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BewegungsstiftungStiftungStifterInnen : Interview mit Joost Siedhoff

»Die Anti-Atom-Bewegung liegt mir am Herzen« - Interview mit Joost Siedhoff

Wie haben Sie von der Bewegungsstiftung erfahren?

»Durch Presseberichte. Dabei habe ich auch erfahren, dass in den nächsten Jahren riesige Summen Geld vererbt werden. Davon kann durch die Bewegungsstiftung viel Geld für die gute Sache zusammen kommen. Ich habe zwar keine große Erbschaft gemacht, aber dafür konnte ich genug Geld aufbringen, um Mitglied bei der Stiftung werden zu dürfen. «

Welche politischen Themen sind Ihnen wichtig?

» Das ist an erster Stelle das Thema Lobbyismus. Wenn jemand wie Frank-Walter-Steinmeier sagt: ›Für die Kontrolle der Banken sehe ich wenig Hoffnung, die sind einfach zu stark‹, dann finde ich das bedrohlich. Der Normalbürger kann doch gar nicht mehr überblicken, wie Lobbyisten auf die Politik Einfluss nehmen. Deswegen ist die Arbeit von Organisationen wie LobbyControl so wichtig. Auch die Anti-AKW Bewegung liegt mir am Herzen und das Thema Bildung.«

Sie arbeiten seit über 60 Jahren als Schauspieler auf der Bühne und bei Film und Fernsehen. Bleibt da Zeit für politisches Engagement? Haben Sie selbst schon an Protesten teilgenommen?

»Selbstverständlich. Dabei habe ich mich an das Prinzip gehalten, die eigenen Möglichkeiten effektiv einzusetzen. Anfang der 70er Jahre habe ich mit der Humanistischen Union an szenischen Lesungen von Dramen teilgenommen, die in Bayern auf dem Index standen - zum Beispiel von Autoren wie Arthur Miller und Arnold Wesker. In München habe ich bei ›Künstler für den Frieden‹ mitgewirkt. Und ich bin öfter mit Kollegen auf die Straße gegangen, wenn wir verhindern wollten, dass der Staat ein Theater demontiert oder eine Oper ihr Ballett einbüßt.«

Woher stammt Ihr Interesse an Politik und Protestbewegungen?

»Ich glaube, dass liegt auch an meiner Herkunft. Ich bin 1926 in Dessau als Kind von Bauhaus-Eltern geboren. Meine Mutter hat am Bauhaus als Innenarchitektin gearbeitet und dort Kindermöbel und Spielzeug hergestellt. Mein Vater war an der Bauhaus-Bühne als Tänzer und Pantomime tätig. Ich war also von Haus aus links-liberal. Und ich habe viel erlebt - Nazi-Zeit, Fronteinsatz, Hungerjahre, Studiobühne, Schauspielerkarriere, Polit-Kabarett und Tourneen mit eigenem Ensemble durch über 70 Länder. Das sind Erfahrungen, die mich geprägt haben.«

Wenn Sie selbst politisch entscheiden dürften - was würden Sie ändern?

»Ich würde mich dafür einsetzen, dass die Schere zwischen Arm und Reich sich schließt - bei uns und in der Welt. Und ich halte es für wichtig, dass Rassenvorurteile abgebaut werden und Frieden zwischen den Religionen herrscht. Deshalb sehe ich die Wahl von Barack Obama als große Chance. Allein die Reden, die er zu Atomwaffen und zur Versöhnung von westlicher und arabischer Welt gehalten hat, sind den Friedensnobelpreis wert. Und dass er es als Schwarzer geschafft hat, zum Präsidenten der USA gewählt zu werden, hat schon vieles angestoßen. Es gibt aber auch wichtige Themen, die nicht so präsent sind. Gut wäre eine Kampagne gegen die Lobby der Alkohol-Produzenten. Schnaps ist nicht weniger gefährlich als Nikotin.«


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