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"Adopt a Revolution" im Interview

„Adopt a Revolution - den syrischen Frühling unterstützen“ ist seit Herbst 2011 ein Förderprojekt der Bewegungsstiftung. Die Kampagne unterstützt Lokale Komitees in Syrien durch Revolutionspatenschaften. Andre Find erklärt im Interview, wie "Adopt a Revolution" arbeitet. 

Wie funktionieren die Revolutionspatenschaften?

Andre Find: Man kann direkt für ein Bürgerkomitee in Syrien eine Patenschaft übernehmen und spenden – und erhält dann regelmäßig Informationen über die Ereignisse und Aktionen der Komitees. Zur Zeit fördern über 1.000 RevolutionspatInnen 29 Komitees, ein Komitee bekommt von uns etwa 700 bis 900 Euro im Monat. Unser Hauptaugenmerk liegt auf der finanziellen Unterstützung, aber wir sehen auch einen Informationsauftrag für die Menschen hier: Wir wollen helfen, die Berichte der Komitees weiter zu verbreiten.

Was passiert mit dem Geld in Syrien?

Andre Find: Es gibt etwa 300 Komitees in Syrien, die in verschiedenen Netzwerken organisiert sind. Wir geben das Geld an die Netzwerke weiter, die es dann den Komitees zukommen lassen, teilweise auch in Form von Sachwerten wie Satellitentelefonen oder Sim-Karten. Wir stehen für den unbewaffneten Protest und es ist uns ein Anliegen, dass die Komitees von uns nicht direkt Geld bekommen, wenn die Gefahr besteht, dass sie dafür Waffen kaufen würden. Wir ermöglichen ihnen aber mit der finanziellen Unterstützung auch den Kauf von Lebensmitteln, Mietzahlungen, den Druck von Flugblättern oder den in Syrien recht teuren Internetanschluss.

In welchem Maße versucht ihr die deutsche Zivilgesellschaft und die deutschen Behörden zu erreichen?

Andre Find: Wir arbeiten mit den deutschen Behörden nicht viel zusammen. Wir wollen die AktivistInnen aus der Zivilgesellschaft heraus unterstützen und hier über die Medien versuchen, die Situation in Syrien besser verständlich zu machen. Die deutschen Medien zeigen Interesse an unserer Arbeit, das freut uns. Und wir bekommen gutes Feedback von unseren PatInnen, von denen viele sagen: Erstmals gibt es die Möglichkeit, ganz praktisch politische Hilfe zu leisten. Auch in Syrien wird positiv aufgenommen, dass es internationale Aufmerksamkeit gibt.

Wie geht ihr damit um, ständig spontan auf neue Ereignisse reagieren zu müssen?

Andre Find: Wir machen zwar Pläne für die nächsten Wochen, müssen aber immer offen sein für neue Entwicklungen. Damit haben wir kein Problem, weil die Absprachen in einem kleinen Team nicht lange benötigen und unsere Organisation erst drei Monate alt ist. Es gibt keine Strukturen, die uns unflexibel machen könnten.

Arbeitet ihr auch mit anderen Organisationen zusammen?

Andre Find: Ja, wir kooperieren zum Beispiel mit dem Netzwerk Friedenskooperative, mit Medico International und mit Attac.

Welche Ziele und Hoffnungen habt ihr?

Andre Find: Kurzfristig ist unser Ziel, möglichst viele Komitees in Syrien zu unterstützen und damit zu einer demokratischen Entwicklung und dem Aufbau einer aktiven Zivilgesellschaft auch nach der Ära Assad beizutragen. Wir sind überzeugt, dass ein neues Syrien die Wahrung von Menschen- und Minderheitenrechten garantieren und vertreten muss. In Deutschland würden wir gern eine Stelle einrichten, an die sich politische Flüchtlinge aus Syrien und auch Studenten wenden können, deren Visum hier abläuft, die aber nicht zurück nach Syrien können oder wollen. Diese Leute verfallen in den Status eines Asylbewerbers und können dann häufig ihre politische Arbeit nicht fortsetzen.

Wann werden sich die Verhältnisse in Syrien ändern?

Andre Find: Das lässt sich nicht abschätzen, aber schnell gehen wird die Veränderung nicht. Die Besonderheit in Syrien – im Vergleich zu anderen Ländern wie Ägypten, wo der Sturz des Regimes sehr schnell ging – ist aber, dass sich durch die vielen Komitees, die in Syrien aktiv sind, eine Zivilgesellschaft herausbilden kann und liberale Kräfte die Zeit nach Assad bestimmen können. In Ägypten haben ja vor allem die Muslimbrüder und die Salafisten profitiert und die liberalen, westlich gewandten Demokraten sind die Verlierer. Wir erhoffen uns, dass dies durch die Komitees in Syrien anders verläuft.

Wie habt ihr die Kampagnenförderung der Bewegungsstiftung eingesetzt?

Andre Find: Die Kampagnenförderung war unsere Anschubfinanzierung für die Grundlagen der Kampagne: Website, Grafik, Flyer, Büro. So konnten wir ehrenamtlich loslegen, mussten aber nicht alles aus eigener Tasche finanzieren.

Das Interview führte Nils Heisterhagen.

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Drei Mal im Jahr versenden wir unseren Rundbrief "bs aktuell", in dem wir aus der Stiftung und aus den Förderprojekten berichten. Das Interview ist dort erschienen. Wenn Sie unseren Rundbrief regelmäßig per Post erhalten möchten, dann senden Sie uns bitte ein E-Mail mit dem entsprechenden Betreff und Ihrer Postanschrift an: info@bewegungsstiftung.de


Veröffentlicht am: 24.03.12 00:00 |


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