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BewegungsstiftungStiftungStifterInnen : Interview mit Silke Freitag

»Mir gefällt, dass die StifterInnen selbst aktiv sind« - Interview mit Silke Freitag

Was hat Dich überzeugt, Stifterin der Bewegungsstiftung zu werden?

»Die Würde des Menschen ist antastbar geworden. Deshalb braucht es soziale Bewegungen, die die Ursachen bekämpft und nicht nur Symptome lindert. Von der Stiftung habe ich erfahren, weil ich den Geschäftsführer Jörg Rohwedder kenne. Als ich von meinen Großeltern in ihrem Erbe bedacht wurde, war klar, dass ich dieses Geld in die Bewegung einbringen würde.«

Bist Du selbst politisch aktiv?

»Ich komme ursprünglich aus der Menschenrechts- und Friedensbewegung und engagiere mich seit Jahren in der Anti-AKW-Bewegung – aktuell vor allem bei 'x-tausendmal quer'; in der Vorbereitung der großen Sitzblockade vor dem Zwischenlager in Gorleben während des Castortransports im November. Ehrlich gesagt gibt es so viel strukturelle Gewalt, dass es mir immer wieder schwer fällt, mich zu entscheiden, ob ich mich jetzt für Flüchtlinge, gegen Gentechnik in der Landwirtschaft oder für mehr Demokratie einsetzen soll. Deshalb engagiere ich mich auch als Moderatorin und Trainerin im Netzwerk ZUGABe (Ziviler Ungehorsam, Gewaltfreie Aktion, Bewegung) und unterstütze dabei ganz unterschiedliche Initiativen.«

Was gefällt Dir besonders an der Bewegungsstiftung?

»Mir gefällt, dass die StifterInnen nicht nur Geld geben, sondern selbst aktiv sind. Während der Castorproteste 2008 habe ich in einer ruhigen Minute auf einem Strohballen gesessen, meinen Tee getrunken und den Blick schweifen lassen: Ich war in diesem Gewusel von mindestens zehn StifterInnen, unzähligen VertreterInnen vieler Förderprojekte, mehreren BewegungsarbeiterInnen und einigen Hauptamtlichen der Stiftung umgeben.«

Du engagierst Dich auch in der Projektbegleitung und der AG Evaluation der Stiftung – warum?

»Mir macht das einfach Spaß! Ich schätze die Leute, die ich in diesen Gremien treffe, menschlich und fachlich sehr. Außerdem habe ich den Eindruck, an dieser Stelle am besten Visionen für die Zukunft der Stiftung entwickeln zu können.«

Wie sieht Dein Leben abseits der Stiftung aus?

»Ich bin Mediatorin, Supervisorin und Trainerin für gewaltfreie Aktion. Ansonsten lebe ich mit dem Vater meiner beiden Kinder den Traum der gleichberechtigten Elternschaft. Ich engagiere mich im Schulvorstand unserer kleinen Dorfschule und versuche einfach, mich dem kleinen Unrecht im Alltag entgegen zu stellen und andere zu motivieren, das gleiche zu tun.«

Hast Du dafür ein Beispiel?

»Wir haben mal mit fast allen Eltern des Kindergartens den PolitikerInnen im Stadtrat einen Besuch abgestattet, um zu verhindern, dass eine Erzieherin zwangsversetzt wird. Dabei waren Menschen, die noch nie öffentlich zu irgendetwas nein gesagt haben und die Angst hatten, sie könnten schon für so einen winzigen Akt des zivilen Ungehorsams ins Gefängnis kommen. Heute sagen sie: Hey, wenn die Stadt unsere stinkende Schule nicht auf Schimmel untersucht, dann gehen wir eben zum Bürgermeister und erzählen ihm mal, was wir davon halten!«


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