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BewegungsstiftungStiftungStifterInnen : Interview mit Hermann Daß

»Geld strategisch verwenden - diese Idee hat mich fasziniert« Interview mit Hermann Daß

Du bist seit 2002 Stifter der Bewegungsstiftung - was hat dich damals überzeugt?

»Ich hatte zuerst in der ›Zeit‹ von der Stiftung gelesen, dann ein Treffen besucht und zwei oder drei Tage später zugestiftet. Die Stiftung war genau das, was ich immer gesucht habe. Ein wesentlicher Punkt für meine Entscheidung war, dass politische Bewegungen Geld brauchen, um etwas bewegen zu können.«

Das klingt als ob du selbst Erfahrungen in diesen Bereichen gesammelt hast.

»Als junger Erwachsener war ich in der Friedens- und Anti-Atom-Bewegung aktiv. Und als Arzt war ich drei Jahre als Entwicklungshelfer in Burkina Faso. Seitdem habe ich mich immer wieder gefragt, wie man Geld für Veränderung geschickt einsetzt. In Afrika war das Problem, dass Geld gefehlt hat. Hier ist es oft anders herum: Geld ist im Überfluss vorhanden, aber keiner kommt auf die Idee, es an der richtigen Stelle einzusetzen. Deshalb hat mich die Idee der Bewegungsstiftung, Geld strategisch zu verwenden, so fasziniert.«

Du arbeitest auch im Anlageausschuss der Stiftung mit – warum?

»Weil ich das Thema spannend finde. Die Beratung über die Ethik der Geldanlage macht Sinn. Grundsätzlich gefällt mir an der Bewegungsstiftung, dass man nicht einfach nur sein Geld abgibt, sondern dass es geschätzt wird, wenn man sich einbringt. Die Menschen in der Stiftung gehen sehr respektvoll und wertschätzend miteinander um. Das habe ich bisher in dieser Qualität bei keiner anderen Organisation erlebt.«

Gibt es politische Ereignisse, die Dich geprägt haben?

»Ja, das waren zum einen die Demos Anfang der 80er Jahre in Brokdorf, bei denen ich die vermummten Polizeieinheiten und die Wasserwerfer miterlebt habe. Ein anderes Erlebnis hatte ich in Burkina Faso. Kurz nach meiner Einreise wurde der Präsident Thomas Sankara erschossen. Er war sehr beliebt, weil er nicht zur korrupten Elite gehörte. Diese Erlebnisse haben mir gezeigt, wie hart arm und reich, Macht und Ohnmacht aufeinander treffen. Die Zeit in Afrika hat mir andererseits auch viel Hoffnung gegeben. Viele Menschen dort sind bitterarm, aber sehr offen, gastfreundlich und voller Lebensfreude. Trotz ihrer Armut leben sie im Einklang mit sich selbst und dem Rhythmus der Natur.«

Mittlerweile lebst Du mit Deiner Familie in Deutschland und arbeitest als Hausarzt in Kassel. Beschäftigt Dich das Thema Nord- Süd-Gerechtigkeit weiterhin?

»Ja, nachdem ich aus Afrika zurückgekommen bin, habe ich viele Jahre in einer Initiative für fairen Handel mitgearbeitet. Die Dinge gehören zusammen – der Mangel in Afrika und der Überfluss in Europa. Deshalb ist es wichtig, etwas an den Wirtschaftsstrukturen zu ändern, damit die Menschen im Norden und Süden gemeinsam vernünftig leben können. Darüber hinaus betreibe ich selbst ein kleines Hilfsprojekt in Burkina Faso. Aber mich interessieren auch andere Themen.«

Welche sind das?

»Zum Beispiel soziale Gerechtigkeit in Deutschland. Und aktuell drücke ich natürlich der Anti-Atom-Bewegung die Daumen. Eigentlich ist es ein bisschen peinlich, dass das immer noch auf der Agenda steht. Umso wichtiger, dass die Atomkraftwerke endlich abgeschaltet werden.«


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