupten Machthabern, Krieg und Unterdrückung zu befreien – durch gewaltfreien Widerstand: »Ich will aufzeigen, dass die Gewaltfreiheit eine Alternative zum bewaffneten Konflikt bietet.« Dazu hat er ein Konzept entwickelt, mit dem er afrikanische Oppositionsgruppen stärken will. In Workshops sollen Experten Wissen über gewaltfreien Protest vermitteln. Über ein afrikanisches Online-Zentrum sollen sich Gruppen vernetzen und so Kenntnisse über neue Formen der Massenmobilisierung verbreiten.

Bei der Umsetzung dieser Pläne hilft Emanuel, dass er selbst gut vernetzt ist. Von 2002 bis 2005 war er Ratsmitglied der Organisation »War Resisters International«. Er arbeitet eng mit dem deutschen Verein Connection zusammen, war Mitglied der internationalen Anti-Minen-Kampagne und engagiert sich in der internationalen Kampagne gegen Korruption in transnationalen Geschäften und Beziehungen »Publish what you pay«. Gewaltfreie Proteste, wie es sie in den letzten Jahren in Kenia, in der Demokratischen Republik Kongo und Angola gegeben hat, machen Emanuel Matondo Mut: »Ich glaube an die Veränderbarkeit der Dinge«, sagt Emanuel. »Keine ungerechte Situation bleibt ewig. Die Dinge ändern sich nicht von heute auf morgen, aber durch harte Arbeit mit Mitstreitern kann man die Menschen überzeugen.«

Einige Links von Initiativen, an denen Emanuel Matondo beteiligt ist:

www.iaadh.de

www.connection-ev.de

www.unionpacifiste.org

www.vsv-rdc.com

Mpalabanda - (Associação Cívica de Cabinda / Civic Association of Cabinda)
Friedens- und Menschenrechtsorganisation aus der erdölreichen angolanischen Provinz Cabinda, die von der Regierung im August 2006 verbannt wurde. Derzeit sitzen viele ihrer Mitglieder willkürlich in Sicherheitsgefängnissen in Cabinda. Sieben von ihnen, zwischen Januar 2009 bis Februar 2010 verhaftet, gehören zu den prominentesten Menschenrechtsverteidigern, darunter katholische Pfarrer und Anwälte. Die Website der Organisation wurde blockiert.

Links zu Texten, die Emanuel Matondo geschrieben hat:

http://www.imi-online.de/2009.php?id=2014

http://www.issa-bonn.org/publikationen/4-05matondo.htm

jungle-world.com/artikel/2003/35/11273.html

http://www.entwicklungspolitik.org/fruehere-hefte/2001/01-2001/

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